Sonntag, 21. Februar 2016

Die Helfer von Lesbos

Albert
Dieser Eintrag ist für Euch. Für Jack aus Schottland, Joe aus Australien, Severim aus Bremen, Albert aus Stuttgart, David aus England, Joaquim from Spain, Sandra from New York, Lucie aus Berlin, Michael, Sarah, Thomas, Sam aus der Schweiz. Ihr steht stellvertretend für all jene, die ich jetzt nicht aufgezählt habe und für all die vielen, deren Namen ich ich nicht kenne. 
Meine erste Begegnung mit einem Volonteer, der auch nach Lesbos wollte, hatte ich in Athen. Wir standen am Gate 23 auf dem Internationalen Flughafen von Athen nebeneinander und kamen ins Gespräch. David war sein Name und er kam aus England. Einen Freund wollte er besuchen und mit ihm gemeinsam in einem Refugees Camp arbeiten. Er fragte mich, warum ich nach Lesbos fliege. In meinem zugegebenermaßen schlechtem Englisch versuchte ich ihm zu erzählen, dass mich die Bilder der Flüchtlinge, die auf Lesbos ankommen, so bewegt haben. Dass ich einfach nicht länger zuschauen wollte, sondern selbst etwas geben will. 
Er hakte nach, wollte wissen, was ich denn gebe und fügte seiner Frage sogleich den Kommentar an, dass sein Freund meinte, man bräuchte einen “good will”. Ja und ein offenes Herz, ergänzte ich seine Bemerkung. Ein paar Sätze noch, dann trennen sich unsere Wege. Nur für ein paar Tage, dann traf ich David im Camp wieder. So wie man auf Lesbos jeden Volonteer irgendwo irgendwann wieder trifft.

Aufräumen am Strand





Wir haben zusammen am Strand gestanden. Am Tag und in der Nacht. Wir haben ein Feuer angezündet, Tee gekocht, uns über unsere Leben unterhalten und aufs Wasser geschaut. “Warum bist Du hier?” oder “Wie geht es Dir mit all dem hier?”waren zwei der Fragen, die oft gestellt wurden. Viel wichtiger als Status, Job, Kinder oder die nächste Anschaffung. Schnell rückte man zusammen, erkannte sich wieder, lachte miteinander und lebte das, was der Duden wohl Gemeinschaft nennt. 
Wir haben Kindern, Frauen, Männern aus den Booten geholfen, haben versucht, ihnen die ersten Minuten an Land so angenehm wie möglich zu machen. Haben nasse Kleidung gewechselt, Menschen gestützt, einer Frau, die sich erbrechen musste, den Kopf gehalten, Kinder wieder zum Lachen gebracht. Wir haben selbst geweint, uns umarmt, wenn es manchmal schwer auszuhalten war. Wir haben zusammen gesungen, Strände gereinigt und uns über den Wahnsinn, der auf dieser Welt geschieht gewundert.





Und wir haben verstanden, dass jeder etwas tun kann. Dass jeder wertvoll ist mit dem, was er mitbringt. Albert, der mit seinen Blumen am Hut und seinen Geschichten jeden zum Lächeln brachte, David, der die Kinder im Arm hielt, sie tröstete und wiegte und Sarah, die im größten Chaos den Überblick behielt und wusste, wo in welcher Kiste Kindersocken zu finden waren. Was habe ich heute für einen schönen Spruch gelesen:
“Was soll einer alleine dagegen ausrichten?” fragte die halbe Menschheit.
Viel antworte ich darauf. Denn aus einem werden zwei. Aus zweien werden vier. Und irgendwann stehen viele zusammen und wissen, was zu tun ist. Ein wunderbares Gefühl, das ich hier in Berlin gerade ziemlich vermisse. Vielleicht habe ich deshalb vor ein paar Stunden die Flüge gebucht, um noch einmal nach Lesbos zurückzukehren. Dann sind da vielleicht nicht mehr Jack, Sandra oder David. Aber es sind andere vor Ort, die mit einem offenen Herzen und viel “good will” dem Irrsinn dieser Welt etwas entgegensetzen. 
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