Mittwoch, 7. Oktober 2015

Für die Väter

Ich und mein Stiefvater
Nein, ich habe mich nicht im Datum geirrt. Ich weiß sehr wohl, dass wir heute keinen Vatertag feiern und trotzdem ist dieser Eintrag den Vätern dieser Welt gewidmet, allen voran denen, die seit vielen Monaten, Jahren oder Jahrzehnten darum kämpfen, ihre Kinder zu sehen.


Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Väter in Deutschland derzeit "entsorgt" sind. Geht man davon aus, dass 80 Prozent aller Alleinerziehenden (rund 2,2 Millionen) weiblich sind, dann schwankt die Zahl derer, die darum kämpfen, ihre Kinder aufwachsen zu sehen, sicher um die eins mit sechs Nullen. Freilich, es mag gute Gründe dafür geben, dass ein Kind bei nur einem Elternteil lebt. Meist sieht die Realität aber leider so aus, dass Streitigkeiten zwischen den Eltern, gekränkte Eitelkeiten oder einseitig gefällte Gerichtsurteile dafür sorgen, dass am Ende der Vater das Nachsehen hat. Und mit ihm die Kinder - ein Punkt den viele Mütter nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen.

Dazu ein kleiner Auszug aus meinem Buch "Die verletzte Tochter"

"Die Tatsache, dass Vaterentbehrung für Jungen und für Mädchen weitreichende Spätfolgen haben kann und dass der Geschlechterkampf, so wie er heutzutage ausgefochten wird, daran einen wesentlichen Anteil hat, ist nicht erst seit gestern bekannt. (...) Auch, dass viele der aktuellen Probleme möglicherweise damit zu tun haben, dass traditionelle, familiäre Strukturen auseinanderbrechen und unsere Rollenbilder einer Generalüberholung bedürfen. Doch leider werden die Erkenntnisse kaum umgesetzt, und wenn, dann oft sehr einseitig zugunsten der Frauen."

Ich bin selbst Mutter und ich habe Trennungen hinter mir. Ich weiß sehr wohl, wie es sich anfühlt, verletzt zu sein und ich weiß auch, welche Pläne man im Kopf schmieden kann, um dem anderen weh zu tun. Aber die Karten zu ziehen, die viele Mütter aus der Tasche zaubern, um den Vater aus dem Erziehungdreieck zu verdrängen, das wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Bitte nicht falsch verstehen - es geht mir nicht darum, mich hier zur Heiligen auszurufen. Es geht um Tatsachen. Und zwar um solche, die endlich eine größere Öffentlichkeit brauchen, denn letztendlich geht es um unsere Kinder.

Ein weiterer Auszug, der deutlich macht, mit welchen Mitteln so manche Frau kämpft:

"...Frauen, die in Deutschland ein Kind gebären, müssen grundsätzlich keine Angaben zum Vater machen, wenn sie nicht wollen. Dass das Betrug ist, stört viele nicht. In diversen Foren kann man lesen, wie Frauen sich gegenseitig Tipps geben und Vorteile der "Väterentsorgung" diskutieren:

...dann musst du ihm nicht wegen jeder Unterschrift nachrennen
...dann kannst du allein über das Kind bestimmen
...dann hast nur du das Sorgerecht
...dann musst du dich mit dem A... nicht auseinandersetzen"

Ganz ehrlich, mich macht das wütend und traurig zugleich. Wütend, weil es egoistisch ist und traurig, weil ich mit den Kindern und auch mit den Vätern mitfühle. Mit den Vätern, die da sein wollen, es aber nicht dürfen. Mit Vätern und Großeltern, die entfremdet werden. Die nicht die Chance haben, ihre Kinder oder Enkel in den Arm zu nehmen, den Alltag mit ihnen zu teilen.
Gerade heute wurde ihn Berlin wieder eine neue Statistik veröffentlicht, die besagt, dass immer weniger Paare heiraten. Was das nach Trennungen heißt, kann man an fünf Fingern ablesen. Noch weniger Rechte für die Väter.

Was wir brauchen, ist zunächst einmal Aufklärung. Das Bild der benachteiligten, alleinerziehenden Mutter, das die Öffentlichkeit dominiert, sollte zurechtgerückt werden. Es gibt genug Väter, die sich engagieren wollen, die jedoch zu Zahlvätern degradiert werden. Das ist ungerecht und daran endlich zu rütteln, wäre ein nächster Schritt. Dafür braucht es aber auch die Frauen. Und zwar jene, die diese Ungerechtigkeiten sehen. Es reicht nicht, dass die Männer kämpfen. Sie brauchen Rückendeckung und zwar von denen, die sehen und fühlen, dass der ausgerufene Feminismus in eine seltsame Richtung abdriftet.

Ich hoffe und wünsche, dass viele Väter nicht den Mut verlieren. Dass sie weiter für ihre Kinder da sind, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Väter sind großartig. Sie geben so viel. Darauf sollte kein Kind verzichten müssen.

Jeannette Hagen
"Die verletzte Tochter - Wie Vaterentbehrung das Leben prägt"
16,99 Euro
  • Verlag: Scorpio Verlag (1. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958030238
  • ISBN-13: 978-3958030237
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