Dienstag, 9. Oktober 2012

Ausstieg

Es gab in meinem Leben mal eine Zeit, da war es wichtig für mich, politisch auf dem Laufenden zu sein. Zu wissen, was in der Welt und vor allem im eigenen Land passiert. Um mitreden zu können, eine Meinung zu haben, notfalls einen Standpunkt zu vertreten. Seit gestern ist es damit endgültig vorbei. Ich habe kapituliert. Die Segel gestrichen. Mich ausgeklingt und mein ehrliches Interesse den Bach hinuntergehen lassen.

Dabei war es nur eine Meldung. Ich saß im Auto, das Radio lief, ein Jingle kündigte die Nachrichten an und dann berichtete der Sprecher darüber, dass von nun an der Euro-Stabilitätsfond in Kraft tritt. Er nannte eine Zahl, die des Stammkapitals, das 700 Milliarden Euro beträgt, von denen 500 Milliarden ausgeliehen werden können. Aktionäre dieses Fonds sind die Finanzministern der 17 Euro-Staaten.
Und nun mal Hand aufs Herz, lieber Leser. Bist du in der Lage zu erfassen, was da eigentlich gespielt wird? Ich nicht und ich will auch keine weitere Erklärung. Ich will nur wissen, ob irgendein Bürger dieses Landes eine Ahnung davon hat, was die da tun?
Ich jedenfalls habe gelernt, das man Geld, das man nicht hat, nicht ausgeben, geschweige denn verleihen kann. Die Staatsverschuldung unseres Landes beträgt zirka 2.041,982 Milliarden Euro und in den anderen EU-Ländern sieht es nicht besser aus. Es ist also faktisch nichts da. Luft, eine große Blase. Das einzige, was da ist, aber größtenteils auch nur noch auf dem Papier, sind die Spareinlagen der Menschen und das, was in irgendwelchen festen Gütern angelegt ist.
Welch ein Wahnsinn. Und wie geschickt die Maschinerie der Mächtigen funktioniert, um davon abzulenken. Oder hat dich jemand gefragt, ob du mit all dem einverstanden bist?
Ich bin weiß Gott keine Vertreterin von Endzeitprophezeiungen, aber dass das, was hier gerade geschieht, auf ein Inferno hinausläuft, ist so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche. Und darum steige ich aus und konzentriere mich auf das, was real ist. Auf das Leben und die Menschen um mich herum und darauf, wie man diesem Irrsinn irgendwie entgehen kann.

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