Freitag, 8. Juli 2016

Nein heißt Nein

Nun ist es durch – das neue Sexualstrafrecht. Gelobt von vielen, als DER DURCHBRUCH gefeiert und bejubelt. Und obwohl ich ein Frau bin, obwohl ich selbst schon Opfer sexueller Gewalt war, kann ich in den Jubel nicht einstimmen. Nicht nur, dass ich die Art und Weise, wie es durchgepeitscht wurde und wie der Vorfall "Lohfink" instrumentalisiert wurde, völlig daneben finde. Ich bin auch der Meinung, dass es den Graben zwischen den Geschlechtern noch mehr aufreißt und das in einer Zeit, in der wir uns ohnehin schon ordentlich entfremdet haben.


Ich möchte an der Stelle einen Auszug aus meinem Buch "Die verletzte Tochter" einfügen, wo ich dieses Thema schon einmal aufgegriffen haben.

--> "Huldigt der Mann allerdings zu sehr der Weiblichkeit, dann ist das auch nicht in Ordnung. Da fühlt sich Frau schnell herabgesetzt und auf Brust und Hintern, auf Küche und Kinder reduziert. Wie schwer es in der heutigen Zeit für Männer ist, einer Frau klarzumachen, dass er sie begehrenswert findet, welch ein Drahtseilakt das ist und wie schnell man als Mann riskiert, zum Anmacher, zum Schwanzdenker und Lüstling degradiert zu werden, ist den Frauen offensichtlich nicht bewusst. Auch nicht, was sie mit dieser Haltung ihren Kindern vorleben. 
Sie sehen sich in der Rolle des Sexobjekts und klagen darüber. Das klingt kompliziert, unlässig und genau so ist es. Irgendwann zwischen den Blumenkindern und der Generation Golf wurde Flirten von Frauen zur Anmache und zur Oberflächlichkeit herabgestuft – in manchen Frauenköpfen sogar zu einem Gewaltakt durch den das weibliche Geschlecht erniedrigt und überrumpelt wird. 
In diesem Zusammenhang las ich neulich den fast verzweifelten Blogeintrag eines jungen Mannes, der die Frauen seiner Generation fragte, was denn so schlimm daran sei, wenn er ihnen anerkennende Blicke hinterher schicken würde. Die Liste der weiblichen Schmähkommentare auf diesen Eintrag war nahezu endlos und ich bin sicher, dass dieser junge Mann es nicht mehr so schnell wagt, seine Meinung öffentlich zu sagen. Geschweige denn einer Frau auf seine Art zu zeigen, dass sie schön ist. Es scheint eine Nachwehe des Feminismus zu sein, dass viele Frauen hinter jedem männlichen Tun einen sexuellen Gewaltakt vermuten. Penis ist gleich: Sex ist gleich: Macht ist gleich: Erniedrigung der Frau. Wie tief muss die Wunde bei den Frauen sitzen, die so denken. Und wie dunkel scheint die Brille, die sie nicht erkennen lässt, dass sie sich dadurch zum Opfer stilisieren." 

Verstehen wir uns nicht falsch. Sagt eine Frau "Nein", dann soll das auch "Nein" heißen. Geht ein Opfer sexueller Gewalt zur Polizei, dann sollte es sich nicht rechtfertigen müssen. Wenn sich diesbezüglich wirklich etwas ändert, dann kann ich das nur begrüßen. Trotzdem vermisse ich bei dieser Debatte zum einen das Thema der weiblichen Gewalt und Übergriffigkeit, zum anderen denke ich, wie oben schon geschrieben, dass das Gesetz das Zusammenleben von Frauen und Männern im Alltag nicht gerade erleichtert.

Traut sich ein Chef noch, eine Mitarbeiterin unter vier Augen zu kritisieren? Kann ein Mann noch unverbindlichen Sex haben, wenn ihm die Angst im Nacken sitzt, dass die Auserwählte vielleicht mehr will und er – weil sie nicht bekommt, was sie will - Opfer ihrer Enttäuschung wird? Ich weiß, ich mache mich mit dieser Haltung bei Frauen nicht gerade beliebt, aber Ladys: Ich kenne diese Spiele alle sehr gut und mir geht die scheinheilige Opferhaltung vieler Frauen gehörig auf die Nerven. Die mancher Männer im übrigen auch, ich mache da also keinen Unterschied.

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen, egal ob Frau oder Mann wieder Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Dafür braucht es keine Gesetze. Für mich sind Paragraphen ein weiterer Schritt zur Entmündigung und somit nichts, was man feiern sollte. Verantwortung übernimmt man, indem man sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinandersetzt. Mit den Bildern, die man im Kopf mit sich herumträgt. Da können viele Frauen noch so modern sein, in ihren Köpfen geistert ein Männerbild herum, das geprägt ist von Idealisierung und Abwertung. Ebenso manche Männer, die oft noch meinen, dass jede Frau, nur weil sie sich sexy kleidet, angefasst werden will oder per se auf dieser Welt ist, um dem Mann zur Verfügung zu stehen. Sich dem mal zuzuwenden, wäre ein Anfang.


Kommentare:

Christian hat gesagt…

"Nun ist es durch – das neue Sexualstrafrecht"

Es ist bisher nur durch den Bundestag. Es muss meines Wissens nach noch durch den Bundesrat

Jeannette Hagen hat gesagt…

Danke für den Hinweis.

mitm hat gesagt…

"Kann ein Mann noch unverbindlichen Sex haben, wenn ihm die Angst im Nacken sitzt, dass die Auserwählte vielleicht mehr will und er - weil sie nicht bekommt, was sie will - Opfer ihrer Enttäuschung wird?"

Bis es zum GV kommt, muß man ja erst einmal durch eine Kennenlernphase durch. Die wird dank dem neuen Straftatbestand sexuelle Belästigung zu einer Art russischem Roulette:

§ 184i Sexuelle Belästigung (1) Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, ...

Was genau eine "Belästigung" ist, hängt von vielen Umständen ab und ist z.B. in einem Tanzschuppen völlig anders als im Büro zu sehen. Gibt es überhaupt irgendeine körperliche Berührung einer Frau, die man nicht ggf. als "sexuell bestimmt" ansehen kann und die damit für einen Mann ein unkalkulierbares Risiko ist? Wir haben hier eine weitreichende Rechtsunsicherheit. Was früher schlechtes Benehmen war und mit sozialer Verachtung bestraft wurde, kann jetzt zu einer Vorstrafe, Jobverlust usw. führen. Also nein danke, dann lieber gar nicht bzw. der Empfehlung von Frau Reker folgen und immer mindestens eine Armlänge Abstand halten.