Mittwoch, 18. April 2012

Ball zurück an die Urheber

Irgendetwas mache ich falsch. Gestern wurden die Fernsehrechte für die Bundesliga für eine halbe Milliarde Euro versteigert. Eine halbe Milliarde, die zwar aufgeteilt wird, trotzdem eine beachtliche Summe. Ich habe auch Rechte verkauft. Nämlich die an einem Buch, das ich geschrieben habe.

Viele Monate Arbeit, für die kein branchenüblicher Vorschuss gezahlt wurde, sondern die erst, wenn das Buch verkauft wird, über Prozente honoriert werden. Ich bin also in Vorleistung gegangen, wie man so schön sagt - ein in freien Berufen durchaus gängiges Prozedere. Man erbringt eine Leistung, sagen wir mal, man schreibt einen Text, liefert ihn pünktlich ab und bekommt sein Geld, wenn der Verlag den Text druckt. Das kann dauern, manchmal Monate.
Oder - wie im Falle des Buches - man hofft darauf, dass sich der Titel gut verkauft, wofür im günstigsten Fall der Verlag sorgt. Aber auch da gibt es gewaltige Unterschiede. Oft kümmert sich der Autor noch selbst unbezahlt um das Marketing, hält Lesungen und darf sich Sätze wie: "Na wenn du selbst wirbst und das was bringt, dann verdienst du doch auch." anhören.
Jedenfalls gestern flatterte die Monatsabrechnung für die ersten verkauften Buchexemplare in den Briefkasten. Stolze 14 Euro werden mir auf mein Konto überwiesen. Das sind sechs Prozent vom Nettoladenpreis des Buches. Für alle, die es nicht glauben können - es ist so. Ein Autor bekommt, wenn er Glück hat, irgendetwas zwischen sechs und acht Prozent für sein Werk. Hat man sich in der Buchbranche schon einen Namen gemacht, gibt es ein bisschen mehr und geht man über eine Agentur, dann kann man auf deren Verhandlungsgeschick bauen und auf einen Vorschuss hoffen.

Schreiben ist mein Beruf. Ein Beruf, der mir wirklich Spaß macht, den ich mir ausgesucht habe, der mich allerdings weit unter einem Mindesteinkommen hält und den ich mir im Grunde nur "leisten kann", weil ich mich selbst ausbeute, auf vieles verzichte und noch weitere Standbeine habe, die mir den Kühlschrank füllen und mich und meine Kinder ernähren.
Vor zwei Tagen hat die Autorin Kathrin Passig ihren Beitrag zur Urheberrechtsdebatte geleistet, in dem sie sehr ehrlich ihr Einkommen offen gelegt hat. Vor ein paar Wochen hat Sänger und Autor Sven Regener vorgelegt und in seinem mittlerweile als Wutrede bezeichneten Statement die Gratiskultur im Netz angeprangert und damit die Diskussion darüber in Gang gesetzt, wie viel uns das, was Menschen erschaffen, wert ist. Ich möchte dazu auch etwas beitragen, obwohl ich nicht so bekannt bin, aber ich bin Urheber und zwar einer, der davon nicht leben kann, weil die Honorare, die von Verlagen gezahlt werden, teilweise unter jedem Mindestlohn liegen, wenn man seine Arbeit richtig macht und weil man mit BuyOut-Verträgen üblicherweise nicht einmal an Zweit- oder Drittverwertungsrechten beteiligt wird.
Neulich zum Beispiel blätterte ich die Sonderausgabe eines Magazins durch, für das ich regelmäßig schreibe und entdeckte einen Text von mir. Der Verlag hat mich nicht einmal darüber informiert, dass heißt, es wurde auch kein Zweitverwertungshonorar gezahlt. Allerdings verdient der Verlag mit dieser Sonderausgabe und mit meinem Text zusätzlich Geld. Was tun? Es anmahnen? Damit riskiere ich das, was vielen Kollegen in dieser Branche passiert ist - dass ich für den Verlag nicht mehr schreiben kann.
Irgendwie geht das so nicht. Verlage verdienen, weil wir alle lesen wollen. Grundsätzlich ist das in Ordnung. Aber dann bezahlt doch bitte auch die anständig, die dafür sorgen, dass es etwas zu lesen gibt. Beim Fußball klappt das doch auch.

Kommentare:

MASCH hat gesagt…

Liebe Jeannette,
ich solidarisiere mich voll mit Deinen Gedanken!
Es ist schon immer so gewesen, daß die Kunst - jedweder Art - im Sinne von Honoraren stiefmütterlich behandelt wird.
Trotzdem: Aufgeben, ist keine Alternative. Das Dilemma ist allerdings,daß - wenn man die Klappe aufmacht - der Schuss meist nach hinten losgeht (wie Du so folgerichtig beschrieben hast)
Solidarität unter Künstlern gibt es kaum. Jeder will Individualist sein und bleiben!
Also ärgern wir uns im Stillen weiter über die unfaire Behandlung schöngeistiger Arbeit...denn: Ändern wird sich wohl so schnell nichts.
Mit solidarischen Grüßen
MASCH

Papagena hat gesagt…

Mensch, das ist wirklich total ungerecht!

Was kann man tun?
Wie kann sich die Situation verbessern?

Autoren-Streik?

Bitte nicht aufhören mit dem Schreiben - ich lese doch auch so gerne!

Papagena

Jeannette Hagen hat gesagt…

Es gibt schon viele gute Ansätze - die Freischreiber zum Beispiel, der Verband für freie Journalisten haben eine supertolle Aktion gestartet, in dem sie mal aus den großen Zeitungen die Artikel rausgenommen und geweißt haben, die von freien Autoren stammen. Die Blätter waren fast leer. Sehr beeindruckend. Ich glaube, es hilft schon mal, wenn die Welt davon erfährt, dass es so ist. Vielen ist das nämlich nicht klar - also, wenn du den Artikel teilen willst, dann ist das ein Beitrag, den du leisten kannst. :-) Und keine Angst - ich schreibe weiter. Ist ja mein Job. :-)

TinnyMey hat gesagt…

du liebe....,
viele wären gerne schon dort wo du bist, nämlich buchautorin! die wenigsten wissen, dass nur wirklich bekannte autoren und hohe auflagen richtig geld bringen.
aber das mit dem urheberrecht würde ich nochmal abklären...das dürfen die nicht ohne deine zustimmung oder hast du etwas unterschrieben????
gglG ....und weitermachen!!!!