Freitag, 13. September 2013

Politische Äpfel und Birnen

Mir ist durchaus bewusst, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sollte, heute tue ich es trotzdem. Der Apfel, das ist die vom Berliner Bausenator Michael Müller (SPD) geforderte und für 2014 geplante Pflicht, alle Wohnungen und Gebäude mit Rauchmeldern auszustatten.
Die Birne
ist die Tatsache, das im Hort meiner Tochter 75 - man lasse sich diese Zahl auf der Zunge zergehen - also 75 Kinder von zwei Erziehern betreut werden, weil die Personalpolitik des Berliner Senats es nicht ermöglicht, Kollegen, die über Wochen krankheitsbedingt ausfallen, kurzfristig zu ersetzen.
Es geht im Grunde bei diesem Vergleich um nichts Geringeres als um Verhältnismäßigkeiten, um Lobbyismus und die Frage, was denn wirklich wichtig ist. Letzteres ist natürlich relativ, bedenkt man, dass es allein in Berlin im letzten Jahr 28 Brandtote gegeben hat, die vielleicht durch einen Rauchmelder hätten gerettet werden können. Zahlen und Fakten über Kinder, die in Schulhorten nur aufbewahrt, statt betreut werden, gibt es natürlich nicht. Auf meine Frage beim gestrigen Elternabend, ob denn eine Lösung für dieses Problem in Sicht ist, bekam ich ein Kopfschütteln als Antwort.
Mich würde mal interessieren, wie in diesem Fall die Rechtslage ist. Es geht doch um Sicherheit. Muss ich mir vorschreiben lassen, wie ich mich zu schützen habe, während gleichzeitig der Senat nicht in der Lage ist, angemessen für die Sicherheit meiner Kinder zu sorgen, obwohl das vertraglich vereinbart ist? Kann zwei Erziehern zugemutet werden, so viele Kinder zu betreuen? Laut offiziellem Betreuungsschlüssel hat in dieser Altersgruppe ein Erzieher maximal 22 Kinder zu beaufsichtigen. Also wie sieht es da mit der Haftung aus? Wenn ich mit meinem Kind auf dem Spielplatz bin und es sich mit der Kordel an der Rutsche stranguliert, werde ich wegen Verletzung meiner Aufsichtspflicht angezeigt. Aber wie ist das, wenn einer allein auf über 40 Kinder aufpassen soll? Ist da Sicherheit noch gewährleistet? Klares Nein.
Wie immer bei bildungspolitischen und personalpolitischen Fragen ruht sich der Berliner Senat auf dem Rücken seiner Angestellten und auf dem Rücken der Kinder aus. Ich hätte den Vorschlag zu machen, dass sich all jene, die einen Personalschlüssel festlegen, mal mit 75 Kindern in einen Raum begeben, die einen Schultag hinter sich haben, hungrig sind, sich bewegen wollen, Trost suchen, bei den Hausaufgaben unterstützt werden wollen oder einfach nur mal einen Ansprechpartner brauchen, weil irgendetwas nicht läuft.
Aber, statt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie man das ins Lot bringen kann, fasst der Berliner Senat lieber andere Beschlüsse, die in ihrer Sinnhaftigkeit wirklich zu hinterfragen sind, versenkt Milliarden in Flughäfen, pimpert Lieblingsprojekte wie das Stadtschloss und unterstützt den einen oder anderen Industriezweig durch fragwürdiges Gemauschel. Und wenn ein Kind sich in einer Einrichtung verletzt, kommt ein großer Aufschrei und die Erzieherinnen werden vor den Kadi gezerrt. Aber Hauptsache ich habe einen Rauchmelder in meiner Wohnung.

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