Sonntag, 10. März 2013

Willkommen im Geissenland

So ein gelassener Sonntagmorgen bietet ja viel Spielraum für Gedankenschleifen. Wenn ich also heute mal den Blick von den 15 cm Neuschnee, die ja für den 10. März und vor allem für Berlin nicht alltäglich sind, ab- und ihn den gesellschaftlichen Ereignissen zuwende, dann komme ich nicht daran vorbei, mich mächtig zu wundern.
Ich finde das, was gerade politisch und gesellschaftlich abgeht, nämlich ziemlich absurd.
Über die Sache mit Mehdorn habe ich mich ja schon ausgelassen. Auffallend war noch, wie diverse Zeitungen und Portale sich bemüht haben, der Entscheidung einen Sinn einzuhauchen, uns zu verkaufen, dass Mehdorn ja eigentlich nicht der Schlechteste für diesen Posten ist. Dabei gibt es doch nur einen einzigen Grund, warum er berufen wurde: Ist der Ruf erst ruiniert - Du weißt ja - dann lebt es sich ganz ungeniert.
Aber Hallo? Sind wir nun schon soweit, dass uns nichts anderes mehr einfällt, als einen Buhmann als Problemlöser einzusetzen, weil man den im Notfall schmerzfrei abschießen kann? Ja, wir sind soweit.
Dieses Privileg mit dem verdorbenen Ruf genießt nämllich nicht nur Mehdorn. Obwohl er schon - und das wird ihm schmeicheln - einen Spitzenplatz in dieser Gruppe einnimmt. Dahinter reihen sich Lothar Matthäus, Carmen Geiss, Wowereit, Kachelmann, Heidi Klum, Dieter Bohlen und viele, viele andere ein. Ich mach mir nicht die Mühe hier alle aufzuzählen. Das erledigt die Presse tagtäglich in dem sie diese Menschen zu Ikonen macht und ihnen eine Plattform gibt.
Und nun die Gedankenschleife. Wollen wir das alle? Machen wir nur mit? Sind all diese gehypten Pappfiguren ein Spiegel dafür, wohin die Reise momentan geht? Ehrlich - ich stehe immer ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange, oder die Kuh vorm neuen Tor da, staune und frage mich, wo all die Stimmen der normalen Menschen sind, die es ja zweifelsfrei gibt und die mit Herz, Geist und Verstand gesegnet sind. Warum schweigen sie - also wir - und machen dieses Kaspertheater mit?
Wenn Herr Rößler sagt, dass die FDP sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit stellen will, frage ich mich, was die vorher gemacht haben. Gespielt? Oder wenn die Meldung, dass das Handtuch der Carmen Geiss fettiger ist," als manch anderem seine Suppe" durch die Medien geht. Was bedeutet das? Oder wenn die Aussage einer  Janine Kunze (Wer ist das bitte?), dass ihre Mutter eine Hure war, zu den am häufigsten angeklickten Artikeln auf einem Online Portal gehört, dann ist es doch schon ziemlich schlimm. Oder?
Demnächst wird Carmen Geiss vermutlich in die Politik gehen und Kristina Schröder beerben, was so gesehen kein großer Verlust wäre, zumindest würde der Unterhaltungswert stimmen. Til Schweiger ist ja schon Tatort Kommissar, kann also in der Aufzählung vernachlässigt werden. Dafür wird Lothar Matthäus sicher irgendwann Trainer der Nationalelf und Kachelmann besetzt nach Ilse Aigner den Chefposten des Ernährungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherministeriums.  Ahnung muss man ja heutzutage nicht mehr haben, Hauptsache man hat ein dickes Fell und der Sinn für Eigenwahrnehmung und Selbstwirksamkeit ist ausreichend gestört. Dann lachen alle im Internet ein wenig darüber und machen weiter ihr Ding. Ein Zustand, den die Werbeabteilung von Ikea vor einigen Jahren mal sehr schön eingefangen hat. VIDEO
Im Grunde erinnert mich das alles an die letzten Jahre der DDR - inklusive der Schlaglöcher, die es ja nun auch im Westen gibt. Die meisten wussten, was das alles für ein Lug- und Trugsystem war, aber die meisten haben es auch irgendwie mitgemacht, denn so schlimm war es ja dann doch nicht. Was einst Bananenrepublik ist heute Geissenland. Aber damit sind die Aussichten wenigstens gut, denn auch in der Bananrepublik standen irgendwann die ersten auf und dann die nächsten und so weiter.
Und darum werde ich das mit den kreisenden Gedanken für heute mal lieber beenden, mich umdrehen und dann hoffnungsvoll auf den Schnee da draußen schauen. Vielleicht reicht es ja, all das friedlich und gelassen zu beobachten, denn obwohl es jetzt noch schneit, kommt der Frühling ganz gewiss.

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