Freitag, 16. November 2012

Weil ich nicht anders kann

Mein Tag begann schön. Ich bin mit guter Laune aufgewacht, konnte noch ein paar Minuten in den Armen eines geliebten Menschen liegen, mit meinen Kindern frühstücken, mit meinem Hund spazieren gehen und mich später an eine Arbeit setzen, die ich liebe.
Du kennst mich, ich schätze die kleinen Alltäglichkeiten sehr und ich bin dankbar dafür.

Vor ein paar Minuten dann habe ich mir auf Spiegel Online Bilder des Syrien-Kriegs angeschaut und ich muss das, was jetzt kommt, einfach loswerden, weil es mich sonst selbst nicht mehr loslässt. Und noch während ich das hier schreibe, laufen mir die Tränen über die Wangen, denn es sind Bilder, die man eigentlich nicht sehen will und die die ganze Abscheulichkeit eines Krieges zeigen, den Deutschland und andere Nationen mit Waffenlieferungen mitfinanzieren. Und es sind keine Bilder aus der Vergangenheit, das muss man sich immer wieder vergegenwärtigen. All das passiert jetzt. Sie zeigen auch keine unzivilisierten Monster, sondern Menschen. Ich kann das schwer ertragen. Es sticht mir wirklich direkt ins Herz, wenn ich mir vorstelle, was ein Vater empfindet, der mit seinem Sohn auf dem Arm vor fallenden Bomben um sein und um das Leben seines Kindes rennt.
Und dann sehe ich mich, wie ich am Frühstückstisch mit meinen Kindern sitze, lache und scherze und dann frage ich mich, ob ich das alles genug wertschätze. Ob ich ihnen oft genug sage, wie sehr ich sie liebe und ob ich jeden Moment, den ich habe, ausreichend würdige. Und ich schäme mich für die Kleingeistigkeit, die auch in meinem Kopf und um mich herum herrscht. Dafür, dass wir zusehen und zulassen, dass so etwas passiert. Und gleichzeitig bin ich verzweifelt und weiß nicht, was ich jetzt gerade tun kann, außer meinen Gefühlen und Gedanken freien Lauf zu lassen. Hilft Mitfühlen? Heißt es nicht immer, dass man die Welt verändern kann, in dem man bei sich anfängt? Kann ich schauen, an welcher Stelle in meinem Leben ein Krieg tobt, den beenden und damit die Welt ein bisschen besser machen? Ich hoffe und wünsche das, sicher bin ich mir nicht. Eines werde ich auf keinen Fall tun: Wegschauen. Auch wenn das für mich emotional schwer auszuhalten ist.
Mein Herz ist bei den Familien und Menschen, die Opfer dieses Wahnsinns sind. Ob in Syrien, Israel oder im Gaza-Streifen. Ich bete für Euch.

1 Kommentar:

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Jeanette,
Deine Gedanken treffen sicherlich zu und ich neige auch dazu, so etwas zu verdrängen. Solange ich lebe, gibt es an irgendeiner Ecke der Welt Krieg. Und die eigenen Einflussmöglichkeiten, diese Kriege zu beenden, sind gleich Null. Das gleiche gilt für Hungerkatastrophen, für Dürre in der Sahel-Zone oder ähnliches. So am Rande bin auf diese Thematik bei meinem Post vom 14. November (Thema Spendendose) gestoßen, dass einem selbst Grenzen gesetzt sind, was und für wen gespendet wird. Bezogen auf Kriege, Elend und Hunger auf der Welt: das ufert aus, muss ich da tagtäglich eine Weltlandkarte vor Augen haben, wo wieviel geschossen oder gehungert wird ? Mein eigenes Wahrnehmungsvermögen ist da auch begrenzt, was ich sehe und was ich schlichtweg ausblende.

Schönen Tag
Dieter