Sonntag, 9. August 2015

Wer bin ich? Viele!

@Maya Meiners
Neulich kam ich ich in einem Gespräch mit einer Freundin auf das Thema Scanner zu sprechen - also auf Menschen, die enorm vielseitig und darum für andere auch schwer in Kategorien einzuordnen sind. Während der Tischler eben Tischler ist, der Architekt, Architekt, haben sie Mühe, das was sie tun und womit sie ihr Geld verdienen, in einer Schublade unterzubringen. Ich selbst bin ein Scanner und zwar einer, wie er im Buche steht.



Es geht schon damit los, dass ich drei Berufsausbildungen habe. Als ich mir heute endlich mal ein XING-Profil zugelegt habe, durfte ich dreimal die Spalte Ausbildung ausfüllen: Sport- und Gymnastiklehrerin, Fachzeitschriftenredakteurin und Systemischer Coach. Auf den ersten Blick haben diese drei Berufe kaum etwas miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick schon, aber dazu später mehr.

Man glaubt es ja kaum, aber früher habe ich mich dafür geschämt, dass ich immer schon auf so vielen Hochzeiten getanzt habe. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich mich danach gesehnt, doch endlich das EINE, den einen Beruf zu finden, der mich ausfüllt und glücklich macht. Warum? Weil mir kaum einer etwas zugetraut hat. Weil ich von außen betrachtet, zwar viel Ahnung von Vielem hatte, aber eben nie ein Spezialist war. Weil ich schnell die Lust an meinen Jobs verloren habe. Ich erinnere mich an diverse Grabenkämpfe mit mir selbst, wenn ich ein Projekt oder eine Arbeit begonnen hatte und schon nach kurzer Zeit feststellen musste, dass sie mich langweilt.  Es hat viele Jahre gebraucht, bis ich begriffen habe, dass das kein Manko ist. Im Gegenteil. Nur dass ich eben anders bin als - sagen wir mal 70 Prozent der Menschen. Ein Scanner eben. Eine kreative Chaotin. Ein buntes Zebra. Jemand, der nie nur eine Sache macht, sondern oft mehrere Projekte gleichzeitig bearbeitet.

Bin ich Autorin? Ja bin ich. Aber auch hier gibt es Nuancen, denn ich schreibe völlig unterschiedliche Texte. So höre ich auch ganz oft die Frage: "Kannst Du das denn?", wenn ich meine Dienstleitung für eine Textarbeit anbiete und das Thema eben noch nicht in meinen Referenzen sichtbar ist. "Ja, ich kann das." Weil ich richtig viel Spaß daran habe, mich in neue Themen einzuarbeiten. In Gründungsratgebern findet man ja häufig den Hinweis, dass es gerade in einem dichten Markt, also dort, wo sich viele Anbieter tummeln, im Haifischbecken also, wichtig wäre, sich zu spezialisieren. Kann ich nicht. Will ich auch gar nicht. Weil es mich kreuzunglücklich machen würde. Allein die Vorstellung, ich müsste wieder und wieder über Kinder oder Familie, über Hund, Katze oder Maus schreiben, lässt mich erschaudern. Nicht mein Ding. Stattdessen schreibe ich für ein Gründungsportal, für ein Kunstportal, meine eigenen Blogs, schreibe ich meine eigenen Bücher und als Ghostwriterin helfe ich anderen, die selbst nicht schreiben wollen oder können dabei, ihre Bücher in die Welt zu bringen. Das alles zusammen ist viel - aber genau so mag ich es.

Bin ich Coach? Ja auch das bin ich. Weil Schreiben ganz schön einsam sein kann und weil ich hin und wieder Menschen um mich herum brauche. Außerdem liebe ich diese Tätigkeit. Andere bei großen und kleinen Lebensschritten begleiten zu dürfen, ist einfach ein Geschenk. Außerdem kann ich es gut. Es ist eine Gabe und warum sollte die brach liegen? Aber nur Coach zu sein, käme mir nie in den Sinn. Dann würde mir das Schreiben fehlen und all die anderen Dinge, die ich sonst noch so tue.

Was ich heute nicht mehr bin: Sportlehrerin. Aber ich habe diesen Beruf zu meinem Hobby gemacht. Das ergänzt sich gut mit all den anderen Tätigkeiten und es bringt mir Spaß. Apropos ergänzen. Scanner müssen sich ja oft anhören, dass sie sprunghaft seien. Dass sie Tätigkeiten hintereinander oder nebeneinander nachgehen, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Stimmt nicht, sage ich. Schaut man genauer hin, dann gibt es auch bei Scannern einen roten Faden. Bei mir ist es zum Beispiel die Tatsache, dass ich gern Menschen motiviere. Menschen anstoße. Wichtig für einen Scanner ist, seine Werte zu kennen. Wofür brenne ich? Woran glaube ich? Und daraufhin seine Projekte durchzuscannen und zwar bevor er sie beginnt. Dann wird manches wegfallen, was auf den ersten Blick vielleicht verlockend aussah. Und für Scanner sieht vieles verlockend aus! Die Gefahr ist, sich irgendwann in der Überfordungsfalle wiederzufinden, weil man zu viele bunte Bälle oben halten will.

Und Du? Wie sieht es bei Dir aus? Bist Du auch ein Scanner? Hast Du auch die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, all das, was in Deinem wilden Hirn hin und her wirbelt, unter einen Hut zu bringen? Grämst Du Dich vielleicht sogar noch und haderst mit diesem Wesenszug? Darf ich Dir einen Rat geben, wenn es so ist? Entspanne Dich. Und sei Du. Schenke dieser Welt alles, was Du bist. Wir brauchen die Bunten. Ebenso wie wir die brauchen, die geradlinig an einer Sache dranbleiben. Die schon mit acht Jahren wissen, was sie später mal werden wollen. Und die das auch wirklich durchziehen.  Diese Welt lebt von der Vielfalt und sie lebt davon, dass Menschen authentisch sind. Darum zeige Dich mit allem, was Du hast. Bereichere uns und diesen Planeten mit Deinen Gaben. Ich danke Dir dafür!

Kommentare:

KUNSTLEBEN BERLIN hat gesagt…

Für mich bist Du ein Geschenk. Nimmst wenig und gibst viel - auch mir, dafür danke ich Dir liebste Freundin. Dein MASCH

Jeannette Hagen hat gesagt…

Ich danke Dir, Masch!!!! Fühl Dich umarmt.