Mittwoch, 12. Juli 2017

Pro Frieden, pro Welt, pro Leben

In ein paar Tagen werde ich 50. Abgesehen davon, was das ganz persönlich mit mir macht, baut sich ein Anliegen, das mich – so lange ich denken kann – begleitet, immer lauter vor mir auf. Ich hatte mir irgendwann mal geschworen, dass diese Welt, wenn ich sie später verlasse, eine bessere sein sollte, als die, die ich vorgefunden habe.
Ich fand nie etwas falsch daran. Trotzdem möchte ich mich davon verabschieden, denn es ist ein Wahnsinn, mir das aufzubürden. Eine Hybris. Als ich klein war, starben die Wälder. Manchmal konnte ich morgens kaum atmen, so dick war der Smog. Pershing2 Raketten und Chruise Missiles wurden stationiert. Ich wurde in der Schule auf einen möglichen Krieg vorbereitet, lernte, wie ich mich im Falle eines Atomraketenangriffs zu verhalten hatte und erlebte, wie Menschen, die nicht nur für ihre, sondern auch für die Freiheit der anderen kämpften, eingesperrt wurden. Ich sah, wie Flüsse verschmutzt und Robbenbabys erschlagen wurden, den Ausbruch der Nahost-Kriege. Ich sah, wie die Mauer fiel, während mindestens Hundert andere in den Köpfen wieder aufgebaut wurden. Ich erlebte in Griechenland hautnah, wie Menschenwürde und Menschenrechte mit Füßen getreten wurden. Die Liste ließe sich fortsetzen. Nichts von dem konnte ich verhindern. Ich konnte auch nicht verhindern, dass alles im Grunde noch schlimmer wurde. Während wir uns dafür feiern, dass wir immer älter werden, sind wir maßgeblich für das 6. Massensterben auf diesem Planeten verantwortlich. Das ist nicht mehr zu verhindern. Das kann man sich auch nicht mehr schönreden. In meiner Stadt sterben wieder massenhaft Bäume, Singvögel und Insekten verschwinden. Und wir? Diskutieren. Über uns und darüber, wie wir es verhindern können? Viel zu selten. Zeit, umzudenken. 50 ist nicht die Hälfte. Es ist an der Zeit, mein Vorhaben zu beerdigen, anzuerkennen, dass ich allein es nicht schaffen kann. Dass die Idee von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Dass ich meine Kräfte konzentrieren muss, damit ich nicht selbst auf der Strecke bleibe. Vor knapp einem Jahr hat sich der Blogger Johannes Korten das Leben genommen. Seine letzten Zeilen waren:
"Am Ende. Es hat nicht gereicht für ein ganzes Leben."
Seine Worte sind mir eine Mahnung. Sie sollten uns alle eine Mahnung sein. Wir lassen einander und uns selbst zu sehr allein. Meinen, uns abstrampeln zu müssen. Aber das funktioniert nicht. Es geht nicht um jeden Einzelnen. Es geht um uns alle. Denn ohne uns alle ist der Einzelne nichts. So geht jedem früher oder später die Puste aus. Diese Welt braucht uns nicht. Dich nicht, mich nicht, niemanden. Aber es wäre so schön, sie gemeinsam zu einem Ort zu machen, wo sich alle wohlfühlen können. Wo niemand ausgeschlossen ist, niemand um sein Leben fürchten muss. Ich glaube fest daran, dass das möglich ist. Vielleicht nicht mehr in meinem Leben und vielleicht irre ich mich auch. Aber einen Versuch wäre es wert. Er beginnt damit, dass wir verstehen, dass wir nicht getrennt sind. Weder von unserer Umwelt, noch von den Menschen, die uns umgeben. Schaden wir ihnen, schaden wir uns.
"Ja! Komm, lass es uns gemeinsam versuchen."

Im Kleinen. Vor der eigenen Haustür, in der Straße, in der Stadt. Nichts an meiner Idee war falsch, bis auf die Tatsache, dass es dafür nicht mich oder Dich, sondern uns alle braucht. Der Zustand unserer Welt verlangt nach einem Kraftakt, den wir nur gemeinsam leisten können. Vernetzt sind wir doch schon. Dann dürfte es ja auch kein Ding sein, diese Vernetzung besser zu nutzen. Pro Frieden, pro Welt, pro Leben.

1 Kommentar:

Ludi´sART hat gesagt…

Liebe Jaeannette,
ich wünsch dir für die vergangenen 50 und für die zukünftigen 50 alles gute! So gerne lese ich deine Worte ! Irgendwie trösten sie mich, nein, sie berühren mich. Dafür danke ich dir sehr !
Ja, was macht die "zahl 50" mit dir. Sicherlich eine Menge. Wie das drum herum um dich auch. Bei mir hat es eine große Menge bewirkt. Immer in kleinen Dosen, sonst wäre es noch unerträglicher geworden. Ich habe es zugelassen, so gut es ging. Viele Tränen sind geflossen, viele Dinge, auch solche die mir lieb waren habe ich abgelegt. Jetzt nach 7 Jahren komme ich wieder zur Ruhe, finde so viel Neues, Bereicherndes, Außergewöhnliches, ich bin noch! reicher geworden und kann mit mehr Ruhe und Gelassenheit als ich es mir je erträumt hätte auf die Zukunft blicken. Eine Träne schmerzt im Auge, die Gewissheit, dass die Zeit immer knapper wird. ...

Entschuldige ich rede nur von mir. Aber vielleicht kann es zu dem Funken der Hoffnung in eine gute Zukunft beitragen.

Ich finde es so schön, Menschen wie dich zu begleiten (auch nur hier im i-net...), es gibt mir Hoffnung auf gute Zeiten.
vielen Dank und alles Gute !!!!!!!

ach, ich habe schon vor einiger Zeit gesehen, dass du bei Kunstleben Berlin aktiv bist. Ich war von einigen Jahren in Berlin und habe Rommy Campe persönlich kennengelernt. Wie passend und stimmig.....

ganz liebe Grüße aus dem Süden von Bayern

Ludwina