Samstag, 14. März 2015

Alle Jahre wieder

Alexander Osang
bin ich auf der Leipziger Buchmesse. Genieße mein Leben in der Bücherwelt, lausche anderen Autoren, staune über die Vielfalt der Sprache und freue mich, dass das Buch trotz Wehen und Klagen nicht tot zu kriegen ist.


Als ich heute Morgen auf dem Weg zu meinem Verlag durch die Messehallen geschlendert bin, vorbei an unzähligen Neuerscheinungen, vorbei an Manga-Mädchen und Lesebühnen, ist mir einmal mehr aufgefallen, wie wohl ich mich in diesem Business fühle. Bücher sind mein Element. Wie ein Pinguin im Wasser bewege ich mich durch Gedrucktes. Ich liebe es, Bücher anzufassen, in ihnen zu blättern, anhand des Titels auf den Inhalt zu schließen oder eben in ihnen zu lesen, zu versinken, mich davontragen zu lassen. Einen ganzen Stapel habe ich mit nach Hause genommen und werde ihn in den nächsten Tagen und Wochen genussvoll abarbeiten. Überwiegend sind es Sachbücher, aber auch ein Kurzgeschichtenbuch und ein Roman sind dabei.

Und weil ich nicht nur gern lese, sondern es auch mag, zuzuhören, wenn andere vorlesen, war ich gestern im Rahmen von "Leipzig liest" auf einer Lesung von Alexander Osang. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Nicht nur, weil er es versteht, mit Sprache umzugehen, sondern vor allem auch, weil seine Geschichten stets mit einer ganz besonderen Leichtigkeit Tiefgründiges erzählen. Osangs Geschichten haben Swing. Ich werde nie vergessen, wie ich während meiner Ausbildung zur Redakteurin eines seiner Porträts las und vor lauter Lachen fast unter den Tisch gerutscht bin. Wenn Du meinen Blog schon länger verfolgst, dann weißt Du vielleicht, dass Osang mich einst zum Schreiben inspiriert hat. Ich saß damals im Deutschen Theater und lauschte seinen "Geschichten aus der Stadt New York". Ich saß oben im Rang, der Saal war ausverkauft und als Osang las, war das Publikum so still, so konzentriert, man hätte eine Nadel gehört, wenn dann eine zu Boden gefallen wäre. So will ich auch schreiben können, habe ich damals gedacht und dann habe ich mich auf die Suche nach meiner eigenen Sprache begeben. Damals war ich Anfang Dreißig. Ein Spätzünder sozusagen. Ein Quereinsteiger.

Um so mehr freue ich mich, dass ich diesen Weg so konsequent gegangen bin und dass ich darum heute nicht mehr als Besucher auf der Messe bin, sondern mich als Teil des Ganzen sehen kann. Mein aktuelles Buch liegt derzeit noch beim Verlag und wartet darauf, dass es ein Cover, einen Titel und noch einen Lektoratsschliff bekommt. Die Sache mit dem Titel ist nicht so einfach. Da das Thema Vaterentbehrung breit gefächert ist, muss es natürlich etwas sein, das viele Menschen dort wo sie stehen, mit dem, was sie erlebt haben, abholt. Es ist also die Frage: Sachlichkeit oder Emotion? Provokation oder Massenkompatibel? Jedenfalls saß ich heute Morgen leicht verkatert nach einem netten Abend mit meiner Autorenkollegin Janice Jakait am Stand vom Scorpio Verlag und während der Besucherstrom an uns vorbeizog haben die Programm-Chefin des Verlages und ich uns gemeinsam die Köpfe über den Titel zerbrochen.Von Schattenvater bis Vatersehnsucht war alles dabei und nun liegt es an den Verlagsmitarbeitern, welcher Titel am Ende das Rennen macht.

Ich bin jedenfalls nach diesem Vormittag ganz beseelt zurück nach Hause gefahren. Den Kopf voller Bilder und Eindrücke und mit dem Wissen, dass es nur noch ein paar Monate sind, bis in Frankfurt mein Buch im Regal steht, während ich schon wieder fleißig am nächsten arbeite.

Hier noch ein paar Impressionen:










Keine Kommentare: