Mittwoch, 27. Februar 2013

Neulich in Oberbayern

Heute werde ich mal wieder meinem Blog-Namen gerecht und nehme Dich mit auf einen Spaziergang. Wohin? Nach Oberbayern. Die Wanderschuhe musst Du nicht einpacken. Aber trinkfest solltest Du sein und einen Sinn für das ganz Besondere haben.


"Mit Genuss das Leben bei Laune halten" steht auf einer Postkarte, die hier in Berlin auf meinem Schreibtisch liegt. Sie stammt aus Oberbayern, genauer gesagt aus Surberg, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Traunstein. Dort gibt es auf einer Anhöhe direkt auf dem Kirchplatz nicht nur die schlichte und trotzdem wunderschöne Kirche selbst mit einer kleinen Kapelle, sondern auch das Haus der Familie van de Wiel.
Die van de Wiels - das sind Martina, ihr Mann und die Kinder Luka, Matteo, Livia und Madeleine. Eine sechsköpfige Familie, die beruflich bedingt viel gereist sind und nun mit ihrem holländischen Namen im tiefsten Oberbayern leben und das celebrieren, was ich mit "Carpe diem" umschreiben würde.
Allein das Haus der van de Wiels ist ein Prachtstück, das mit viel Liebe restauriert und hergerichtet wurde. Tritt man ein, (geöffnet immer samstags von 14:00 bis 16:00 Uhr) wird man von der Hausherrin persönlich herzlich empfangen und begrüßt.
Und wenn man die kleinen, liebevoll handgefertigten  Souvenirs, die es im Grünen Salon zu kaufen gibt, rechts liegen lässt, geht es direkt in den Weinkeller respektive die Weinhandlung der van de Wiels.
Was man nämlich auf den ersten Blick nicht sieht und erwartet - Martina ist Weinakademikerin und so hat sie aus einer Leidenschaft einen Beruf gemacht und kann zu jedem Wein, der in dem alten Gewölbe steht, eine Geschichte erzählen. Wunderbar! Ich war jetzt schon zweimal dort und hatte so viel Freude, weil man nicht nur guten Wein probiert und kauft, sondern das Flair, die Geschichten und die Atmosphäre auch mit nach Hause nimmt. All das kehrt zurück, wie der Geist bei Aladin, wenn man die Flasche öffnet.
Besonders ist übrigens auch, dass man bei den van de Wiels nicht nur guten Wein bekommt, sondern auch eine Sammlung von außergewöhnlichen Weinetiketten bewundern kann. Hast Du schon mal eine Weinflasche mit einem Totenkopf oder einem Kung Fu Mädchen gesehen?
Mein absoluter Liebling ist allerdings der Grüne Veltliner der Frau Mayer. Da schlägt mein Geschichtenherz höher, denn das Etikett der Flasche ist die Original-Tapete der Frau Mayer, die einst einen Weinberg besaß, den sie mit Liebe und Sorgfalt pflegte, bis es ihr nicht mehr möglich war. Erwin Poller pachtete den Weinberg, brachte die Ernte ein und kelterte den Wein, mit derselben Hingabe - das hatte er versprochen. Leider erlebte Frau Mayer das nicht mehr. Sie verstarb im selben Jahr. Und so gibt es bis heute jede Saison ein paar Flaschen von "Frau Mayer's" auserlesenem Wein, mit denen Erwin Poller an die alte Dame erinnert.
Lust auf mehr? Dann besuche doch die van de Wiels mal, wenn Du in der Gegend bist. Es lohnt sich wirklich!

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