Freitag, 28. September 2012

Schlecker und die Sache mit der Moral

Bis vor kurzem gab es in der Gegend, in der ich wohne in einem Umkreis von rund 5 Kilometern geschätzte zehn Schlecker-Filialen. Ich konnte mir aussuchen, in welcher ich Waschpulver, Hundefutter und diverse andere Artikel des täglichen Bedarfs, wie man das wohl nennt, kaufte. Ich kannte die Verkäuferinnen, das Angebot, wusste, dass ich Schlecker nicht mag und so hatte alles seine Ordnung.

Heute ist das anders. Da muss ich mich ins Auto setzen, einige Kilometer fahren, Parkplatzgebühren bezahlen um zur nächsten Großraum-Drogerie im Einkaufscenter zu kommen oder muss im Supermarkt deutlich mehr für oben genannte Waren bezahlen. Blöd.
Niemals hätte ich gedacht, dass mir Schlecker je fehlen würde. Nicht einmal in dem Moment, als klar war, dass alles bald ein Ende hat. Da habe ich mich noch gefreut, dass es irgendeine Art von Gerechtigkeit gibt, die Unternehmern wie Schlecker, das Handwerk legt. Denn, ich sage es mal deutlich: Die Firmenpolitik fand ich immer katastrophal.
Und daran sieht man, dass ich ein bequemer und manchmal zerrissener Mensch bin.
Irgendwann hatte ich nämlich mal geschworen, nie bei Schlecker einzukaufen. Das war, bevor ich Windelpakete schleppen, mal eben schnell ein Gläschen kaufen oder die zerissene Strumpfhose ersetzen musste. Ich bin eben ein praktisch denkender und handelnder Mensch, insofern verrauchte der Schwur schnell und machte dem Bedürfnis platz. Gleiches konnte ich bei vielen anderen Menschen, die ich kenne, beobachten. Menschen, die alle eine eindeutige Meinung zum Unternehmen Schlecker hatten und es trotzdem genossen, dass der Markt gleich um die Ecke war.
Ja, so sind wir. Nicht nur, wenn es um Drogerie-Artikel geht.
Wir wissen, dass Rauchen schädlich ist und tun es trotzdem. Wir wissen, dass Käfighühner unter nicht hinzunehmenden Bedingungen gehalten werden und kaufen trotzdem viele Produkte, in denen sie oder die Eier verwertet werden. Wir tragen Klamotten von Firmen, die billig in Dritteweltländern produzieren, obwohl wir wissen, dass die Arbeiter dort unter schlechtesten Bedingungen arbeiten.
Liegt es einfach daran, dass die Liste der Dinge, die wir eigentlich, wenn wir genauer darüber nachdenken und unserer Moral treu sind, nicht tun sollten, mittlerweile viel zu lang ist? Dass wir gar nicht mehr wüssten, wo wir anfangen sollten? Ich werde das prüfen und mal alles aufschreiben, von dem ich weiß, das ich an dieser oder jener Stelle eigentlich gegen meine eigene Haltung verstoße. Allerdings nicht jetzt. Jetzt muss ich nämlich los und Spülmittel kaufen. Das kann dauern.

1 Kommentar:

Papagena hat gesagt…

Ich habe auch eine insgeheime Liste im Hinterkopf von Dingen, die ich EIGENTLICH nicht unterstützen möchte, es im Alltag dann aber doch nicht so genau nehme...

Und dann gibt es ja auch noch die "Fanatiker", die mir so verhasst sind, dass ich manchmal rein aus Trotz handel.

Aber ich will jetzt mal nicht anderen die Schuld zuweisen - ich bin schon selbst für mich verantwortlich!
Und für die Umwelt, und die Resourcen, und die Nachhaltigkeit, und die Gesundheit usw.

Ach, es ist wirklich eine lange Liste, wenn man so darüber nachdenkt!

Papagena