Donnerstag, 19. Dezember 2013

Reisende soll man nicht aufhalten

So jedenfalls sagt es ein altes Sprichwort und meint damit, dass man den, der fest zu etwas entschlossen ist, keinesfalls davon abbringen sollte. Meist wird diese Redewendung mit dem Zusatz gebraucht: "Wirst schon sehen, was du davon hast!" weil viele Menschen unter uns stets meinen, es besser zu wissen, was dem anderen gut tut, als der jeweilige selbst.





Neulich füllte ich mit meiner jüngsten Tochter Freundebücher aus.
"Was ist deine Lieblingsfarbe?" fragte ich.
"Blau" antwortete sie brav und ich schrieb.
"Was isst du am liebsten?"
Langes Nachdenken.
"Grillsoße, du weißt doch, die die so würzig ist, die braune."
Grillsoße also. Na gut.
"Was willst du später einmal werden?"
Wieder langes Nachdenken.
"Ich weiß es nicht. Ist Reiterin anstrengend? Kann man nur ein bisschen Reiterin sein?"
Es fiel mir sehr schwer, mir das Lachen zu verkneifen.
"Ich weiß nicht, ob Reiterin anstrengend ist. Aber ich vermute, dass es keine Teilzeitreiterin gibt."
"Dann schreib bitte: Ich weiß es nicht. oder nein. Energisch griff sie zum Radiergummi und schob meine Hand mit dem Stift zur Seite, um das so eben geschriebene Ich weiß nicht wegzuradieren.
"Weißt du es jetzt doch?" fragte ich sie erstaunt?
"Nein, lass es frei."

Einen Tag später kam mein Kind freudestrahlend aus der Schule. Mit triumphierendem Blick legte sie mir das Freundebuch erneut hin und sagte:
"Ich werde Künstlerin. Ich habe heute schon ganz viele Bilder gemalt und die Preise raufgeschrieben. Hier der Tannenbaum - und sie zog das Bild aus der Mappe - der kostet 3 Euro. Die Berge hier - ein weiteres Bild wurde aus dem Schulranzen gezaubert - die kosten 4 Euro.

Natürlich habe ich ihr die Bilder abgekauft. Und nicht nur ich. Auch andere Familienmitglieder haben zugegriffen.
Das war für uns alle die Chance, dem Kind etwas zu vermitteln, das ich selbst und viele andere um mich herum, nie oder anders gelernt haben.
"Mit Kunst kann man kein Geld verdienen." so lautete der vernichtende Satz, den ich verinnerlicht hatte und der irgendwann meine Kreativität gekillt hat, denn eigentlich bedeutet er: "Es ist verschwendete Zeit, was du da machst."

Wie schön, dass meine Tochter jetzt etwas anderes gelernt hat:
"Mit Kunst kann man auch Geld verdienen und das, was du da gemalt hast, ist etwas wert!"
Wer weiß, wohin sie ihre Wege führen. Vielleicht wird sie Künstlerin, vielleicht auch nicht. Sollte sie so kreativ bleiben, wie sie ist, dann wird ihr jedenfalls der Glaubenssatz, das Malen brotlose Kunst ist, nicht den Weg versperren und er wird sie auf ihrer Lebensreise nicht aufhalten.



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