Mittwoch, 19. Februar 2014

Windpocken are in the House, yeah... :(

Kinderkrankheiten sollen ja angeblich dafür sorgen, dass das Kind sich nach der Genesung deutlich weiterentwickelt. Dass es einen Entwicklungsschub durchmacht und gestärkt und gereift aus der Krankheit hervorgeht. Aber was ist mit den Müttern? Also die sollten sich gefälligst freuen, wenn das Kind die Windpocken durchgemacht hat.


"Freuen?" denke ich, während ich zuschaue, wie meine Streuselkuchen ähnlich aussehende Jüngste in den Fernseher starrt. Ich freue mich aber nicht. Eher habe ich den Anschein, dass die Reifung der eigenen Brut während einer Krankheit, dem Zustand der Mutter, die während der Krankheit das Haus und das Kind hütet, entgegengesetzt proportional verläuft. Je reifer und gesünder das Kind, desto desolater die Mutter.

Ich bin gern Mutter. Ehrlich. Na gut, sagen wir: ich bin überwiegend gern Mutter. Es gibt Ausnahmen. Tage wie die letzten, an denen ich mir meine Freiheit zurückwünsche. Tage an denen ich gern unabhängig und verantwortungslos wäre. Tage an denen ich kinderlose Frauen beneide, die morgens um 8:30 Uhr schön zurechtgemacht aus dem Haus gehen, ihren Job erledigen, anschließend irgendwo einen After-Work-Cocktail schlürfen und abends auf irgendeiner Vernissage über Kunst plaudern und nebenher mit dem appetitlich aussehenden Künstler flirten, statt die Launen eines Pocken geplagten Kindes auszuhalten.
Frei wie ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte fliegt und sich keine Sorgen um das Morgen oder die Anzahl der Pusteln und Ansteckungsgefahr machen muss. Natürlich weiß ich, dass auch diese Frauen nicht wirklich frei sind, ja vielleicht sogar davon träumen, mein Leben zu führen. Aber das interessiert mich in meinen Neidmomenten nicht.

Ich frage mich immer, ob es anderen Müttern auch so geht. Gefühlt bin ich die einzige. Andere blühen auf in ihrer Rolle, scheinen dem Kinde stets zugewandt. Lesen Erziehungsratgeber, tauschen sich mit anderen Müttern aus, fühlen sich hundertprozentig wohl in ihrer Haut, wenn sie bemuttern können. Backen, kochen, basteln und sind glückliche Vollzeitmütter, während ich staunend danebenstehe und tief in mir nach dem Wunsch suche, auch so zu sein. Fehlanzeige.

Besonders fällt mir mein inneres Dilemma auf, wenn die Kinder so richtig krank sind und sie - so wie jetzt - konsequent 24 Stunden um mich herumwuseln.
Wobei, die ersten Windpockentage, da war nichts mit Wuseln, da war das Kind so malad, dass es die meiste Zeit apathisch an mir klebte. Wir spielten, schauten Zeichentrickfilme mit rosa Elfen, spielten wieder, schauten Zeichentrickfilme mit gelben Monstern und spielten, während sich mein Äußeres mehr und mehr dem von Emma Thompson in "Eine zauberhafte Nanny" verwandelte. Mein PC blieb dunkel, meine Arbeit blieb liegen. Tag zwei: ebenso. Tag drei: Juchu, eine kleine Unterbrechung, 10 Minuten beim Kinderarzt, danach aber schnell wieder nach Hause. Uno, Pharao und die Mia Armbandmachmaschine warten schon.
Am Tag vier beschlich mich langsam ein schlechtes Gewissen, weil ich schon wieder den Fernseher anstellte, um wenigstens das Nötigste erledigen zu können. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich verblöde. Am fünften Tag dachte ich schon nicht einmal mehr darüber nach, weder über Fernsehkonsum noch über Verblödungstendenzen, weil mein Hirn sich offensichtlich in eine rosafarbene Masse verwandelt hatte, aus der jeden Moment ein Einhorn oder eine Sagaland-Märchenfigur springen könnte. Über meine Laune will ich gar nicht reden.

Dabei sollte ich mich doch freuen, schließlich reift das Kind und schließlich geht es ihm ja auch schon besser. Und ja tatsächlich, ich freue mich auch, aber überwiegend darüber, dass Land in Sicht ist und der Tag der Gesundschreibung näher rückt.

Warum habe ich mir überhaupt Kinder angeschafft? wäre eine berechtigte Frage. Na weil es ja nur an bestimmten Tagen so schlimm ist. Überweigend bin ich gern Mutter. Ehrlich. Aber manchmal ist das Gras am anderen Ufer eben doch grüner und nicht rot gesprenkelt.


Kommentare:

Papagena hat gesagt…

Ja, es gibt solche Tage.
Da soll man - wie im Märchen - mit reinem Herzen sein letztes Hemd geben... und WILL ABER NICHT!

Aaarhg!

Ich kenne das auch.
Ist normal, glaube ich.

Liebe Grüße und ganz viel Zeit für Dich, sobald das Kind wieder gesund ist!

Papagena

Jeannette Hagen hat gesagt…

Danke liebe Papagena! :-)