Mittwoch, 15. Januar 2014

Putz, der bröckelt...

Oster- und Weihnachtsschmuck aus Salzburg
Das neue Jahr will sich nicht so recht in mein Leben fügen. Irgendwie bockt es. Nun könnte ich mich wahlweise verkriechen, meinen Hund anranzen, mich in die Hände von bewusstseinserweiternden Substanzen begeben oder mich beim Autofahren danebenbenehmen. Ich könnte all das allerdings auch lassen und stattdessen mal wieder einen Text schreiben, bei dem ich am Anfang nicht weiß, wohin er mich führt.


Im Grunde ähnelt er damit dem neuen Jahr, von dem ich auch noch nicht weiß, welche Überraschungen es für mich bereithält. Ein paar feste Daten gibt es schon - eine Hochzeit im Mai, ein Konzert im November, die Tatsache, dass das Finanzamt bald nach meiner Steuererklärung fragen wird und mir die GEZ eine Mahnung schickt, weil ich mich stoisch weigere, die Gebühren zu bezahlen.

Aber sonst?

Heute morgen, als ich meine Jüngste zur Schule brachte, fuhr zeitgleich der Weihnachtsbaumeinsammelwagen durch die Straßen. Mit lautem Getöse verschwanden die Bäume, die vor ein paar Tagen noch festlich geschmückt waren, routinemäßig wie jedes Jahr im gierigen Schlund der orangefarbenen Weihnachtsbaumfressmaschine. Damit ist 2013 endgültig vorbei. Bis auf die Steuererklärung.

Aber so gehen sie dahin die Jahre. Tannenbaum um Tannenbaum. Die Kugeln sind abgehängt, Aufreger werden zu Erinnerungen, Gesichter und Geschichten verblassen. Weißt du noch, wie du als Kind ausgerechnet hast, wie alt du sein wirst, wenn das Jahr 2000 kommt? Scheiße, das ist 14!!!!! Jahre her.

2050 bin ich übrigens 83.

Das, was mich von Jahr zu Jahr mehr und mehr bewegt und was vielleicht auch der Grund dafür ist, dass ich ein wenig bocke, ist die Tatsache, dass ich mich immer schwerer damit tue, mich in dieser Lebensmaschinerie, in dieses gehypte Hamsterrad einzufügen. Das klingt ziemlich dramatisch - ist es aber gar nicht. Ich glaube sogar, dass es vielen Menschen so geht, die die 45 überschritten haben. Dass sie sich irgendwann die Sinnfrage stellen, Alltägliches hinterfragen, Routinen argwöhnisch beleuchten. Ich will mein Leben nicht mehr vergeuden, das ist der Kernsatz, um den es sich dreht. Ich will nicht den Tannenbäumen hinterherschauen und jetzt schon überlegen, wie viele es vielleicht noch sind, bis ich, eingebettet in einen Sarg, im Schlund eines Krematoriums verschwinde. Erzählte mir doch neulich eine Schulfreundin, dass sie sich eine Wohnung kaufen will und natürlich darauf achtet, dass diese auch seniorengerecht ist. Schließlich müsse man daran ja schon denken.

Muss man?

Ja es ist vernünftig. Aber vernünftig will ich nicht sein. Ich will mich nicht anpassen, mich nicht unterwerfen. Darum bezahle ich auch keine GEZ. Und darum werde ich auch in diesem Jahr irgendetwas tun, womit ich mich selbst überrasche. Etwas, das aus meiner Rolle fällt. Letztes Jahr war es die Reise nach Russland, die mich nachhaltig bewegt und verändert hat. Vielleicht ist es in diesem Jahr nur etwas Kleines. Vielleicht ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum mitten im Juli. Es geht nicht um die Größe oder den materiellen Wert. Es geht darum, meine Seele tanzen zu lassen. Nur dafür sind wir hier. Der Rest ist wertloser Putz, der bröckelt.

Keine Kommentare: