Freitag, 17. Oktober 2014

Die Sache mit dem Streit

Bedenkzeit @fotolia
Kennst Du das? Da gerät man mit einer Person oder mit einem Unternehmen in einen Streit, das Ganze zieht sich über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Du ärgerst dich, bemühst Rechtsanwälte, kämpfst verbohrt um dein Recht, deine Gedanken kreisen nur um dieses Thema und dann passiert etwas Seltsames.


Der "Gegner" ist plötzlich keiner mehr, weil sich in eurem Streitgefüge ein Baustein verändert hat. Die Tür, die du so lange versucht hast, einzutreten, aufzudrücken und gegen die du dich mit all deiner Kraft gestemmt hast, steht plötzlich offen, sodass du - den Widerstand noch antizipierend, fast hindurchfällst.

Ein komisches Gefühl. Aber noch viel komischer ist: Statt dich zu freuen und zu jubeln, traust du dich fast gar nicht, die Tür ganz zu öffnen, sondern stehst immer noch zaghaft und zögerlich davor und vermisst vielleicht sogar den Druck, die Reibung und den Streit. Anstelle der Auseinandersetzung gibt es plötzlich so etwas wie Leere. Du hälst dein Recht in der Hand und fragst dich rückblickend: War es das alles wert?

Mir ist es letztens so ergangen und das Ganze hat mich angeregt, mal intensiver darüber nachzudenken, worum es denn bei solchen Auseinandersetzungen eigentlich geht. Warum tun wir uns das an, die großen Geschütze aufzufahren? Weil wir Recht haben wollen? Weil es super ist zu streiten? Weil wir den anderen nicht gewinnen lassen wollen? Weil wir uns als Versager, als Schwächling fühlen würden, wenn wir nicht kämpfen?

Ich bin den Erkenntnisweg noch nicht bis zum Ende gegangen, aber auch jetzt merke ich schon, dass es nicht so leicht ist, Antworten darauf zu finden, wann es sich lohnt, mit Pauken und Trompeten in den Kampf zu ziehen, wo die Grenze ist und wann man sich einfach gelassen zurücklehnen sollte, das Recht Recht sein lassen sollte und statt des Streites, der Nerven und Geld kostet, lieber lächelt und mit seinem Liebsten oder seiner Liebsten schön essen geht.

Dazu kommt ja oft auch, dass man sich selbst nicht eingestehen will, dass man das ein oder andere Signal, welches schon darauf hingedeutet hat, dass die Sache nicht gut enden wird,  übersehen hat. Es ist also scheinbar leichter in die Schlacht zu ziehen, als sich selbst mal einzugestehen, dass man wohl zu gutgläubig war oder etwas im Sinn hatte, was die andere Partei gar nicht erfüllen konnte.

Sicher ist es auch eine Frage der Mentalität. Eine Frage der Priorität. Wie wichtig ist es mir? Steckt viel Herzblut in einer Sache, so wie bei mir, dann will man nicht so schnell klein beigeben, weil sich das eher nach einer Niederlage, als nach einem Triumph anfühlt. Und doch muss ich sagen, dass ich für mich entschieden habe, zukünftigt - sollte ich noch einmal in solch eine Situation geraten - sehr genau zu hinterfragen, ob es die Sache wirklich wert ist, dafür auf die Barrikaden zu gehen, oder ob es nicht viel besser ist, die Lebenszeit, die ich dafür vertue, anders - besser zu nutzen. In meinem Kopf wusste ich doch, dass ich im Recht bin - das sollte das nächste Mal reichen.

Wie geht es Dir damit? Hast Du eine ähnliche Situation schon mal erlebt? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.


Kommentare:

Windsprite hat gesagt…

Mit Streiterein weniger, aber es stimmt, dass man viel zu oft im Leben Zeit damit verbringt, Dingen hinterherzurennen, die unwichtig sind und ohne die man viel glücklicher wäre.

Sadie´sGedankenfülle hat gesagt…

So einen richtigen Streit, oder besser gesagt ein "gerichtliches Verfahren" habe ich Gott sei Dank noch nie erlebt.
Allerdings glaube ich, dass man immer erst im Nachhinein denkt, was hätte besser laufen können, war ich zu emotional, oder der andere? musste das jetzt überhaupt sein? steht das dafür? könnte man das nicht anders regeln? Doch wir Menschen sind eben so, der Ärger, der die erste Reaktion auslöst kann eine Lawine lostreten, was man eigentlich gar nicht möchte.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich ein Gerechtigkeitsfanatiker bin, (da steckt wie du erwähntest richtiges Herzblut dahinter)es muss nicht mal mich persönlich betreffen, aber da ist mit mir nicht gut Kirschen essen, eine gewisse Konsequenz ist schon notwendig, denn alles sollte man um des FriedensWillen nicht schlucken.
Was ich doch anmerken möchte, ich bin extrem emotional,rege mich in der ersten Sekunde furchtbar auf, dass es innerlich nur so brodelt, aber ich habe gelernt durchzuatmen, nochmal darüber nachzudenken und dann zu handeln. Vor allem tut es mir gut und so sollte es auch sein.
Ab und zu fühlt man sich machtlos, weil es sich immer wieder bewahrheitet, dass sich
"Recht und Gerechtigkeit nicht im selben Haus befinden". was so absolut wünschenswert wäre.
LG und einen sonnigen Samstag.
Sadie