Freitag, 14. Oktober 2011

Alles ist gut

Es ist Freitag. Später Nachmittag. Die Sonne steht tief und lässt das Herbstlaub vor meinem Fenster glitzern. Während ich hier schreibe, ist meine jüngste Tochter, müde von den Anstrengungen der vergangenen Woche, auf dem Sofa eingeschlafen. Mein Hund liegt auf dem Teppich und ruht, schaut allerdings bei jedem etwas lauteren Tastenklick kurz hoch, ohne das der Rest des Körpers sich mitbewegt. Meine Mittlere sitzt in ihrem Zimmer und malt, ab und an summt sie ein Lied, das ich nicht kenne.

Insgesamt ein schöner Moment. Friedvoll und ruhig. Ohne Spannung, ohne Abenteuer und doch voller Leben.
Vor kurzem hatte ich ein Buch in den Händen. Veränderungen war das Thema und wie wir in schwierigen Zeiten zu unserem inneren Frieden finden. In Zeiten, in denen es uns buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht und wir das Gefühl haben, dass das Leben eine nicht enden wollende Achterbahnfahrt der Emotionen ist.
Ich kenne diese Phasen nur zu gut und dass ich dieses Buch gelesen habe, war kein Zufall. Es hat mich sozusagen gefunden, um mir einmal mehr zwei  fundamentale und ebenso brutale Wahrheiten des Lebens zu vergegenwärtigen.
Sie lauten: "Alles was geschieht, ereignet sich, weil ich will, dass es sich ereignet."
Und gleich der zweite Hammer hinterher: "Jede Veränderung ist eine Veränderung zum Besseren."
Ja - genau das, was Sie jetzt denken, kam mir auch sofort. Wie kann dieser Mensch behaupten, dass ich Lebensumstände, unter denen ich leide, selbst produziert habe? Und besser fühle ich mich dabei auch nicht gerade.
Der Punkt ist, dass das, was Sie und ich denken, unser Verstand erzählt.
Ändern wir die Sicht, den Ausgangspunkt der Betrachtung und lassen wir die Seele auf das schauen, was da steht, dann müssen wir zustimmen. Denn unsere Seele ist hier, um zu erfahren. Sie beurteilt nicht nach gut oder schlecht.
Ich kann das, was ich schon auf hunderte Arten gehört und gelesen habe, auf  rein rationaler Ebene verstehen und nachvollziehen. An die Grenze stoße ich immer dann, wenn ich mich frage, was denn nun meine Seele will. Welche Stimme in mir ist die Seele? Ich ertappe mich stets dabei, dass ich die Frage auf der Verstandsebene klären will. Ich nehme mal an, dass Sie daran auch schon das ein oder andere Mal gescheitert sind.
Der Schlüssel zur Seele liegt im Wahrnehmen des Augenblicks. Im Gewahr-Sein.
Das klingt so simpel, dass man es gar nicht glauben will. Und doch verbirgt sich dort die Lösung. Denn in dem Moment, in dem ich hier sitze und schreibe, sehe, wie mein Töchterchen langsam aufwacht, höre, wie aus dem Kinderzimmer eine Mädchenstimme fröhlich summt und das Glitzern der Blättern in der untergehenden Sonne beobachte - in diesem Moment gibt es keine Trauer, keine Wut, keinen Gram. Nur eine leise Stimme, die sagt: "Alles ist gut."

Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Einen ganz wunderbaren Blog mit tollen Texten hast du da!
Ich komme bestimmt mal wieder vorbei... :)

Liebe Grüße,

Carmen

Bernd Balder hat gesagt…

Der erste Abschnitt allein hat mich gepackt. Eine wunderbare Szene, die du hier beschreibst. Und als Ausklang dieses Lied, von der Tochter gesummt ...

Wunderschön!

LG
Bernd