Dienstag, 17. Februar 2015

Sie ist wieder da.

Schreibtischchaos
Zugegeben: Das war eine sehr lange Pause. Inzwischen haben die Weihnachtsmänner Platz für die Osterhasen gemacht und draußen vor meinem Fenster zwitschern die Vögel, als ob es kein morgen gäbe. Der Frühling steht vor der Tür und hinter mir liegt ganz schön viel Arbeit. Darum die Pause. Die eigentlich keine war,


denn ich habe fleißig geschrieben und gestern pünktlich zum vereinbarten Abgabetermin das Manuskript beim Scorpio Verlag eingereicht. 258 Seiten. Mein fünftes Buch und wohl mit Abstand das persönlichste. Dabei geht es gar nicht um mich. Vielmehr geht es um Väter und darum, was es mit uns macht, wenn sie abwesend sind. Ich kenne meinen Vater nicht. Weil er mich nicht kennen will, darum nie Kontakt zu mir aufgenommen hat und meine Avancen ignoriert. Was das mit mir gemacht hat, wie es anderen Menschen geht, die Ähnliches erlebt haben, was Experten dazu sagen - davon handelt dieses Buch.

"Schreiben heißt, sich selbst zu lesen." hat Max Frisch mal gesagt. Und ja, er hat verdammt recht, denn es sind ja meine Gedanken, die da in die Tasten fließen, aus denen sich Worte, Sätze, Absätze bilden. Und so habe ich in den letzten Monaten während des Schreibens viel über mich, aber auch über das Schreiben selbst lernen dürfen. Zum Beispiel, dass Inspiration nichts mit der Tagesform, sondern ausschließlich etwas mit Disziplin zu hat. Sie kommt, wenn wir uns an unseren Platz setzen und arbeiten. Nicht, wenn wir in die Luft starren und auf Eingebungen warten. Manchmal taucht sie überraschend auf. Beim Joggen, beim Putzen, beim Einkaufen, manchmal auch mitten in der Nacht. Dann sollte man gewappnet sein. Papier und Bleistift oder ein Smartphone parat haben, um die Gedanken, die so verdammt flüchtig sind, festzuhalten.

So ein Buch zu beendet, ist ein ziemlicher Akt. Weil man nicht loslassen will. Immer wieder etwas findet, was man umschreiben kann. Weil man am Ende des Buches den Anfang wieder ganz anders formulieren würde. Ich musste gestern sehr beherzt auf SENDEN drücken und ich war froh, dass es die Deadline gab, die keinen Raum mehr für neue Textbaustellen ließ.  Ich glaube, es war Picasso, der gesagt hat, dass ein Bild nie fertig ist, sondern dass man irgendwann einfach aufhört. So ähnlich ist es mit einem Buch auch.

Und nun? Was folgt als nächstes? Zunächst kommt das große Aufräumen, denn wie du auf dem Bild sehen kannst, sieht mein Schreibtisch wie Bosten nach dem letzten Schneesturm aus. Es türmt sich. Bücher, Zettel, Teetassen, ungeöffnete Post, Schokoladenpapier. Und wenn wieder Luft ist, dann halte ich es mit Steven Pressfield. Vielleicht kennst du ihn, er hat "Die Legende von Bagger Vance" geschrieben. Viele Jahre tingelte er als erfolgloser Schreiber durch die Gegend, ehe er seinen ersten Roman beendete. Diesen Moment beschreibt er in seinem Buch "Morgen fange ich an, warum nicht heute" so:

"Niemand wusste, dass ich es geschafft hatte. Es interessierte keinen Menschen. Aber ich wusste es. Und ich fühlte mich, als läge der Drache, gegen den ich mein Leben lang gekämpft hatte, tot zu meinen Füßen. (...) Am nächsten Morgen besuchte ich Paul zum Kaffeetrinken und teilte ihm mit, dass ich fertig sei. "Schön für dich", erwiderte er, ohne aufzublicken. "Dann kannst du ja heute mit dem nächsten Buch anfangen."

In diesem Sinne: Nach dem Buch ist vor dem Buch. Also - weiter geht's. :-)


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