Donnerstag, 7. Juli 2011

Tränen

Es ist seltsam. Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, manche Umstände beiläufig hinzunehmen und als gegeben zu akzeptieren.
Ich erinnere mich nur zu gut an die Bilder, die vor vielen Jahren, als ich selbst noch Kind war, über Fernsehmattscheiben flimmerten. Ausgemergelte Frauen, die halb verhungerte oder im schlimmsten Fall tote Kinder in den Armen hielten. Weit aufgerissene Augen, aufgeblähte Bäuche, Dreck, Elend und das alles in einer Welt, in der anderenorts die Supermärkte eine eigene meterlange Regalreihe für Hunde- und Katzenfutter haben. Ich habe immer geweint und nie verstanden, wie so etwas möglich ist.
Nun tauchen diese Bilder wieder auf, denn in einigen Teilen Afrikas droht erneut eine Hungersnot, da zwei Regenzeiten ausgefallen sind, das Vieh wegstirbt und obendrein politische Verhältnisse zusätzlich für Missstände sorgen.
Und ich? Ich weine wieder und kann diesen Anblick kaum ertragen.
Gleichzeitig gibt es eine weitere Stimme in mir, die sagt: "Hej, da musst du gar nicht bis nach Afrika schauen, um Elend zu sehen. Schau dich um, es fängt vor der Haustür an."
Und dann will ich wieder wie schon damals als Kind diese Welt retten. Ganz naiv. Weil es doch nicht sein kann, das so etwas passiert. Nicht in Europa, nicht in Afrika oder sonstwo. Weil es doch nicht sein kann, dass Fußballer für Millionenbeträge verkauft werden, unnütze Stadtschlösser für 590 Millionen Euro aufgebaut werden, während an einem anderen Platz eine Mama hilflos mit ansehen muss, wie ihr Baby stirbt.
Was ist denn das für eine gottverdammte Scheiße.
Manchmal kann ich diese Welt und dieses Leben kaum ertragen. Verstehen sowieso nicht.

Kommentare:

Papagena hat gesagt…

Liebe Jeannette,

ich habe damals als Kind meine Spardose geleert und wollte unbedingt Essen für die hungernden Kinder kaufen, die ich im Fernsehen gesehen hatte....

Heute fühle ich mich einfach hilflos und ratlos und fassungslos, wenn ich solche Bilder sehe... und habe überhaupt keine Ahnung, wie ICH etwas gegen all das Leid tun könnte.

Daher tue ich, was ich kann: nämlich zuerst mal das Beste aus meinem eigenen Leben zu machen, dankbar zu sein für unsere wunderbaren Lebensumstände, die wahrhaftig nicht selbstverständlich sind, den Kindern ebenfalls Dankbarkeit und Mitgefühl vermitteln... und ab und zu mit einer kleinen Spende auf den heißen Stein zu tropfen...

Ich merke gerade, dass das hier wirklich ein schwieriges Thema ist!
Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, kommt die fehlende Tatkraft oft auch von einem gewissen "Alltags-Sumpf", in dem wir dümpeln, und der uns oftmals nicht über den Tellerrand sehen lässt... ebenso von einer gewissen Faulheit, Dinge wirklich und mit Konzequenz zu verändern...

Liebe Grüße,
Papagena

Ina hat gesagt…

Auch ich kann es manchmal nicht ertragen. Richtig schlimm fand ich es für mich Morgens die Tageszeitung zu lesen, mit immer mehr Elend konfrontiert zu werden und dabei genüsslich mein Brötchen zu essen.Es ist eine so große Diskrepanz, diemanchmal schwer zu ertragen ist.

Die Herausforderung finde ich immer wieder sich selbst zu schützen und dennoch nicht die Augen zu verschließen.

Liebe Grüße
Ina

Martina hat gesagt…

DAnke DAnke DAnke
Vielliecht könne wir aber die welt ein wenig besser machen und nicht aufhören zu helfen, nicht aufhören hinzusehen. Jeder einzelne dem geholfen wird, ist mehr als keiner. Alles Liebe Martina