Dienstag, 14. Mai 2013

Mallorca und der Wandel der Welt

Ankommen auf dem Flughafen.
Menschen drängen zum Ausgang, es ist noch kühl, der Morgentau liegt auf den Blättern. Eine Büchse Bier rollt über den spiegelglatten Boden der Abfertigungshalle, Stimmen vermengen sich mit den Geräuschen des Flughafenalltags. Sprachen, Dialekte, Grölen - ein Kauderwelch der Aufregung, weniger der Gelassenheit.


Mein letzter Aufenthalt hier liegt gut zehn Jahre zurück. Ein Cluburlaub mit sattem Buffet, satten Menschen, sattem Gefühl. Unangenehm.
Ich steige in den Leihwagen, es riecht nach Plastik. Sanft rollt er über die Geschwindigkeitsbarrikade, die Schranke öffnet sich, die Sonne und Palma de Mallorca strahlen mich an. Wir fahren ein wenig herum, parken, trinken einen Kaffee, spazieren durch die Stadt. Nach einer Stunde habe ich genug. Ich könnte weinen. Es sind nicht meine Tränen, sondern die der Insel.
Dieses Gefühl setzt sich fort. Auf den Landstraßen, in anderen Orten, in Buchten, an Stränden. Wo ist diese Insel? Ich schaue, sehe viel, aber alles scheint so leer. Mallorca sucht seine Identität. Ich spüre den Umbruch, die Traurigkeit über das Verlorene, den Verkauf der Seele an den Tourismus. Diese Insel wirkt wie eine gestopfte Gans, die es nicht bis zur Perfektion geschafft hat, die irgendwo auf halber Strecke aussortiert und dem Sterben überlassen wurde, während der gierige Tross weiterzog. Gott sei Dank.
Irgendwer wird sie finden, wird sich erinnern an die Schönheit. Die Grazie. Den Anmut. Sie wird sich erholen, ihr Gefieder putzen und wieder stolz ihre Flügel ausbreiten.
An manchen Orten ist es wahrnehmbar. Dort gibt es ein Aufbäumen. An solchen Orten möchte ich mich in Demut verneigen. Vor der Größe und der Intellegenz des Lebens. Mag der Mensch noch so viel wollen. Alles hat seine Grenzen.
Unsere Welt wird sich weiter verändern. Es wird Chaos geben, Zerstörung, Verfall und Leid. Mallorca erzählt davon. Selten gab es einen Ort, an dem ich es so deutlich gefühlt habe, wie dort.

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