Freitag, 19. September 2014

Mal eben schnell die Welt retten



Gerade kam eine eMail vom Umweltinstitut München e.V. rein. Das ist ein Verein, der sich neben vielen anderen Aktivitäten aktuell sehr massiv dafür einsetzt, dass CETA und TTIP in der geplanten Form nicht zustande kommen. Sehr unterstützenswert, denke ich, verwerfe aber gleichzeitig den Gedanken, wie in der eMail gewünscht, Fördermitglied zu werden.


Natürlich nicht ohne schlechtes Gewissen, denn auch ich bin gegen CETA, gegen TTIP, gegen Fracking und all die anderen seltsamen Machenschaften der großen Konzerne und Regierungen. Ich würde aber auch gern gemeinsam mit dem NABU Land kaufen, damit der Adler ungestört brüten kann und dass Wale irgendwo auf dieser Welt ihr Leben lassen, finde ich auch nicht gerade toll. Dann gibt es viele Crowdfunding-Kampagnen, die wirklich unterstützenswert sind, Kinderprojekte, Hospize und natürlich, um mal mit der Kirche im Dorf zu bleiben, die Fördervereine der beiden Schulen, die meine Kinder besuchen.

Wenn Du mich fragst, was ich mir wirklich wünsche, dann würde ich in bestimmten Situationen wahrscheinlich antworten: "Diese Welt retten." Vorrangig dann, wenn ich das Gefühl habe, dass irgendwie alles aus dem Ruder läuft. Dass unsere Umwelt für mehr Profit konsequent vernichtet wird, dass sinnlose Kriege Menschenleben fordern und Menschen hungern müssen. Ich würde gern denen Geld geben, die Sinnvolles damit tun oder die es einfach so verdammt bitter nötig haben, um zu überleben. Die Kinder, die in den SOS-Kinderdörfern leben zum Beispiel oder all die Kriegskinder, die derzeit heimatlos um ihr Überleben kämpfen.

Es heißt ja: "Willst Du die Welt retten, dann fang bei dir selbst an." Gut gebrüllt Löwe, denke ich dann. Mich muss ich doch überhaupt nicht retten, mir geht's doch so verdammt gut. Was nützt es denn den Kindern in Syrien, wenn ich an meiner Zufriedenheit arbeite? Nicht viel, oder?

Außerdem habe doch alles. Worum soll ich mich denn bei mir dann noch kümmern? Ich empfinde mich - wie ich es im meinem Post "Sein oder Haben" schon geschrieben habe - als sehr reichen Mensch. Nicht im Vergleich mit den vermögenden Menschen, aber dafür im Herzen und gemessen daran, was man eigentlich wirklich braucht. Also wie ist der Spruch dann wirklich gemeint?

Vielleicht so, dass ich mehr Geld verdienen könnte, um mehr helfen zu können. Denn wenn es mein Herzenswunsch ist, die Welt zu retten, dann sollte ich das doch auch bitteschön tun. Nur leider ist diese Welt nicht mit Geld zu retten, lautet die ernüchternde Erkenntnis, wenn man das Modell weiterspinnt und ich mir vorstelle, ich wäre supervermögend und könnte spenden ohne Ende. Ja genau - ohne Ende, das ist die passende Metapher, denn es ist ein Fass ohne Boden.

Am Ende bleibt uns, wollen wir nicht verzweifeln, nur der Rat, uns um uns selbst zu kümmern, ein paar Projekte oder Aktionen auszuwählen, die uns wirklich am Herzen liegen und uns dort richtig reinzuknien. Dann hängt nicht das schale Gefühl nach, zwar viel gegeben, aber wenig erreicht zu haben. Dann ist man nah dran am Geschehen, kann verfolgen in welche Kanäle das Geld oder noch besser das Engagement fließt.

Und darum liebes Umweltinstitut München: Fördermitglied werde ich nicht. Aber ich teile Euren Link heute hier auf meinem Blog und rühre die Werbetrommel für Euren Newsletter, damit möglichst viele Menschen von Euren Aktionen erfahren und Ihr die notwendige Rückendeckung für Eure Projekte bekommt.

Umweltinstitut München e.V.




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