Montag, 10. Juni 2013

Pay Pal, das Fragezeichen, die Freiheit und der Sinn

Neulich bekam ich eine E-Mail von Pay Pal. Ich habe sie ungelesen in den Papierkorb verschoben, weil ich zu den Menschen gehöre, die eigentlich gar nicht per Mail über Firmen-Neuigkeiten informiert werden wollen, allerdings grundsätzlich vergesse, das Häkchen bei "Ich will über Neuigkeiten informiert werden!" zu entfernen. Soweit. Gestern nun las ich, dass besagte E-Mail eine Gewinnbenachrichtigung über die stattliche Summe von 500,00 Euro war, die Pay Pal angeblich  meinem Kundenkonto gutgeschrieben hat.


Das war es zumindest wert, die Mail noch mal aus dem Papierkorb zu kramen und zu lesen. Und wirklich. Liebe Jeannette Hagen und so weiter und so weiter. Natürlich wusste ich schon aus der Presse, dass all das ein Versehen war. Dass ein technischer Deffekt dafür gesorgt hat, dass diese Gewinnbenachrichtigung wahrscheinlich an alle Pay Pal Nutzer geschickt worden war. Wie viele es am Ende waren, darüber schweigt sich das Unternehmen aus.
Zu recht, denn was jetzt kommt, das finde ich wirklich hammerhart.
Aber machen wir zunächst eine kleine Schleife, denn irgendwo habe ich heute auch wieder gelesen, dass kaum etwas auf dieser Welt noch ohne Rechtsanwalt funktioniert. Wir sind ein Volk der Rechtsanwaltshörigen geworden, was im Kern bedeutet, dass wir uns selbst wohl nicht mehr zutrauen, unsere eigenen Interessen durchzusetzen. Das ist zunächst nicht verwerflich und schon gar nicht verwunderlich. Das hat einfach Gründe, denn wie sagt der alte Spruch: "Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand." Also kippen wir lieber viel Geld in gern nehmende Rechtsanwaltshände und hoffen, dass der das Steuer bedienen kann, statt selbst herumzudümpeln.
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass sich unter der geschützten Berufsbezeichnung Rechtsanwalt eine eigene Spezies entwickelt hat. Eine Rechtsgattung, deren Mitglieder ihr Geld damit verdienen, Menschen, die einen Fehler begehen, sofort schmerzhaft teuer ans Bein zu pinkeln.
Und damit zurück zu Pay Pal und der Ungeheuerlichkeit, dass sich jetzt ein oder sogar mehrere Anwälte gefunden haben, die Pay Pal im Auftrag von "Geschädigten" verklagen wollen. Warum? Weil sie ein Gewinnversprechen gegeben haben, das sie nicht einhalten wollen, weil es überhaupt nicht so vorgesehen war.
Nun könnte man sagen: Pech für die Kuh Elsa, was seid ihr so dumm und habt euer System nicht im Griff! Man könnte aber auch mit dem Kopf schütteln und sagen: Leute, wohin rudern wir da gerade?
Ein Unternehmen hat einen Fehler gemacht. Das war blöd, aber Fehler passieren. Dir, mir, Pay Pal und offensichtlich auch dem lieben Gott, denn ich glaube nicht, dass die Entwicklungrichtung, die wir gerade ansteuern, in seinem Sinne ist.
Pay Pal hat sich für den Fehler entschuldigt. Warum um alles in der Welt und mit welchem Recht kommen nun die Haie, Anwälte und User aus ihren Löchern gekrochen und bestehen darauf, dass ihnen diese Summe ausgezahlt wird? Wie gierig, kleinkarriert und arschig muss man drauf sein, um das durchzuziehen? Fragezeichen. Mehr als eins, das kannst Du mir glauben.
Aber - irgendwie hat ja alles was da ist, auch einen Ursprung. Gierige Anwälte gibt es nur, weil es Menschen gibt, die diese Anwälte bezahlen. Und weil ein System existiert, das mittlerweile rein rechtlich und steuerlich betrachtet so kompliziert ist, dass man überhaupt keine Chance mehr hat, sich als Einzelperson da auszukennen und zurechtzufinden.
Wir sind abhängig. Darüber sollten wir uns Gedanken machen. Es wird in vielerlei Zusammenhängen so viel von persönlicher Freiheit gesprochen. Aber wir sind längst nicht mehr frei. Das ist nur noch eine Illusion. Wir merken es vielleicht noch nicht, weil wir glauben, immer mehr Möglichkeiten zu haben, Wahlfreiheit zu besitzen. Aber wenn wir genau hinschauen, dann ist das ein Trugschluss. Und das wissen wir.
Und so komme ich von einer E-mail von Pay Pal dazu, zu verstehen, dass ich nicht mehr die Wahl habe, mein Leben wirklich als freier Mensch zu führen. Alles ist geregelt und mir bleibt maximal die Möglichkeit, mich in einem vorgegebenen Rahmen zu bewegen. Seltsam, oder?

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