Montag, 18. Januar 2016

Slopinsky, übernehmen Sie!

Humor ist. Ja, was eigentlich? Laut Definition ist Humor eine Begabung. Und zwar die Begabung - um es mal ganz salopp zu formulieren - Menschen und Ereignisse, die uns nicht in den Kram passen, trotzdem mit einer gewissen Gelassenheit hinzunehmen. Wie es schon Otto Julius Bierbaum formulierte und dabei fröhlich grinste: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht."


Nun sagt ja das Wort Begabung, dass es sich um eine Eigenschaft handelt, die manchen Menschen offensichtlich angeboren ist. So wie Herzlichkeit, Resilienz oder soziale Intelligenz. Allerdings scheint mir, dass es da trotz der genetischen Vorbelastung zusätzlich noch große regionale und kulturell geprägte Unterschiede gibt. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass die Menschen in Deutschland sich so überdurchschnittlich mittelmäßig begabt zeigen, was die Gelassenheit in Bezug auf das Leben, auf ihre Mitbürger und vor allem auf den politischen Diskurs betrifft.

Wer Zeuge der deutschen Humorlosigkeit werden möchte, möge sich bitte mal wahlweise einen halben Tag auf Facebook, im Diskussionsforum eines großen Nachrichtenmagazins, auf einem Elternabend, nach einem Tatort bei Twitter oder in der Kommentarspalte des Postillon tummeln. Da tun sich Abgründe auf. Wer je behauptet hat, wir wären eine Spaßgesellschaft, der hat noch nie in diesen Moloch aus Neid, Häme, Hass, Besserwisserei, Wichtigtuerei und Ich-Bezogenheit geblickt.

"Wir schaffen das." hat Angela Merkel gesagt. Nee, nicht mit der Einstellung, halte ich dagegen. Denn Chaos lässt sich nur mit Gelassenheit und Humor bewältigen und beides ist uns Deutschen offensichtlich abhanden gekommen. Statt die Ärmel hochzukrempeln, kurz mal zu grinsen und dann einfach anzupacken, sitzt ein großer Teil der Bevölkerung besorgt vor noch größeren Bildschirmen und hackt den eigenen Frust in die Tasten. Und die Politik und die Medien reagieren darauf. Neben manchen Beiträgen steht doch tatsächlich schon: "Achtung Satire". Mein Gott wie tief sind wir in der Humorlosigkeit versunken. Fettnäpfchen säumen den Weg und das, was eigentlich dem fröhlichen Austausch dienlich sein sollte, gerät mehr und mehr zum Spießrutenlauf. Es ist fast schon egal, was man sagt oder schreibt, es gibt garantiert einen, der sich auf den Schlips getreten fühlt und dann auch noch die Zeit hat, sich in Tapetenlänge zu beklagen. Noch dazu dieses permanente Gemeckere. Dieser latent an allem mäkelnde Grundton. Diese german Unzufriedenheit. Alles ist schlecht, nichts ist recht, aber eine Lösung hat man auch nicht. Mich kotzt das an! Ehrlich!

An der Stelle wünsche ich mir einen wie Slopinsky. Robert Slopinsky. Er ist mein Kurzgeschichtenheld und hat die Gelassenheit mit der Muttermilch aufgesogen. Wenn einer Humor hat, dann er. Darum: Slopinsky, übernehmen Sie! Geben Sie dem Deutschen zurück, was er irgendwo zwischen Blumenkind und Social-Media-Troll verloren hat. Reißen Sie mit Ihrer Haltung das Ruder herum.

Slopinsky hat etwas verstanden, was vielen Menschen heutzutage nicht in den Kopf will, nämlich, dass ihr Leben keine Bedeutung hat. Das es egal ist, was sie sagen, schreiben, denken. Das es egal ist, ob sie morgens aufstehen, sich die Haare kämmen, gegen oder für Flüchtlinge, Vegetarier oder Honk sind. Es spielt keine Rolle und genau das ist die Basis allen Humors. Die Bodenplatte. Das, worauf alles andere aufbaut.

"Ich sag dir was. Setz dich 24 Stunden auf ein Dach in Kreuzberg und du lernst, dass nichts, aber auch gar nichts von Dauer ist. Egal, ob du klug oder reich bist. Dein Leben, mein Leben, das von Onkel Arnold, Tante Berta ... alles nur ein Furz im Angesicht der Ewigkeit." (aus "Die Geschichten von Slopinsky")

Recht hat er, aber genau das ist unsere größte Angst. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit unseres Seins. Die Angst davor, dass das Leben - alles, was man für wichtig hält, wie eine Seifenblase zerplatzt und es keinen interessiert. Darum füllen wir Kommentarspalten, geben unseren Senf dazu, wollen zeigen, dass wir wer sind.

Aber was bringt es? Wird die Welt davon besser? Hat sich seit wir auf Facebook und Co unsere Meinung herauströten, andere beschimpfen oder der Dummheit bezichtigen, irgendetwas verbessert? Nein. Njet. Never. Und wenn sowieso der Sinnlosigkeitsverdacht über allem schwebt, warum dann nicht gelassen und humorvoll damit umgehen?  Morgen schon kann alles vorbei sein. Weißt Du es? Hast Du die Kontrolle? Nein, hast Du nicht. Also warum die Zeit damit verplempern, Gift zu versprühen? Lachen wäre der Weg. Lachen darüber, dass gerade keiner einen Plan hat. Lachen darüber, dass die nächste Regierung auch Fehler macht. Lachen darüber, dass wir alle fehlbar sind. Ja, vor allem Du. Und ich auch. Slopinsky sowieso. Schallend lachen, einfach mal den Mund halten, die Ärmel hochkrempeln und dann: Anpacken mit Herz und Liebe und vor allem mit Respekt. Das ist der Weg.

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1 Kommentar:

enawikena hat gesagt…

Klasse - komme gerade vollends an diesem Punkte an und weiß um die notwendigen Schritte - der Kommentar trägt wohl zum endgültigen Schubs in eine neue Einstellung bei.

Wie erfrischend, solch wache Comments zu lesen.