Dienstag, 28. Mai 2013

Ein Buch, eine heimliche Liebe und das Glück

Früher als sonst soll der Wecker klingeln. Ich stelle ihn auf 5:57 Uhr. Eine ungerade Zahl. Das muss sein. Bevor er mich aus dem Schlaf holt, bin ich allerdings schon wach. Die Vögel singen vor meinem Fenster, während sich das Licht durch die dunklen Vorhänge quetscht. Leise schleiche ich mich aus dem Zimmer, bin hellwach und freue mich auf den Tag.

Später auf der Autobahn singt Udo Lindenberg für mich. Zufall, das ich ihn für eine Fahrt nach Hamburg ausgesucht habe? Ich muss lächeln, singe laut mit und lasse die Landschaft, die gelben Rapsfelder, die Windräder und vereinzelte Kraniche an mir vorbeifliegen. Zwischendurch schaue ich auf mein Handy, versuche die Wegbeschreibung zu entziffern. "Nach dem ersten Zone-Dreißig-Schild rechts, dann gabelt sich der Weg. Vor dem Haus steht eine weiße Bank"
Da bin ich. Rund Dreihundert Kilometer von Berlin entfernt stehe ich auf dem Gelände vom Gut Jersbek bei Hamburg. Hier wohnt Maya Meiners, eine Fotografin, die ich für ein Buch an dem ich gerade schreibe, interviewen möchte. Ich stelle den Motor ab und bin von dem, was mich umgibt, sofort verzaubert. Die Sonne strahlt, ein Hund läuft auf mich zu, ich bin umgeben von der Natur, liebevoll hergerichteten Gärten und Gemäuern. Hier lässt es sich leben.
Der Hund rollt sich auf der Bank ein, ich zeichne alles Gesprochene auf, dann spazieren wir durch den Barock Garten. Und nachdem bislang die Worte vorherrschend waren, bin ich hier plötzlich sprachlos. Ich stehe unter Bäumen, die über Dreihundert Jahre alt sind und eine Allee bilden, wie ich sie so noch nie gesehen habe. Ich ärgere mich, dass mein Fotoaparat noch im Auto liegt, freue mich allerdings schon im nächsten Moment darüber, weil ich nun einen Grund habe, wieder an diesen Ort zurückzukehren. Selten habe ich eine Parkanlage gesehen, die mich so fasziniert hat. Die so mystisch und energiegeladen ist, dass mir immer wieder ein Schauer über den Rücken läuft, während wir unseren Weg fortsetzen.
Ich bin erfüllt, habe mein Interview, steige ins Auto und lasse mich von meinem Navigationsgerät in die Innenstadt von Hamburg leiten. Es geht weiter zu Elbkick.tv. Wieder ein Interview. Wieder ein junger Gründer, der wie Maya Meiners den Mut hatte, seinem Herzen zu folgen. Stolz zeigt er mir, dass ein Video von seinem Portal heute auf der Startseite von BILD ist. Wieder bin ich fasziniert. Von der Power, der Begeisterung mit der Axel Möring seinen Traum lebt. Ich freue mich darauf, das Buch zu schreiben. Aber das kommt erst später. Jetzt bin ich hier und die Stimmung ist ausgelassen. Ringsherum ist keine Natur, sondern ein Medienzentrum. Typisch für Hamburg. Hier ist man kreativ.  Meine Diktier-App zeichnet brav auf, der Praktikant kommt in den Raum, das Telefon klingelt, ich ahne, dass das Wort Feierabend hier eine andere Bedeutung hat.
Als ich wieder in meinem Auto sitze, merke ich zum ersten Mal, dass mein Magen knurrt. Es ist mittlerweile 16:00 Uhr und eigentlich könnte ich mich wieder auf den Weg nach Hause begeben. Eigentlich, denn ich bin in Hamburg, eine Stadt, die man nicht gern verlässt. Eine Stadt, die ich nicht gern verlasse. Also fahre ich an die Elbe, spaziere am Elbstrand entlang und lasse den Tag und das Wasser an mir vorüberziehen. Ich bin glücklich. Darüber, hier zu sein. Darüber, einen Job zu haben, der mich mit spannenden Menschen zusammenbringt. Darüber, zu leben und zuzusehen, wie ein Containerschiff in die Hafenmündung einfährt. Ich liebe Hamburg. Vielleicht weil hier derselbe Fluss fließt, an dessen Ufer ich in meiner früheren Kindheit gespielt habe. Allerdings näher an der Quelle, als an der Mündung.
Auf dem Heimweg weint der Himmel. Purple Schulz singt davon, dass seine Tränen kleine Seen sind und ich darf durch einen wunderschönen Regenbogen fahren. Ich lehne mich zurück und denke: So schreibt man Glück.
Danke an Maya Meiners und Axel Möring von Elbkick TV
(Das Buch wird im Herbst erscheinen. Näheres dazu später.)

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