Sonntag, 6. März 2016

Jungs - Männer für Morgen

Es ist Frühling. Das ist keine Floskel, keine Wetternachricht, sondern etwas, das ich von den letzten drei Tagen, die ich in der Evangelischen Akademie Hofgeismar zusammen mit Prof. Gerald Hüther, André Stern, Maximilian von Düring und rund 60 anderen Teilnehmern verbracht habe, mitbringe. Der Frühling steht synonym für den Aufbruch. Was sich im außen zeigt, passiert auch in uns. Du fragst, was das mit Männern für Morgen zu tun hat? Lass es Dir erzählen.


Männer sind das schwache Geschlecht. Hat die Natur bei den Frauen dafür gesorgt, dass sie über zwei X-Chromosome verfügen, sprich im Notfall doppelt gerüstet sind, muss der Mann mit einem X und einem Y-Chromosom klarkommen. Das macht ihn schon als Säugling anfällig und sorgt obendrein für eine ordentliche Portion Testosteron, die aus dem Knaben von Beginn an einen eher extrovertieres Ich macht, das Abenteuer sucht und immer zeigen muss, was es für ein ganzer Kerl ist. So das Bild. Jedenfalls das eine, denn es gibt noch das andere, nämlich die Geschichte vom gestrauchelten Mann. Von Kerlen, die nicht mehr wissen, was einen Kerl ausmacht. Von Co-Muttis und Weicheiern. Von Jungs, die in der Schule versagen. Die auffällig sind, gewalttätig, destruktiv. Von Männern, die unsere Gefängnisse füllen, die Frauen schlagen, Kriege anzetteln, unsere Erde ruinieren.

"Wir haben kein gesellschaftliches Problem, wir haben ein Männerproblem."

Mit diesem Satz starteten wir in die drei Tage. Machten uns auf die Suche nach dem, was männlich ist. Frauen und Männer gemeinsam in einem Raum. Frauen und Männer, die sich einlassen wollten, die sich für ihre Söhne, für ihre Schulkinder, für ihre schwererziehbaren Jungs, für ihre Väter-Gruppen, für die Gesellschaft, für ihre Ideale in den Ring stellten und das beitrugen, was sie im Gepäck hatten. Wirkliches Interesse, Engagement und Herz.

Eine Tagung sollte es sein und es wurde so viel mehr als das.

Es ist Frühling. Und Frühling steht für Wachstum. Wohin sollen Männer noch wachsen? Haben sie nicht schon alles erreicht? Ist das der Grund, warum die Männer einbrechen? Weil sie an einer Grenze stehen? Weil es plötzlich kaum noch höher oder schneller geht? Weil Maschinen ihre Arbeit übernehmen? Weil das Konzept, das sie fahren, unsere Welt in den Ruin treibt? Wer den Frühling wahrnehmen will, muss anhalten. Stehenbleiben. Seine Sinne benutzen. Fühlen.

Schafft man das, dann wird aus der Frage, wie dem Mann zu helfen ist, plötzlich die Frage, was wir tun können, damit es unserer Gesellschaft besser geht. Denn bis jetzt waren es die Männer, die sie geprägt haben. Durch ihren Drang vorwärts zu gehen. Durch ihren Drang, Halt zu finden. Halt in Status und Anerkennung. Warum? Weil das Beuteschema der Frau nach wie vor danach verlangt. Und da können wir Damen jetzt mit dem Kopf schütteln, wie wir wollen, Tatsache ist, dass Frauen gern einen erfolgreichen Mann an ihrer Seite haben. Einen Macher. Das Dilemma ist nur, dass wir in einer Zeit leben, in der die Frauen selbst immer erfolgreicher werden, die Auswahl an noch erfolgreicheren Männern daher immer dünner wird. Und nun?

Dazu der Wahn, alles gleichmachen zu wollen. Die Kastration der Gegensätze. Die Enthauptung dessen, was uns erst so einzigartig macht. Männer dürfen nicht mehr so sein, wie sie sind, dafür wollen Frauen alles das, was Männer haben. Was für eine heilige Scheiße, in der wir uns da verrannt haben. Ehrlich. Glücklich ist niemand damit. Weder die Männer und noch weniger die Frauen.

Es ist Frühling. Und Frühling steht für das Feuer. Für eine Reinigung. Weg mit dem alten, ranzigen Kram. Lasst uns Platz für Neues schaffen. Für ein neues Miteinander. Für Co-Kreativität - das einzige, was Maschinen nicht leisten können. Das einzige, was uns im 21. Jahrhundert bleibt, um den Karren nicht an die Wand zu fahren. Wer heute wirklich wachsen will, der muss sich zuerst ins Feuer stellen. Der muss kraftvoll genug sein, sich zu zeigen und mutig genug, sich von alten Zöpfen zu verabschieden. Ich habe in den letzten drei Tagen Männer und Frauen weinen sehen. Tränen, die Sinnbild für den Schmerz waren, der in uns allen steckt, weil das Scheitern der Männer auch ein Scheitern der Frauen ist. Wir wissen das.

Wir haben kein Männerproblem. Wir haben ein Menschproblem.

Und das ist das Fazit. Wer Mensch sein kann, reift automatisch zu einem Mann, zu einer Frau. Wenn der Boden gut ist, wenn genügend Wasser und Nährstoffe da sind, dann ist Wachstum nicht aufzuhalten. Was ich aus den Tagen mitnehme, ist die Gewissheit, dass es immer mehr Menschen gibt, Männer wie Frauen, die gewillt sind, genau dafür zu sorgen. Frauen, die lieben und nähren wollen, statt zu manipulieren und zu erdrücken. Männer, die sich öffnen, sich kennenlernen, sich zeigen wollen, statt andere zu beherrschen. Kann es etwas Kraftvolleres und Berührenderes geben, als einen Mann, der seine Maske abnimmt und sich verletzlich zeigt? Kann es etwas Schöneres geben, als eine Frau, die ihn mit offenem Herzen empfängt?

Es gibt keine Antwort auf die Frage, was männlich ist. Es gibt biologische Parameter, die man messen kann, mehr aber auch nicht. Ein Mann zu sein, ist eine Haltung. Ich habe an diesem Wochenende ganz wundervolle Männer kennengelernt. Großartig in ihrer Unperfektheit. In ihrem So-Sein. Und ich habe tolle Frauen getroffen, die bereit sind, ihre Haltung zu verändern, um wieder gemeinsam mit den Männern zu tanzen, denn:

 Es ist Frühling.





1 Kommentar:

Kapp Gabriele hat gesagt…

Bereite Männer gibt es schon lange, genauso wie Frauen. das Problem sind nicht die fordernden Frauen, wie der Artikel weismachen will: Alle Männer sind ja Söhne von Frauen- sie haben sich selbst ausgegrenzt, wollten nicht vom Weiblichen abstammen-DAS ist das Dilemma. Es gibt ja nicht nur Männer und Frauen als Geschlechtspartner, wie die Geschlechterdiskussion allgmein und dieser Artikel immer wieder kreisrunden. Es gibt vor allem Verwandtschaft, und da hat die Abstammung über den Vater auf Kosten der mütterlichen Abstammung (Patrilinearität) genau diese Verhältnisse , die hier beklagt werden hervorgebracht: Patrilinearität, die verlangt, dass ein Kind über eine Ejakulation legitimiert wird, wo Geburt nicht ausreicht. Nur daher der Statuszwang für die Jungs und Männer.Auf den dann auch die Frau angewiesen ist.Mit männlich und weiblich hat das nichts zu tun. Erst sind wir immer Kinder vornehmlich einer Mutter und deren Verwandtschaft in der Zum Wörterbuch hinzufügen-Nabelschnurverwandtschaft., dann Geschwister, dann FreundeInnen und dann erst Paare. Hoffentlich mit genügend wirklicher Verwandtschaft, statt der Paarfixierng und Reduzierung, die unsere derzeitige Familie darstellen soll.Aber nicht tut. Strikte Trennung zwischen Verwandtschaft und Sexualpartnern ist gefragt. dann gibt's Klarheit und Lösungen.