Freitag, 21. Dezember 2012

Geburtstagswünsche statt Apokalypse

Dieser Post ist eine Glückwunschkarte.
Sie geht zum einen an diese Welt, die sich ja heute offziell verabschiedet, um hoffentlich in der nächsten Sekunde in neuem Bewusstsein wieder zu erstrahlen, zum anderen geht sie an Reinhard Mey. Der wird nämlich heute 70 Jahre alt und sieht so gar nicht nach Untergang, sondern nach wie vor wie das blühende Leben aus.

Für die Jüngeren unter Euch, die ihn vielleicht gar nicht kennen, sei gesagt: Reinhard Mey ist ein deutscher Liedermacher, wobei das Wort Liedermacher schlecht gewählt ist, denn Reinhard Mey ist viel mehr als das. Jedenfalls für mich und auch für einige andere Menschen, die ich kenne.
Er ist ein Begleiter. Einer, den man aus der Tasche ziehen kann, wenn es einem gut oder schlecht geht. Einer, der immer da ist, wenn man ihn braucht. Einer, der das Leben versteht und doch wie wir alle immer noch nach Antworten sucht. Einer, der humorig und klar die Dinge beim Namen nennt und sich gern auch mal Ärger einhandelt, weil er gegen den Strom schwimmt.

Man muss seine Musik nicht mögen, aber die Botschaften seiner Texte sind es wert, gehört zu werden.
Sie sind das pure Leben. Nicht das Große, sondern eher die kleine Existenz jedes Einzelnen, die er meisterhaft durch seine Worte beschreibt. Ob im Baumarkt, am Flughafen, bei der Geburt eines Kindes oder in seiner Heimatstadt Berlin - Mey liebt und lebt und das stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Reinhard Mey begleitet mich seit meiner Kindheit. Wie es dazu kam, weiß ich nicht mehr, jedenfalls hatten wir zwischen lauter AMIGA-Platten eine Doppel-Live-LP von ihm, die regelmäßig aufgelegt wurde. Ich amüsierte mich prächtig über die "Diplomatenjagd" und "Frau Emma Pohl", lachte über "Ankomme Freitag den 13." und über die seltsamen Liebesirrungen eines Elektronikers. Bei "Manchmal da fallen mir Bilder ein" musste ich immer weinen, weil allein der Text meine Vorstellungskraft so mobilisierte, dass die beschriebenen Bilder präsent waren, wie die Wirklichkeit.

Ich bin mit Reinhard Mey erwachsen geworden, war auf vielen seiner Konzerte, habe einige, längst nicht alle CD's. Ich wünsche ihm heute von ganzem Herzen alles Gute und bedanke mich auf diesem Weg dafür, dass er all die Jahre sich, seiner Musik und damit uns allen treu geblieben ist. Und sollte die Welt heute doch noch untergehen, dann bin ich froh, dass ich das noch sagen konnte. Lieber Reinhard Mey - einfach nur: DANKE!

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