Donnerstag, 28. April 2016

Steh auf!

Egal ob man Kinder hat oder nicht - jeder Mensch kann sich vorstellen, wie abgrundtief der Schmerz sein muss, wenn man sein geliebtes Kind verliert. Gerade habe ich wieder die Bilder aus Syrien gesehen. Von weinenden Eltern, die es nicht fassen können, dass ihnen ihre Kinder genommen wurden. Ich erspare Euch den Anblick, aber nicht meinen Schmerz darüber. Und ich schreibe das hier auch gern hundert- oder tausendmal, bis endlich etwas passiert.



Gestern wurde wieder ein Krankenhaus in der Nähe von Aleppo bombardiert. Die Waffenruhe ist eine Farce. Opfer des Anschlags waren Kinder, ein Zahnarzt, Krankenschwestern und Mohammad, der letzte Kinderarzt von Aleppo.

Je suis? 

Hören wir endlich auf so zu tun, als würde uns das nichts angehen, als würde uns das nicht berühren. Stell endlich Deine Kaffeetasse ab, lege Dein Phlegma beiseite und bewege etwas. Du willt nicht, dass noch mehr Flüchtlinge zu uns kommen? Dann protestiere gegen eine Regierung, die nichts dafür tut, dass der Krieg in Syrien beendet wird. Du willst keine Bilder von toten Kindern sehen? Keine Texte wie DIESEN lesen? Dann sorge mit dafür, dass dieser verdammte Krieg endlich beendet wird. 


Aber

...es gibt doch so viel Elend auf der Welt.
...was soll ich als Einzelperson schon bewirken?
...ich habe keine Zeit.
...meine Kinder brauchen mich mehr als die Kinder in Syrien.
...was geht mich Syrien an?
...hier gibt es auch Obdachlose und arme Kinder.
...die sind doch selbst schuld.


Die Liste ließe sich fortsetzen und all das sind Ausreden. Sie schützen etwas in Dir, was verrückt werden würde, wenn Du die Bilder und das, was da passiert, wirklich an Dich heranlassen würdest. Wir wissen alle, wie Schmerzen sich anfühlen. Wir haben alle schon ein geliebtes Tier oder einen geliebten Menschen verabschieden müssen. Und wir haben alle eine Scheißangst davor, das noch mal fühlen zu müssen. Darum schauen wir weg. Weil der Schmerz der anderen uns an den eigenen Schmerz erinnert.

Aber ich bitte Dich, das nicht zu tun. Ich bitte Dich, den Schmerz in kreative Kanäle zu lenken. Etwas dagegen zu unternehmen. Diesen Eltern, die dort weinen, die Hand zu reichen. Steh auf und bewege Dich. Schreibe einen Brief, verfasse eine Petition, geh auf die Straße, initiere einen Protest, solidarisiere Dich auf irgendeine Art und Weise. Poste ein Bild von Dir mit einem Schild in der Hand, auf dem steht: "STOPPT DEN KRIEG IN SYRIEN!" Schreib mir, wenn Du eine andere Idee hast. Schreib mir, wenn Du etwas initiiert hast.

Wir haben jahrelang die Zügel aus der Hand gegeben. Wir haben darauf vertraut, dass die da oben machen. Wir haben Versicherungen abgeschlossen, ein bisschen Geld zur Seite gelegt, es uns hübsch eingerichtet in unserer Komfortzone. Mir wird schlecht, wenn ich sehe, wie wir im Reichtum ersticken, während andere dafür bluten. Ich habe es so satt. Was ist denn unser Reichtum wert, wenn wir uns verbarrikadieren, um ihn zu schützen?  Wir können uns nicht mehr verkriechen und den Rest der Welt sich selbst überlassen. Dazu sind wir, ja auch Du, viel zu sehr in all die Machenschaften verstrickt, die dafür sorgen, dass andere hungern oder sterben. Und wenn Du jetzt wütend wirst, weil Du denkst, was ich mir denn erlaube, Dir zu unterstellen, dass Du etwas damit zu tun hast, dass in Syrien Kinder sterben, dann sage ich Dir: allein Dein Nichtstun ist Teil des Dramas. 

Darum. Steh auf. Wir sind viele. Und wir haben nur diese eine Welt. Sie und alle, die sie bewohnen, sind es wert, sich dafür einzusetzen. Heute. 

Jetzt.


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Als freie Autorin finanziere ich meine Arbeit überwiegend selbst. Wenn Du meine Texte gern liest und mich unterstützen möchtest, kannst Du das via PayPal tun. Den Button findest Du rechts neben diesem Eintrag. Herzlichen Dank!

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