Dienstag, 22. Dezember 2015

Vom großen Ganzen

Kennst Du auch solche magischen Momente, in denen Du das Gefühl hast, plötzlich mit dem großen Ganzen verbunden zu sein? Ich saß gestern Abend in Hamburg am Elbstrand, schaute zu, wie der Tag sich verabschiedete, gigantische Containerschiffe ein- und ausfuhren, hörte die Geräusche des Hafens und plötzlich war es, als würde ich mich in all dem auflösen.


Alles, was vorher noch wichtig war, was mich die letzten Wochen beschäftigt hat, mein Gram, meine Freude, meine Aufregung, mein Stress, mein ganzes individuelles Sein - all das verschwamm, floss mit der Strömung davon und zurück blieb ein unglaubliches Gefühl der Verbundenheit und die Frage:

"Was zählt wirklich?"

Mein Sohn fiel mir ein. Ich hatte ihn neulich gebeten, mir noch einmal zu erzählen, wie er damals die Trennung zwischen mir und seinem Vater erlebt hat. Ob es für ihn eine große Belastung war, immer hin und her zu ziehen. Mal bei mir, mal bei seinem Papa zu wohnen. Immer mit der Angst im Nacken zu leben, dass man irgendwo etwas vergisst, die Schulsachen bei dem einen sind, obwohl man sie bei dem anderen braucht. "Nein, Mama." antwortete er. "Weißt Du, das war alles egal. Auch wo das größere Zimmer war, wer mehr mit mir unternommen hat, wo ich was durfte - da war ich so pragmatisch und egoistisch, wie Kinder nun mal sind. Da trennt man nicht nach Mama oder Papa - nein, das nimmt man einfach an. Aber eine Sache war mir wichtig. Ihr, also du und Papa, ihr seid nach der Trennung auseinandergegangen, ihr ward keine Familie mehr, nicht blutsverwandt, sondern eben zwei Menschen. Aber ich, ich bin doch aus euch beiden, für mich gehört ihr zusammen und mir hat es fast das Herz zerissen, dass ihr euch nicht mehr verstanden habt. Ich wollte, dass ihr euch liebt oder euch wenigstens versteht, weil jeder Streit, jede Auseinandersetzung hat mich wahrscheinlich viel mehr getroffen, als euch. Ich bin doch mein ganzes Leben mit euch verbunden."

Während ich also da saß, an dieses Gespräch dachte und den Schiffen hinterherblickte, die gold glitzernden Lichter des Hafens beobachtete, wurde mir einmal mehr klar, dass alle Sternstunden meines Lebens mit der Qualität des Verbundenseins einhergegangen sind. Mein Sohn hat mich mit seiner Verbundenheit daran erinnert. Verbunden zu sein - mit Menschen, mit Orten, mit dem, was ich tue, mit mir, mit dem Leben - das ist es, was mich glücklich macht und was zählt. Diese Verbindung können wir allerdings nur spüren, wenn wir im Augenblick sind. Wenn alles andere beiseite tritt, wir zur Ruhe kommen. Interessanterweise ist das auch im Chaos möglich. Dir kann die Welt um die Ohren fliegen, wenn Du es schaffst, die Verbindung zu Dir selbst zu finden, dann interessiert Dich das Chaos nicht. Dann löst Du Dich im großen Ganzen auf, so wie ich gestern an diesem wunderschönen Ort. Ich war so glücklich, so erfüllt, dass ich noch in dem Moment beschlossen habe, im Februar 2016 für eine Woche nach Lesbos zu gehen, um dort eine der NGO's, die sich um die Flüchtlinge kümmern, zu unterstützen. Ich habe so viel Glück in meinem Leben, so viel Liebe und Verbundenheit, davon möchte ich etwas an andere verschenken. Denn wir wissen ja: Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. Und das ist es, was wirklich zählt.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Dir von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit. Ein paar gelassene Tage voller Liebe, Begegnungen und Verbundenheit.

1 Kommentar:

Luzia hat gesagt…

Hallo, aus verschiedenen Gründen habe ich einen neuen Blog eröffnet.

Möchte unter dem alten Namen nicht mehr gefunden werden.

Deswegen jetzt statt Regen.frau: Luzia.

http://magischefrau.blogspot.de/
Liebe Grüße