Sonntag, 13. März 2016

Liebe ist der Schlüssel

Eigentlich ist alles gesagt, alles geschrieben. Nichts, was man mehr hinzufügen könnte. Alles offenbart. Wer heute sein Kreuz bei der AfD macht oder nicht wählen geht, der kann im Nachhinein nicht mehr behaupten, er habe nicht gewusst, was er damit bewirkt. Wenn ich die Entwicklungen in Österreich, in Polen, Ungarn, in Amerika und Frankreich sehe, wird mir Angst und Bange. Damit wird es aber nicht besser. Im Gegenteil. Wenn ich so denke, verfange ich mich im Negativitätsstrudel. Also versuche ich lieber, mich auf etwas zu konzentrieren, was ich aus einem Kinderfilm gelernt habe. Lust auf ein Märchen?

Wer den Film “Die Eiskönigin” kennt, der kann sich vielleicht daran erinnern, dass es die Angst war, die Elsa dazu gebracht hat, sich abzuschotten und sogar feindselig gegen die eigene Schwester und die eigenen Landsleute zu werden. (Ein Phänomen, was wir derzeit sehr gut beobachten können.) Die Angst vor den eigenen Fähigkeiten, die - im schlimmsten Fall - falsch eingesetzt, Schaden anrichten können und es ja dann der Dramaturgie folgend auch wirklich tun. Im Film wird die Stadt vereist, niemand kann mehr richtig leben und die Einzige, die das ändern könnte, wohnt irgendwo in einem eisigen Palast und ahnt gar nicht, dass sie den Schlüssel für die Veränderung in der Hand hält.
Dazu gibt es noch eine andere Geschichte, die Du vielleicht schon kennst, die aber genau dazu passt. Geschrieben hat sie Marcel Offermann.


Der alte Indianer Seskateh und sein Enkel Tahuameh saßen in ihrem Tipi, ihrem Zelt, am Lagerfeuer. Seskateh, von vielen harten Wintern gezeichnet, war ein weiser Mann. Sein langes, weißes Haar reichte ihm bis zur Hüfte. Seine faltige Haut war gegerbt von der Sonne. Tahuameh, ein Knabe von etwa 6 Jahren, verehrte seinen Großvater. Er liebte vor allem die vielen Geschichten, die der alte Mann zu erzählen wusste. Eine Zeit lang starrten beide wortlos in die lodernden Flammen. Nach einer Weile forderte der Kleine seinen Großvater auf, ihm eine Geschichte zu erzählen. Und so begann der weise Mann

"In Deinem Leben wird Dir vieles widerfahren, Tahuameh. Doch wisse, dass alles, was Dir widerfährt, aus Deinem Herzen kommt. In Deinem Herzen leben zwei Wölfe. Der eine Wolf, das ist der Wolf der Dunkelheit, der Ängste, des Misstrauens und der Verzweiflung. Er bringt Dir böse Träume, viel Leid und Schmerz. Der andere Wolf, das ist der Wolf des Lichts, der Hoffnung, der Lebensfreude und der Liebe. Er bringt Dir gute Träume, er schenkt Dir Mut und Hoffnung, er zeigt Dir den rechten Weg und gibt Dir weisen Rat."
 
Tahuameh sah seinen Großvater mit großen Augen an.

Der Alte schwieg eine Weile und legte seine Hand auf die Schulter des Knaben. Voller Ungeduld sagte der Kleine 
"Erzähl weiter, Großvater. Was ist mit den Wölfen in meinem Herzen?" Und so fuhr der Alte fort.

"Beide Wölfe kämpfen oft miteinander. Sie umkreisen sich gegenseitig und fletschen ihre Zähne.
Sie gehen sich gegenseitig an die Kehle, so lange bis einer der beiden kraftlos zu Boden sinkt. Doch sie können nicht sterben. Denn sie sind keine gewöhnlichen Wölfe. Immer wieder, Nacht für Nacht, Tag für Tag erwachen sie zu neuem Leben und beginnen von vorn. Sie ruhen niemals."

Wieder schwieg der alte Mann eine Weile. Doch Tahuameh war ungeduldig.
"Welcher Wolf gewinnt ?" fragte der Enkel. "Großvater, sag schon. Welcher Wolf gewinnt?"

Seskateh lächelte und legte seinen Arm um die Schultern des Knaben.
"Der, den Du fütterst!" antwortet der Indianer.


Warum erzähle ich Dir das? Elsa füttert irgendwann im Verlauf des Filmes den richtigen Wolf. Sie entdeckt, dass Liebe das Gefühl ist, das die Angst beherrscht und damit das Eis schmelzen lässt. Wenn ich also Gefahr laufe, mich in dem Irrsinn der Zeit zu verlieren, wenn ich Angst habe, das alles den Bach runtergeht, dann konzentriere ich mich auf die Liebe, denn nur so bin ich handlungsfähig. Ich weiß, dass es in unserer Gesellschaft gerade nicht besonders populär ist, mit einem liebenden Herzen durch die Welt zu gehen. Dass man eher verlacht und belächelt wird. Und trotzdem denke ich, dass es der einzige Weg ist, dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen. Die Wissenschaft unterstützt meine These, denn nur, wenn wir uns in einem kohärenten Zustand, also in einem ausgeglichenen Zustand befinden, arbeitet unser System reibungslos. 


Also, bei allem, was gerade ist. Ob die AfD heute Land gewinnt oder nicht. Ob es einen weiteren Rechtsruck gibt, Europa sich noch mehr abschottet und noch höhere Mauern baut. Vergiss nicht, dass Du den Schlüssel für die Veränderung in Deinem Herzen trägst. Füttere den richtigen Wolf. Lass ihn wachsen. Jeden Tag aufs Neue. Konzentriere Dich auf die Kraft, die wirklich etwas bewirkt. Alle Konzepte, die die Liebe negiert haben, sind früher oder später gescheitert. Liebe ist nichts für Waschlappen, sie macht ihnen Angst. Warum? Weil es die stärkste Macht ist, die wir zu bieten haben. Das ist nicht esoterisch. Das ist kein Geschwafel. Das ist die einzige Wahrheit.
 

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