Mittwoch, 30. September 2015

Der Blick von außen

Perspektivwechsel
Vor ein paar Minuten klingelte der Postmann und übergab mir ein dickes Päckchen. "Oh, prima!", dachte ich, weil ich seit Tagen auf ein Buch wartete, das scheinbar den Weg zu mir nicht findet. Vorfreudig riss ich also besagtes Frachtstück auf, um gleich im Anschluss daran völlig verwundert und enttäuscht aus der Wäsche zu schauen.


Nein, es war nicht das Buch, auf das ich mich schon so gefreut hatte. Stattdessen lagen fünf CD-Roms in dem Paket. Lernprogramme für "Elektrische Anlagen, Schutzmaßnahmen und deren Prüfung." Dazu eine Rechnung über 251,50 Euro. Ware, die ich nie bestellt hatte. Spontan ging mir durch den Kopf, dass irgendjemand mich ärgern will und sich auf meinen Namen durch das WWW shoppt. Aber dann würde das Zeug doch nicht bei mir landen, war der nächste Gedanke. Ich schaute auf die Rechnung: Name, Anschrift, alles korrekt, sogar eine Kundennummer hatte ich.  Seltsam. Da blieb nur eins - anrufen.

Das tat ich dann auch gleich und siehe da, ein Zahlendreher in der Kundennummer war verantwortlich. Jemandem vom Auslieferungslager, das auch meine eigenen Bücher im Sortiment und mich damit als Kunde in der Datei hat, ist schlicht ein Fehler unterlaufen. Kommt vor und war ja auch schnell geklärt. Die CD-Roms gehen an den Absender zurück und irgendwann erreichen sie dann hoffentlich auch den, der sie wirklich bestellt hat.

Nicht immer lassen sich Dinge oder Ereignisse, die in unser Leben kommen und die wir eigentlich gar nicht haben wollen, so schnell auflösen. Wie oft denken wir: "Das habe ich nicht bestellt!" oder "Das kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen!", wenn sich eine unangenehme Erfahrung in unserem Dasein breit macht. Dazu gibt es einen wunderbaren Satz von Autor und Coach Larry Winget. Er sagt: "Alles ist so, wie es ist, weil Du willst, dass es so ist, wie es ist." Das sitzt. Will ich krank sein? Will ich den nervenden Exmann? Will ich die Geldsorgen, die Beziehungsprobleme?

Ja, lautet die Antwort. Irgendetwas in Deinem System will das so. An das "Warum?" kommst Du allerdings schwer ran, weil es vermutlich in Deinem Unterbewusstsein sitzt. Das entzaubert natürlich jeglichen Schicksalsmythos, jedes Opferverhalten, jede Schuldzuweisung an andere. Die gute Nachricht lautet: Ja zu dem zu sagen, was ist, macht den Weg dafür frei, sich auf einer anderen Ebene mit dem Problem auseinanderzusetzen. Denn wie sagte schon Einstein: "Man kann Probleme nie auf der Ebene lösen, auf der sie entstanden sind." Jedenfalls nicht jene, die unser Sein betreffen. Andere schon, denn es hätte ja wenig genutzt, morgen den Postboten anzuschreien, dass er mir ein falsches Paket geliefert hat. Man muss also differenzieren.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, wie es denn möglich ist, an das Unterbewusste heranzukommen. Den Schalter zu finden, der offensichtlich auf einer Einstellung steht, die heute in Deinem Leben wenig hilfreich ist. Ein Kernelement der Lösung lautet: Erkenne an, dass das Problem dazu dient, ein Bedürfnis zu erfüllen. Es hat einen sogenannten Sekundärnutzen. Etwas, woran Du festhälst - vielleicht, weil es in früheren Jahren für Dich wichtig war. Möglicherweise sogar existenziell wichtig. Und obwohl Du es heute als hinderlich wahrnimmst, dient es Dir in irgendeiner Form. Die Kunst ist also, aus Deiner "Problembox" - wie Veit Lindau dieses Konstrukt nennt - herauszutreten und dann das Ganze mal von außen zu betrachten. Stell Dir die Frage: "Was habe ich davon?" und dann horche. Ich bin sicher, dass eine Antwort kommt und sie heißt nicht: "Ein anderer ist schuld."
Ich wünsche Dir von Herzen einen schönen Tag.

Keine Kommentare: