Mittwoch, 8. Oktober 2014

Make Someone Happy!

Gestern Nachmittag habe ich einen kleinen Reisebericht von meinem letzten Wochenende auf OneDayTraveler eingestellt. Ein paar Tipps, ein paar Eindrücke, ein paar Bilder - alles so wie sonst. Dachte ich jedenfalls. Als ich allerdings ein paar Stunden später in der Passionskirche stand und Jamie Cullum zuhörte, der auf der Bühne "Make Someone Happy" interpretierte, wusste ich plötzlich, dass doch nicht alles gesagt war und es unbedingt noch einen zweiten Eintrag geben muss.


Dass mich nicht nur die Landschaft bewegt hat, der schöne Sonnenaufgang oder der Luxus im Floating House, sondern dass es in mir drin um etwas ganz anderes ging. "Du bist so abwesend." bemerkte mein Mann zwischendurch mal. Ich habe das abgetan, aber er hatte Recht. Ich war in Gedanken. Vertieft in die Geschichten von Andreas Altmann, die ich kurz zuvor gelesen hatte. Liest man Altmann, dann kommt einem das eigene Leben schnell unbedeutend vor. Mir ging es jedenfalls so. Altmann ist einer, der ganz nah ran geht, der das Leben auskostet, probiert, sich nicht abhalten lässt von Konventionen und Normen, der jenseits des Mainstream unterwegs ist.

So wollte ich immer leben, dachte ich und doch habe ich ganz andere Entscheidungen getroffen. Habe andere Wege genommen, die zu anderen Ergebnissen geführt haben.

Was hat das mit Jamie Cullum zu tun? Es geht um das eigene Glück. Als ich gestern in seinem Konzert stand und seine unglaubliche Stimme, die Art, wie er die Songs sang, bewunderte und die Freude spürte, mit der er all das seinem Publikum rüberbrachte, wurde mir plötzlich bewusst, dass es in meinem Leben vielleicht gar nicht darum geht, so oder so zu leben, um glücklich zu sein, sondern dass die größten Momente immer die waren, in denen ich anderen etwas geben konnte.

Es dreht sich also weniger darum zu fragen: "Was bekomme ich?". Eher geht es um das: "Was kann ich geben?" Was trage ich in mir, das ich inflationär verschenken kann? Das ich mit Freude teilen will, weil es in mir nie zur Neige gehen wird, nie alle ist. Weil es ein Teil meines Wesens ist, mit dem ich andere und damit letztendlich mich selbst glücklich machen kann. Für mich ist das das Schreiben. Der Autor Harald Martenstein hat mal bei einer Tasse Kaffee zu mir gesagt: "Weißt du, und wenn es nur ein oder zwei Leser sind, die deinen Text mögen. Dann hast du eben für die geschrieben. Dann hast du die glücklich gemacht. Der Rest ist egal."

Und es stimmt. Es geht nicht um Geld. Auch nicht um Ruhm, Ehre oder die Art wie ich lebe. Ich bin kein Altmann, auch nicht Jamie Cullum. Aber ich bin Jeannette, genauso, wie Du Du bist und genauso, wie auch Du unglaublich viel zu geben hast. "Make Someone Happy" - die glücklichsten, reichsten und erfüllendsten Augenblicke sind die, in denen wir uns selbst mit Leidenschaft verschenken. Ich tue das, indem ich schreibe. Was hast Du heute zu geben?

Kommentare:

Sadie´sGedankenfülle hat gesagt…

Liebe Jeannette,
du hast das unglaublich einfühlsam interpretiert, diese Gedanken, die einen oftmals den ganzen Tag begleiten. Es genügt, ein Zitat, in diesem Fall ein Buch, um wieder etwas nachzudenken, in sich zu gehen.
Wenn wir Freude am Leben haben,
kommen die Glücksmomente von selber.
© Ernst Ferstl
Ich wünsche dir einen sonnigen Tag.
LG Sadie

Jeannette Hagen hat gesagt…

Danke, den wünsche ich Dir auch! :-)