Freitag, 22. Januar 2016

Die Sache mit dem eigenen WORT

Heute strahlt ein märchenhaft blauer Himmel über Berlin. Ich gehe mit meinem Hund durch die Straßen, genieße die kalte, klare Luft und plötzlich durchströmt mich ein Gefühl, das so unvergleichbar schön ist, dass ich kurz stehenbleiben muss und tief durchatme, um es für einen Moment in dieser Präsenz zu halten. Ich schaue in den Himmel und beobachte, was passiert. Das Gefühl bleibt und mit einem Mal weiß ich, dass es mich schon mein Leben lang begleitet, dass dieses Gefühl, das eher eine Haltung, eine Lebenseinstellung ist, für mein WORT steht.


Lass mich das erklären. Neulich saß ich mit meiner großen Tochter auf dem Sofa und wir schauten "Eat Pray Love". In diesem Film gibt es eine Szene, in der sich ein paar liebenswerte Menschen in Rom rund um einen Restauranttisch versammelt haben. Sie essen, sie plaudern, sie trinken Wein. Die Stimmung ist gelassen, heiter, man hat direkt Lust, in die Szene hineinzuspringen und sich einfach dazuzusetzen. Die Freunde unterhalten sich darüber, was das Wort ist, das jeden einzelnen von ihnen charakterisiert. Jeder findet sein Wort, bis auf die Hauptprotagonistin, die am Ende dieser kleinen Runde von allen "die Frau auf der Suche nach einem Wort" genannt wird.

Natürlich kommt man nicht umhin, sich in diesem Moment als Zuschauer zu fragen, welches denn das eigene Wort ist. Ich habe den Film nicht zum ersten Mal gesehen, hatte also öfter schon die Gelegenheit, darüber nachzudenken. Liebe, war mir immer zu groß, Resilienz zu sperrig, Freude zu allgemein. Seit heute morgen weiß ich es nun. Mein Wort heißt Zuversicht. Im Englischen confidence, auf Französisch confiance, auf Spanisch confianza, auf Italienisch confidenza. Dagegen klingt das Deutsche "Zuversicht" glatt ein wenig borstig, aber es ist ein Wort, in dem so viel drinsteckt und das mich und meine Lebenseinstellung wirklich gut beschreibt.

Vielleicht habe ich dieses Wort ja mit Angela Merkel gemeinsam, die mit ihrem Satz "Wir schaffen das!" auch auf Zuversicht setzt. Darin steckt so viel mehr als Hoffen, mehr als Glauben, kein wages Sehnen, sondern das Wissen, das eine Situation, eine Krise zu bewältigen ist. Zuversicht könnte uns alle tragen. Sie entsteht nicht nur aus einem gesunden Urvertrauen heraus, sondern überwiegend aus der Erfahrung, dass man schon etliches bewältigt hat und dass - begibt man sich erst einmal auf den Weg und überreicht die Zügel dem Leben - sich ungeahnte Tore öffnen und sich neue Möglichkeiten auftun. Gleichzeitig steckt in Zuversicht schon die Kraft des Handelns. Wer zuversichtlich ist, packt an. Der macht.

Ich habe schon so oft miterleben dürfen, wie stark unsere Gemeinschaft sein kann. Wie unterstützend wir sein können, wenn ein Mensch wirklich auf Hilfe angewiesen ist. Erst gestern gab es wieder so einen Fall. Eine Flüchtlingsfamilie, die ganz kurzfristig in Berlin untergebracht werden sollte, gleichzeitig dazu ein Hilferuf über die Willkür der Behörden in diesem Fall. Es hat mich keine fünf Minuten gekostet, die Nachricht, verbunden mit der Bitte um Hilfe, durch meine Verteiler zu schicken. Bereits heute Morgen war die Unterkunft organisiert und der wirklich vor Ungerechtigkeit zum Himmel stinkende Behördenvorgang liegt in sämtlichen Medien-Redaktionen des Landes und wird seine Kreise ziehen.

Und so konnte ich heute unter diesem strahlenden Himmel stehen, lächeln und mich zuversichtlich fühlen. Wir schaffen das. Dieses Leben ist ein Geschenk. Du, ich, wir alle haben so viel mehr Kraft, wenn wir auf das WIR setzen. Ich weiß das, denn Zuversicht ist mein WORT.

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Als freie Autorin finanziere ich meine Arbeit überwiegend selbst. Wenn Du meine Texte gern liest und mich unterstützen möchtest, kannst Du das via PayPal tun. Den Button findest Du rechts neben diesem Eintrag. Herzlichen Dank!



Kommentare:

Papagena hat gesagt…

Indem Du hier über dein WORT schreibst, verteilst Du ganz behutsam und fast unmerklich etwas von dieser Zuversicht unter den Lesern - das ist geradezu zauberhaft!

Es bestätigt, was ich mir oft denke: wenn man sich von etwas voll und ganz ausgefüllt fühlt, quillt man damit quasi über und verschenkt es - man kann gar nicht anders.

Dankeschön für den Funkenregen der Zuversicht!

Papagena

Jeannette Hagen hat gesagt…

Gern, liebe Papagena und vielen Dank für Deinen Kommentar! :-)