Montag, 20. Januar 2014

Sind wir nicht alle ein bisschen ADAC?

Das Thema Schummelei beim ADAC schlägt hohe Wellen. Alle zeigen mit dem Finger auf die "Gelben Engel", Journalisten echauffieren sich in Leitartikeln und irgendwer plant sicher schon einen Ausschuss, um den Schuldigen dieses "Skandals" zu finden.


Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Zum einen, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass es noch irgendwen auf dieser Welt gibt, der nicht glaubt, dass allerorts gemogelt und geschönt wird. Zum anderen, weil wir doch selbst nicht besser sind und irgendwie doch in uns allen ein kleiner ADAC steckt, oder?

Die Idee, dass wir mit unserer inneren Haltung, mit dem, was wir denken und tun, die äußere Wirklichkeit formen, ist nicht neu. Sie ist nicht einmal esoterisch, was ihr zwar gern nachgesagt wird, was aber nicht stimmt. Das kann jeder selbst leicht überprüfen, der mit schlechter Laune das Haus verlässt und garantiert den Tag anders erlebt, als der, der ihn mit guter Laune begonnen hat.

Was wäre denn, wenn das, was wir da aktuell erleben und im Außen sehen, wirklich nur ein Spiegel unser aller Denken und Handeln ist? Dann wäre NSA vielleicht ein Ausdruck dafür, wie sehr wir selbst bestrebt sind, Kontrolle über unser eigenes Leben und über das der anderen zu behalten.
Dann wäre der ADAC nur die Manifestierung der kleinen alltäglichen Schummeleien, mit denen wir uns gern schlauer, schöner, besser machen wollen. Diese Reihe ließe sich unendlich fortsetzen.

Was mich an dieser Theorie fasziniert, ist die Tatsache, dass man mit dieser Betrachtung die Hilf- und Machtlosigkeit der Opferperspektive verliert. Ich muss nicht mehr mit dem Finger auf andere zeigen, mir einen Schuldigen suchen. Den ADAC werde ich nicht ändern können. Auch auf die Politik von Barack Obama habe ich nur wenig Einfluss. Aber ich kann den Überwacher in mir selbst heilen, ich kann mit mir vereinbaren, weniger zu schummeln und zu schönen. Ich kann mir an die eigene Nase fassen und erkennen, dass ich selbst auch nicht besser bin. Wenn ich das zugebe, kann ich es ändern. Und ich kann darüber lächeln, statt mich zu empören. Einen Versuch ist das allemal wert.

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