Montag, 18. August 2014

Fernweh II

Träume haben, ist eine Sache. Sie zu leben eine andere. Nachdem ich gestern vom Fernweh gepackt den letzten Post geschrieben hatte, folgte eine unruhige Nacht. Heute morgen dann beim Joggen habe ich mir überlegt, was mich denn eigentlich wirklich davon abhält, das Leben zu führen, um das ich die, die es tun, beneide. Zu reisen und darüber zu schreiben. Die Antwort war nicht überraschend.


Denn es gibt nur eins, was mich wirklich hindert und das bin ich mit meinen Grenzen im Kopf. Wie eine Kuh oder ein Pferd, das nicht ausbricht, weil es die Stromschläge fürchtet, lebe ich in meiner Komfortzone und habe Angst vor den Konsequenzen meiner Sehnsucht. Mein Elektrozaun ist das Kopfkino in meinem Hirn. Wie gut das funktioniert, durfte ich heute morgen erleben.

Ich saß an meinem Schreibtisch und schaute in meinen Kalender. Keine Termine bis zum Sonntag. Die Kinder sind noch im Urlaub, es gibt eine Verabredung am Donnerstagabend, die ich absagen könnte. Sonst nichts. Ich kann überall auf dieser Welt arbeiten, niemand zwingt mich, zuhause an meinem Schreibtisch zu sitzen. Außerdem gehört Reisen zu meinem Business. Nur wer unterwegs ist, sieht Dinge, über die er schreiben kann, hat Eindrücke oder findet Motive zum fotografieren. Also wieder die Frage: Was hält mich ab, jetzt einfach ein Hotelzimmer zu buchen, mich in mein Auto zu setzen und loszufahren?

Ihr hättet mal die Stimmen in meinem Kopf hören sollen. Dieses Ringen, dieses Abwägen, wieder all die Wenns und Abers. Irgendwann musste ich selbst darüber lachen, weil es so skurril war. Ich meine, es geht hier nicht um eine Weltreise. Nicht um einen Ausstieg für die nächsten Jahre sondern um einen Kurztrip an die Ostsee. Natürlich fragte ich meinen Mann, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich ein paar Tage wegfahre. Er grinste nur und wollte wissen, ob ich es mir denn selbst erlaube. Wie gut er mich doch kennt.

Ich rief also in dem Hotel an, wo ich eigentlich buchen wollte. Leider war das letzte Zimmer gerade weg. So entstand noch mal ein Verzögerungsmoment, den ich glatt wieder nutzte, um das, was ich vorhatte, komplett infrage zu stellen. Wahnsinn. Wie streng wir mit uns sind, wenn es darum geht, etwas für uns zu tun.  Unsere Träume zu leben. Spontan mal aus dem Alltag auszubrechen. Einfach nur den rechten, statt wie immer den linken Weg zu gehen.

Aber lange Rede - ich habe den nächsten Schritt gemacht. Morgen früh packe ich meine Tasche, schnappe mir meinen Hund, meinen Laptop und meinen Fotoapparat und dann fahre ich nach Rügen. Mittwoch geht es auf die wunderschöne Insel Hiddensee. Soweit weiß ich es schon. Der Rest ist offen und das ist das nächste Abenteuer. Mich treiben zu lassen, keine Pläne zu schmieden sondern die Freiheit der Wahl zu genießen, das wird die nächste Herausforderung sein, auf die ich mich freue. Und vielleicht öffnet dieser kleine Anfang das Tor oder stellt den Strom in meinem Hirn ab. Wer weiß. Ich werde berichten.

Vielleicht fragst Du Dich ja, warum ich um all das so ein Gewese mache. Wenn das so ist, dann überprüfe doch mal, wie es bei Dir ist, wenn Du Dich daran machst, Deine eigene Komfortzone zu verlassen. Vielleicht kann ich Dich ja motivieren, auf Deine ganz eigene Reise zu gehen. Deine eigenen Träume anzuschauen und wenigstens einen kleinen Schritt in ihre Richtung zu unternehmen. Ich wünsche Dir das von Herzen, denn Du und ich - wir haben alle nur dieses eine Leben.

Kommentare:

Jutta.K hat gesagt…

Großartig, du schreibst das, was ich auch zur Zeit durchexerziere !
Bei jeder Zeile musst ich mit dem Kopf nicken !
Ich hänge in meiner " Komfortzone "
wie die Spinne im Netz und warte, warte darauf, dass ich es schaffe, eine Veränderung vorzunehmen !
Jetzt hast du mir mit deinen Zeilen wieder mal einen kleinen Schubs in Richtung Aufbruch gegeben.
Aber ich bin noch weit von meinem Ziel entfernt .
Klasse, dass du es geschafft hast mal aus zu brechen. Ich wünsche dir ganz viel Freude und Vergnügen dabei, bin gespannt auf deinen Bericht darüber.
Herzliche Gruß
Jutta

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Jeanette,
toll geschrieben. Naja, leider gibt es da hin und wieder Schranken durch Kinder, Familie und auch Beruf, da ich werktags tagsüber an mein Büro gefesselt bin. Sonst versuche ich schon, mir Freizonen zu schaffen, um diejenigen Dinge zu tun, die ich gerne tue. Ansonsten schließe ich mich Juttas Ausführungen an.

Gruß Dieter