Mittwoch, 26. Oktober 2011

Von Schafen, Nilpferden und Elefanten

Heute habe ich auf Spiegel Online einen Artikel über Gruppenzwang entdeckt. Der Autor zitiert darin eine Studie, die belegt, dass schon 4-Jährige Kinder sich argumentativ häufig dem allgemeinen Tenor der Gruppe unterordnen, selbst dann, wenn sie genau wissen, dass ihre eigene, abweichende Meinung eigentlich richtig ist.
Sprich - sie sehen einen Elefanten, die Gruppe sagt: "Nein das ist kein Elefant, sondern ein Nilpferd" und schon steckt das Kind zurück und sieht auch ein Nilpferd.

Gott sein Dank sind nicht alle Kinder so, sonst würden wir heute noch um ein Feuer herum sitzen, rohes Fleisch essen und mit Fellen bekleidet durch die Landschaft jagen.
Dabei hat dieses Verhaltensmuster natürlich seinen Ursprung genau in dieser Zeit. Wer sich nicht untergeordnet hat, lief schnell mal Gefahr, sein Leben zu verlieren und fette Beute für den Säbelzahntiger zu werden.
Ganz so dramatisch ist es heute zwar nicht mehr, aber von einer Gruppe ausgeschlossen zu sein, fühlt sich auch in modernen Zeiten nicht besonders gut an. Darum laufen wir gern wie brave Lämmer der Herde hinterher und nicken, wenn aus Elefanten plötzlich Nilpferde werden.
Leider lässt uns das auf der Stelle treten, denn wie formulierte es Nietsche so treffend: "Die Tendenz der Herde ist auf Stillstand und Erhaltung gerichtet, es ist nichts Schaffendes in ihr." Wir grasen in unserer Kompfortzone, heben ab und zu mal den Kopf und jammern ein bisschen darüber, dass der Platz, auf dem wir treten, schon völlig uninteressant und abgenagt ist. Aber wehe, ein anderes Schaf wagt sich über den Rand und blöckt, dass das Gras auf der anderen Seite des Berges grüner ist. Dann beginnen wir zu wettern. Dann ist plötzlich die trockene Stelle auf der wir treten, das Paradies und hinter dem Berg wartet sicher das Unheil.
Sie merken - ich habe Freude daran, diese Szenerie auszuschmücken.
Woran liegt's? Vielleicht daran, dass ich - je älter ich werde, wieder mehr und mehr darauf pfeife, was die Herde sagt und mich mit Freude auf Entdeckungsreise begebe.
Und darum ist der Eintrag heute nichts anderes als eine Einladung an Sie, die Herde doch auch mal hinter sich zu lassen. Springen Sie über den Zaun! Rechnen Sie damit, dass Sie auf die Nase fallen können. Rechnen Sie damit, dass Sie sich auch mal einsam fühlen und andere mit dem Finger auf Sie zeigen. Aber rechnen Sie vor allem damit, dass ein unglaubliches Glücksgefühl durch Ihre Zellen rauschen wird. Eine neue Lebendigkeit. Seien Sie ein bisschen Indianer Jones, ein bisschen Peter Pan, ein bisschen Ronja, die Räubertochter - aber vor allem - seien Sie Sie selbst und machen Sie wieder einen Elefanten aus dem Nilpferd!

1 Kommentar:

motzi hat gesagt…

hab dich wieder gefunden ;)