Mittwoch, 25. Juni 2014

Ein erstes Mal

Allen Berlinern und Brandenburgern muss ich es nicht erzählen - aber den anderen: Heute hat es bei uns den ganzen Tag geregnet. Eigentlich ist das grandios untertrieben, denn zeitweise hat es gegossen wie aus Kübeln. So auch heute morgen. Trotzdem habe ich meine Joggingklamotten übergestreift, habe mein Kind zur Schule gebracht, was mir eine 20 minütige Bedenkzeit verschafft hat, in der ich ganz gelassen hätte überlegen können, ob ich das mit dem Joggen wirklich ernst meine.


Ja, war die Antwort und so fuhren der Hund und ich in den Wald, um unsere Laufrunde zu absolvieren. Nach ungefähr zehn Metern war meine Jacke durchgeweicht. Ich gab mir große Mühe, die gigantischen Pfützen, die sich auf dem Waldweg gebildet hatten, zu umrunden. Irgendwann gab ich auf, so das sich meine Schuhe in ein nasses, quietschendes Etwas verwandelten, aus dem bei jedem Schritt Wasser spritzte.

Herrlich.

Wirklich, das meine ich ernst. Nach der Hälfte der Runde war ich bis auf die Unterwäsche durchgeweicht. Vom Rand der Basecap perlten die Regentropfen und bildeten manchmal einen Schleier vor meinem Gesicht. Das Wasser mäanderte sich in Strömen die kleinen Hänge hinunter, sammelte sich in knöchelhohen Pfützen, durch die ich mit jedem Meter immer fröhlicher rannte. Ab und an schüttelte sich mein Hund neben mir, was in etwa auf Höhe der Felgenreinigung in Autowaschanlagen geschah und mir so noch eine Extraportion Wasser bescherte.

Herrlich.

Und weißt Du warum? Weil es ein erstes Mal war. Die Glücks- und Zeitforscher wissen, dass für uns Erwachsene die Zeit so schnell vergeht und sich das Glück immer seltener einstellt, weil wir immer weniger "erste Male" in unserem Alltag erleben. Bei Kindern ist das anders. Sie entdecken jeden Tag etwas Neues, staunen darüber, beschäftigen sich damit und freuen sich. Wir dagegen sind abgeklärt, meinen alles zu kennen, alles zu wissen. Ja, hab ich schon erlebt. Ja, hab ich schon gesehen, gegessen, gespürt, gehört und so weiter.

Ich bin noch nie zuvor durch solch einen Regen gelaufen. Fast allein im Grunewald. Vorbei an einem kleinen See, der vor ein paar Tagen noch halbleer war und durch dessen Überlaufrinne heute das Wasser nur so schoss. Der Wald roch frisch und der Regen auf meiner Haut war weich. Ich hatte das Gefühl, dass alle meine Sinne wach waren, ich die Schönheit des Augenblickes in mich einsaugen konnte. Ich bin diese Strecke schon so oft gelaufen, kenne jeden Baum, jeden Hügel.
Aber heute war es ganz besonders. Eben ein erstes Mal.

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