Samstag, 12. Juli 2014

La Luna

Heute ist Vollmond. Laut Mondkalender ein Tag, der für vollendetes Wachstum und Verwirklichung steht. Für ausbrechende Gefühle - egal ob edel oder mies. Ein Tag, an dem man sich vornehmen kann, etwas Altes loszulassen, damit nach dem abnehmenden Zyklus mit dem Neumond die Phase des Neuen eingeleitet wird.

Mich hat der Mond schon immer fasziniert. Nicht nur, weil ich in den Tagen vor dem Vollmond besonders intensiv träume, sondern vor allem, weil er uns so nah ist. Nun ist Nähe in diesem Fall relativ, schließlich kann ich ihn nicht berühren, wobei das gar nicht nötig ist, denn er berührt mich.  Und jedesmal, wenn ich ihn in seiner vollen Pracht sehe, wird mir bewusst, dass wir ja auf einem Planeten leben. Dass wir uns mit vielen anderen Planeten durch ein gigantisches All bewegen und im Grunde nur durch das exakte Zusammenspiel von physikalischen Kräften unsere Position halten. Diese Erkenntnis ist so banal - ja natürlich leben wir auf einem Planeten. Und alles dreht und bewegt sich. Gleichzeitig ist sie aber absolut existenziell, weil so richtig bis in die letzte Konsequenz vorstellen, was das eigentlich bedeutet, kann man sich nicht.

Ich wäre gern mal im All und würde mir dieses Schauspiel aus der Distanz ansehen. Ein Traum, der sich schwer verwirklichen lässt, an den mich der Mond jedoch stets erinnert. Und daran, wie abgefahren das doch alles ist. 

Ins All werde ich nicht kommen und so bleibt mir, sehnsuchtsvoll in das Mondgesicht zu schauen und für einen kurzen Moment das, was vorher noch groß und wichtig war, einfach zu vergessen. Mich zu fühlen wie ein winziges Staubkorn, das trotzdem irgendwie Teil des Ganzen ist. Tauche ich in den Mond ein, versinke ich im Universum. Dann werden Alltagssorgen nichtig. Was bedeutet denn mein Gram oder meine Begierde im Angesicht der Unendlichkeit? Nichts.

Dafür liebe ich diesen Moment und den Mond. Wenn ich in seinem Antlitz versinke und mein Verstand, bei den Gedanken an die Unendlichkeit an seine Grenzen stößt. Wenn das Wort endlos sich in meinen Gehirngängen verirrt und die Phantasie aus den Windungen kriecht. Was, wenn es wirklich so wäre, dass unser All mit dem Planetensystem in einer Kugel steckt, die um den Hals einer Katze hängt, wie im Film "Men in Black"? Was, wenn das alles eine Illusion, ein Traum ist, aus dem wir erst erwachen, wenn wir sterben?

Das Leben ist schon ein seltsamer Trip.  Schön ist es trotzdem, hier zu sein.

(Dieser Vollmond ist übrigens ein ganz besonderer Vollmond, weil er heller und größer scheint als sonst. Das liegt daran, dass der Abstand zur Erde momentan wirklich um einiges geringer ist als sonst. "Nur" schlappe 364.798 Kilometer statt 384.400 Kilometer. :-))




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