Mittwoch, 12. November 2014

Advent, Advent...


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Die Bäume sind fast kahl, der erste Schnee ist schon gefallen und die Spekulatius und Lebkuchen stapeln sich in den Supermärkten. Noch 18 Tage, dann ist es soweit, denke ich und sofort überkommt mich das Grauen. Denn: Adventszeit ist Kalenderzeit.

Anfangs war es ganz harmlos.

Da bekam ich als Kind einen Kalender, in dem unten kleine Schokoladentäfelchen, die nach Pappe schmeckten und die man nur mit einem spitzen Fingernagel aus der Plastikummantelung befreien konnte, steckten. Oben direkt unter der Aufhängung gab es täglich ein kleines Bildchen und das wars. Schöne heile Welt, in der man sich doch tatsächlich morgens auf dem Schulhof noch erzählte, welches Schokoladenmotiv sich denn hinter dem Türchen verborgen hatte.

Als ich älter war, schenkte man mir Kalender mit Schnapsfläschchen, Heilsteinen und wiederum Schokolade - natürlich mit Alkohol. Eine Zeit in der schon niemand mehr wissen wollte, was der andere im Kalender hatte. Man war zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Kein Grund zur Besorgnis, vor allem weil es ja auch immer nur ein Kalender war und sich der Kollateralschaden (24 Tage Schokolade oder /und Schnaps) in Grenzen hielt.

Das war einmal.

Heute leben wir in der Zeit der absoluten Kalenderschwemme.

Die fing so harmlos an. Mit einer Packung Tee, in der plötzlich 24 verschiedene kleine Beutelchen steckten. Dann kamen der Bierkalender, später der Kosmetikkalender, ein Sprüchekalender und heute - die Krönung der Schöpfung ein Müsli-Adventskalender von der Größe einer Lautsprecherbox, weil irgendwo muss man die Becherchen ja unterbringen.

Keine Firma, kein Verlag, kein Selbstständiger mehr, der nicht auf die glorreiche, absolut uninnovative Idee kommt, einen eigenen Kalender zu produzieren.

Mit dem Aufblühen der Adventskalenderbranche erweiterte sich leider auch gleichzeitig der Kreis derer, die meinten, es wäre doch eine tolle Idee, andere 24 Tage lang zu beschenken. Und so begannen selbst die, die eigentlich gar nichts zu verschenken hatten, mit der 24-Tage-Tortour.

Die erste, die den familiären Adventskalender-Rahmen sprengte, war meine Versicherungagentur, die mir eine Karte mit 24 Papiertürchen und Lebensweisheiten dahinter schickte. Es folgten mein Steuerberater und ein Versandunternehmen, bei dem ich bis dato regelmäßig eingekauft hatte. Nun hingen also drei Kalender mit schlauen Sprüchen an der Wand und ich wusste gar nicht mehr, womit ich zuerst mein verpfuschtes Leben retten sollte.

An dieser Stelle war bereits der Punkt erreicht, wo mir dieses ganze Kalendergetue schon so auf den Zeiger ging, dass ich mich am liebsten für 24 Tage weggesperrt hätte. Hätte ich geahnt, dass das erst der Anfang war, dass sich Adventskalender tsunamiartig im Netz ausbreiten und mich als fleißige Social-Media-Nutzerin zwangläufig mitreißen, mich bis in meine privatesten Winkel verfolgen - ich wäre rechtzeitig geflüchtet.

Nun ist es dafür allerdings zu spät. Seit irgendwer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass Adventskalender die Kundenbindung stärken, gibt es kein Halten mehr.

Wahrscheinlich schenkt mir in diesem Jahr sogar mein Frauenarzt einen Adventskalender. Oder mein Autoschrauber. Was da wohl drin ist?

Am Ende bleibt mir, mich konsequent ab dem 1. Dezember für 24 Tage aus allen sozialen Netzwerken zu verabschieden, meinen Briefkasten direkt mit dem Papierkorb zu verbinden, die übrig gebliebene Schokolade vom Vorjahr zu essen und mich einfach so - ohne Gewinnspiel und Kalenderhype - auf Weihnachten zu freuen. Und darauf, dass ich spätestens in der ersten Januarwoche bei Netto einen von den -zig Tausend nicht verkauften Kalendern einfach so mitnehmen kann.

Kommentare:

eurydike hat gesagt…

Genau deswegen besitze ich keinen Adventskalender... überall Konsum Konsum Konsum.... nee danke

Sadie´sGedankenfülle hat gesagt…

Heute gibt es nur mehr: Größer, Schöner, Spektakulärer, Einzigartiger usw. gilt selbstverständlich auch auf die Adventkalender. Bei mir kommt keiner mehr ins Haus und selbstverständlich verschenke ich auch keine.
Lg die die stille Zeit liebt, doch
ohne Einkaufsstress, Beschallung mit Weihnachtsliedern vor allem ohne diese vielen Geschenke, die kein Mensch braucht.
Sadie