Sonntag, 8. September 2013

Onedaytravel

Unterwegs zu sein gehört für mich zum Leben dazu, wie die Wellen zum Meer gehören. Ich bin gern spontan auf Achse, schaue mir Orte an, die ich noch nicht kenne oder fahre zum hundertsten Mal an eine Stelle, wo ich fast schon jeden Stein kenne und doch immer wieder etwas Neues entdecke.

Warnemünde ist solch ein Ort.
Besuche dort ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich spielte als Mädchen am Strand, schlug mir als Jugendliche die Nächte um die Ohren, habe als junge Mutter den Kinderwagen über die Promenade geschoben und Luftballons, die mit Helium gefüllt waren, gekauft. Ich habe als Geliebte bis morgens um fünf im Strandkorb gesessen, als Frau am selben Ort nach dem Sinn des Daseins gefragt, als Freundin mit einem Cocktail in der Hand und Sand zwischen den Zehen über andere gelästert. Ich bin als Urlauberin mit sonnenverbrannter Haut zur blauen Stunde am alten Strom entlanggeschlendert und werde wahrscheinlich all das in zwanzig Jahren immer mal wieder tun.

Das Gute an Warnemünde ist unter anderem, dass man als Berliner schnell dort ist. Und so habe ich gestern den schönen Sommerausklangstag genutzt, um mir als Onedaytraveler einmal mehr den Ostseewind um die Nase wehen zu lassen.

Mittlerweile gehört der Strand von Warnemünde nicht mehr zu meinen bevorzugten Orten. Ich mag es lieber etwas weniger touristisch und gern auch etwas rauer. Das findet man schnell, wenn man sich ein wenig weiter westlich an den Strand von Nienhagen aufmacht, auch dort den Strandkorbteil hinter sich lässt und ein Stückchen weiter Richtung Hundestrand wandert. Direkt unter dem "Gespensterwald" und der kleinen Steilküste von Nienhagen hat man den Strand an einem Tag wie gestern immer noch fast für sich allein. Es ist zwar ein wenig steinig und der Eismann kommt auch nicht vorbei, aber dafür ist man umgeben von einer wundervollen Natur.
Wenn man dann genug Sonne getankt hat und der Magen sich so langsam meldet, dann kann man - so wie wir es gestern gemacht haben - ein paar Kilometer weiter im Seglerhafen von Kühlungsborn gut essen, schlendern und mit einem kühlen Getränk dem leisen Klackern der Karabinerhaken zuhören und zuschauen, wie die Segelboote ein und ausfahren.

Am frühen Abend ging es dann zurück nach Warnemünde, was an einem Samstag wie diesem natürlich gut besucht war. Urlauber, Tagesausflügler, Familien, Kreuzschiffreisende, Biertrinker, Backfischesser, Junggesellenabschiede, Drachenfestteilnehmer, Einwohner. Eine bunte Mischung.
Was mir an Warnemünde besonders gefällt, ist, dass neben all dem, was nach der Wiedervereinigung teils seltsam gewachsen ist, sich nach wie vor immer noch vieles entdecken lässt, das den Geist einer anderen Zeit atmet. Das Foto mit dem Fenster ist solch ein Beispiel. Es gibt nach wie vor Ecken, an denen ist die Zeit stehen geblieben und da wird sie auch in zwanzig Jahren noch stehen. So wie der alte Strom auch noch Richtung Ostsee ziehen wird, wenn der rote Faden meines Lebens längst vergessen ist.




Keine Kommentare: