Sonntag, 29. Januar 2017

Zieht Trump den Stecker

Gerade lese ich, dass Trumps Einreiseverbot auch Piloten und Flugbegleiter trifft und die Gesellschaften deshalb kurzfristig umplanen müssen. Warum müssen sie umplanen? Warum bleiben sie nicht einfach am Boden? Warum bleibt diese Welt nicht überhaupt mal für einen Moment stehen und zeigt einem offensichtlich narzisstisch schwer gestörten Mann, was Zusammenhalt bedeutet? Warum posten wir Bilder, teilen mit Entsetzen jeden Furz, den dieser Mann ablässt, statt zu agieren? Statt ihm einen Schritt voraus zu sein. Trump hält der Welt eine Möhre vor die Nase und alle rennen japsend hinterher. Das nennt sich vielleicht Diplomatie, aber das wird unser Problem nicht lösen.


Wer je mit einem Narzissten in einer Beziehung gelebt hat, der weiß, dass es eigentlich nur zwei Mittel gibt. Schnell das Weite suchen oder seine Aktivitäten, Boshaftigkeiten und Anmaßungen ignorieren. Das wird den Narzissten nicht ändern, aber manchmal gelingt es so, ihn in seine Schranken zu weisen. Ansonsten wird nichts diese Menschen aufhalten, außer sie gelangen selbst zu der Einsicht, dass sie Hilfe benötigen, weil sie krank sind. Ich glaube, die Fälle in denen das passiert, liegen unter der Wahrnehmungsgrenze und sind daher im Grunde zu vernachlässigen. Trump ist überzeugt von dem, was er macht. Er glaubt, dass er das Richtige tut. Er glaubt, dass er es wirklich für sein Land tut. Und er ist felsenfest der Ansicht, dass er dazu berufen ist. Dass Gott ihn quasi an diesen Platz gesetzt hat, um "Amerika great again" zu machen.

Ich finde es unglaublich spannend, zu gleich aber auch erschütternd zu beobachten, wie hilflos die Weltgemeinschaft auf dieses enfant terrible reagiert. Wie man versucht, ihm mit Diplomatie beizukommen. Dann jene, die selbst gern so wären, ein Seehofer zum Beispiel, der ihm nun applaudiert, um sich ein bisschen in seiner Energie zu sonnen. Ja, es gibt sie, die Menschen, die vor Narzissten buckeln. Das sind all jene, die geliebt werden wollen. Meist von einer starken Vaterfigur, die sie selbst nicht hatten. Da kriecht man dann gern mal einem Putin oder einem Trump in den Hintern, Hauptsache es fühlt sich warm und geborgen an. Aber auch das hat Grenzen, denn Narzissten sind an Menschen nicht interessiert. Auch nicht an jenen, die ihnen den Hintern wischen.

Gut, das ist jetzt alles schlau gesagt, aber wie würde es denn aussehen, wenn wir den Spieß umdrehen würden? Bilder aus Wurst oder Fisch als Trumpsches Konterfei, sind sicher nicht die Lösung. Auch ein Gerichtsbeschluss wird vielleicht ein wenig Mäßigung bringen, aber das Problem an sich nicht beseitigen. Schimpfen, demonstrieren, ihn verunglimpfen – auch das hat wenig Aussicht auf Erfolg. Stillstand wäre die Lösung. Stillstand in Einigkeit mit allen. Schickt einen Tag lang keine Güter nach Amerika, lasst einen Tag lang keine Flugzeuge in diese Richtung starten. Schalten für einen Tag Twitter aus, damit seine Botschaften im Nichts landen, lasst für einen Tag die Medien schweigen. Lasst diese Welt für einen Tag stillstehen. Dieser Mann denkt, dass er die Welt beherrscht. Es geht ihm doch gar nicht um Amerika. Momentan hält er alle Fäden in der Hand, weil die meisten nur darauf starren, was er als Nächstes tut. Er muss ins Leere laufen. Wir müssen seinen Attacken die Bedeutung nehmen, indem wir einfach nicht mehr reagieren. Hören wir auf die Angsthasen zu sein.

Ich habe es vor ein paar Tagen schon einmal geschrieben: Ich glaube, dass wir gerade eine historische Chance haben. Wir stehen an einer Kreuzung und wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung wir als Menschheit gehen wollen. Das ist das Gute an Trump. Er wirkt wie ein Katalysator, denn Tatsache ist, dass wir keine Zeit mehr haben. Schauen wir uns doch diese Erde an. Wie lange wollen wir denn noch ignorieren, dass der Mensch als "Krone der Schöpfung" als solche er sich ja gern sieht,  Raubbau an der Natur und an anderen Wesen betreibt? Wir haben ein hohes Bewusstsein, aber wir sind primitiv geblieben. Wie sagte Tolstoi? "So lange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben." Oder Eugen Drewermann, der in einem Interview sagte: " Von Weltvernunft und Weltverantwortung haben wir bis heute kaum etwas begriffen. Und das Paradoxe existiert an jeder Stelle, dass die Naturwissenschaften uns fast schreiend darauf hinweisen, wie in dieser Welt alles mit allem zusammenhängt – und zwar auf eine bewundernswert komplexe Weise, so dass man überhaupt nichts verändern kann, ohne dass es nicht Folgebedeutungen ins Unabsehbare hätte. Wir aber sitzen da und spielen herum."

Damit sind wir wieder bei Trump. "Er will doch nur spielen." könnte auf seinem T-Shirt stehen. Und nun erinnern wir uns kurz an unsere Sandkastentage und daran, was man mit denen machen musste, die schon damals glaubten, dass der Sand nur ihnen gehöre.
Isolieren. Stehen lassen. Stecker ziehen. Das wirkt.

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