Freitag, 8. März 2013

Flughafen wird Bahnhof wird Spielplatz

Ich bin ja selten sprachlos, aber heute morgen war ich es für mindestens drei Sekunden. Und zwar genau in dem Moment, als die Startseite von Spiegel-Online per Eilmeldung verkündete, dass Hartmut Mehdorn neuer Chef des BER wird.
Meine Sprachlosigkeit ging anschließend in einen Lachanfall über, der in ein Kopfschütteln mündete, was wiederum zu wirklich tiefer Betroffenheit mutierte, sich als Bestürztheit ausbreitete um sich schlussendlich in der Frage zu sammeln, ob die noch alle Latten am Zaun haben.

Wir fassen mal zusammen: Hartmut Mehdorn einst der kleine Napoleon der Deutschen Bahn, der mit seinen Börsen-Fantasien mal eben dafür gesorgt hat, dass bis heute vieles auf der Strecke bleibt, um es mal bildhaft zu formulieren. In Punkto Nachhaltigkeit also unser Mann.
Mehdorn, der streitlustig von einem Skandal zum nächsten stolziert ist und hinter sich mehr als einmal verbrannte Erde zurückgelassen hat. Ich würde ihn heute gern auf einen Berliner S-Bahnhof stellen und ihn den wartenden und frierenden Fahrgästen zum Fraß vorwerfen. Wenn er das meistert, dann sollte das mit dem Flughafen kein Problem sein.
Was sich allerdings an der Tatsache, dass man HB-Männchen Mehdorn an die Spitze geholt hat, ablesen lässt, ist, dass es ziemlich schlimm um den Flughafen bestellt sein muss. Vermutlich ist die Taktik, mit Bulldozer-Mentalität die noch verbliebenden Firmen und Bauarbeiter nicht nur in den Ruin, sondern auch in den Wahnsinn zu treiben. Vielleicht hat der Aufsichtsrat ja schon stillschweigend die Pläne geändert und sie bauen den Flughafen jetzt zu einem Großbahnhof um - wenigsten da kennt Mehdorn sich ja aus, wie man an Stuttgart 21 sehen kann. Vielleicht nehmen wir ja auch an einem internationalen Wettbewerb unter der Rubrik "Darüber lacht die Welt" teil, dann liegen wir mit Mehdorn natürlich ganz weit vorn.
Aber was rege ich mich auf. Im Grunde reiht sich diese Entscheidung doch hervorragend in die Bundesdeutsche Historie ein. Darin, Narzissten an die Spitze zu setzen, sind wir Weltklasse. Vielleicht sollten sie Berlusconi fragen, ob er nach Absitzen seiner einjährigen Haftstrafe noch zu haben ist, ich nehme mal an, bis dahin ist der nächste Stein auf der Baustelle gerückt und die Stelle wieder vakant. Dann hat sich  Herr Mehdorn bereits mit einer satten Abfindung zur Ruhe gesetzt oder denkt darüber nach, mit 85 den nächsten Papst zu beerben, weil die Kirche in der Krise steckt. Nach dem heutigen Tag ist wohl alles denkbar. Parallel dazu wird man 2027 übrigens feststellen, dass der Flughafen eine Einflugsschneise für Kraniche und mittlerweile aufgrund der ruhenden Bauarbeiten Brutstätte für seltene Piepschnäpper ist, was bedeutet, dass man ihn nun aus vogelschutztechnischen Gründen überhaupt nicht mehr bauen darf. Also machen wir doch besser gleich einen Spielplatz draus oder belassen ihn als das was er ist: ein Irrenhaus.

Kommentare:

Ina hat gesagt…



Hilfe.....und das mit den seltenen Piepmatzen ist ja wohl der Hammer. Die Bredouille wird immer größer.
Liebe Grüße
Ina

Bernd hat gesagt…

Liebe Jeannette,

ich hatte vergleichbare Gedanken und Gefühle, als ich von Mehdorns Installation beim BER gelesen hatte. Auch ich habe den Namen Mehdorn sofort mit dem seit über vier Jahren herrschenden S-Bahn-Chaos in Verbindung gebracht. Mit der Entscheidung, Mehdorn zu verpflichten, hat aber der BER-Aufsichtsrat ein weiteres Kapitel seiner Inkompetenzgeschichte hinzugefügt. Es passt also alles zusammen.

Zum Thema S-Bahn-Chaos habe ich übrigens eine Chronik erstellt, auf diese verweist der von mir eingetragene Link.