Montag, 15. August 2011

Lobelei

Gestern habe ich ein wunderschönes Kompliment bekommen. Eines von denen, die wirklich tief gehen, die ankommen, weil sie sagen: "Ich sehe, wer du bist."
Im Grunde war es wenig spektakulär, keine Lobhudelei, kein ums Maul geschmierter Honig.
Ein einfaches: "Du bist ein freundlicher Mensch." Allerdings noch mit dem Nachsatz: "Damit hast du es sicher nicht immer leicht, denn freundlichen Menschen begegnet man oft mit Misstrauen und man unterstellt ihnen grundsätzlich eine gewisse Naivität."
Vielen Dank an den Lobenden. Ich habe mich wirklich selten so verstanden gefühlt. Deine Worte haben mich liebevoll umarmt.
Das mit den Komplimenten ist ja immer so eine Sache. Meist können wir sie nicht annehmen, weil wir zur Bescheidenheit erzogen wurden. Lob von außen, dem wir zustimmen, riecht dann gleich nach Selbstlob - heißt es riecht nicht, sondern es stinkt.
Sagt uns jemand, wir hätten tolle Klamotten an, kommt schnell ein: "Ach die sind doch schon alt." oder  "Ja, meinst du?" Lobt uns jemand für einen Charakterzug, dann meinen wir oft, dass die Tatsache, das dieser gottgegeben ist, also keine abrechenbare Leistungsgröße darstellt, Grund ist, das Lob abzuwiegeln.
Vieles von dem, was an uns gelobpreist wird, erkennen oder anerkennen wir oft selbst nicht und können es deshalb auch nicht in die große innere Schatztruhe legen, aus der wir unser Potential schöpfen.
Schade, denn damit entziehen wir uns selbst das Öl, das unseren Motor am Laufen hält.
Denn was gibt es denn Schöneres und Kraftvolleres als ehrlich gemeinte Wertschätzung? Und wer um alles in der Welt hat denn mal festgelegt, dass diese Art von Bescheidenheit, die wir oft an den Tag legen, eine Tugend ist?
Ich glaube, an dieser Stelle ist es Zeit für eine Revolution. Für einen inneren Aufstand. Für das Risiko als Gelobter und Erkannter nackt auf dem Präsentierteller zu stehen.
Ja es stimmt, ich bin ein freundlicher Mensch.
Grins.




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