Mittwoch, 9. Januar 2013

Facebook sei Dank

Neuerdings fragt mich facebook immer, wie es mir geht. Ob alles klar ist, was so läuft, was ich gerade mache und in welchem Stimmungszustand ich mich befinde. Für alle Facebook-Verweigerer, die jetzt nur Bahnhof verstehen: Facebook hat eine Statuszeile. Das ist die, in die man als User seine Neuigkeiten einträgt. Und eben in dieser Zeile steht nun immer eine Frage, die sofort verschwindet, wenn man etwas einträgt.

Ich finde ja, dass facebook mit dieser Neuerung, mich ständig nach meinem Befinden, nach meiner Seelenlage, meinem Gefühlsleben und meinem allgemeinen Status zu fragen, sehr fortschrittlich im Sinne der Menschlichkeit ist. Ich meine, ist es nicht ein großes Dilemma unserer Zeit, dass wir rast- und ruhelos durch unser Leben eilen und uns wenig Zeit lassen, mal zu hinterfragen, was wir da eigentlich tun und wie es uns wirklich damit geht?
Und nun kommt Marc Zuckerberg und fragt.
Wow.
Ich meine, die Mayas haben den Anbruch einer neuen Zeit vorhergesagt. Eine Zeit, in der die Menschlichkeit und das Miteinander wieder mehr ins Zentrum rücken. Und siehe da - kaum ist der 21.12.2012 vorbei, gibt es die ersten Anzeichen dafür. Dass die nun ausgerechnet von einem Aktienunternehmen kommen, haben die Mayas sicher nicht geahnt.
Wie geht es dir heute? fragt mich facebook ganz interessiert und prompt denke ich darüber nach.
Danke! Eigentlich ganz gut. Ich habe ein Buch zu Ende gelesen, das "Bleib auf deinem Weg" heißt. Es hat mir dabei geholfen, ein paar Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in einem anderen Licht zu betrachten und es hat mich dazu inspiriert, selbst ein neues Buchprojekt zu beginnen.
Was machst Du gerade? fragt facebook beim zweiten Login des Tages.
Die Frage ist blöd, denke ich. Denn was soll ich in diesem Moment anderes tun, als auf den Bildschirm meines Laptops zu schauen?
Alles klar Jeannette? fragt facebook dann am Abend.
Ja. Danke der Nachfrage. Und nun ist es auch gut, liebes facebook, denn ständig über den eigenen Zustand nachzudenken, ist dann doch ziemlich anstrengend, lenkt ab und macht am Ende auch wieder einsam.
Insofern überdenke ich das mit dem Fortschritt durch facebook noch mal und wende mich lieber dem richtigen Leben zu. Das passiert nämlich, wenn ich meinen Blick hebe, einen schlafenden Hund, ein lesendes Kind, einen kochenden Mann und ein weiteres Kind, das gerade lernt, sehe. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, wie es ihnen geht.

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