Samstag, 21. Mai 2011

Bob Dylan und das Mammut

Zunächst erst einmal ein herzliches Hallo an alle neuen Leser. Schön, dass Sie mich auf meinen Streifzügen durch das Leben ein Stück des Weges begleiten.
Ich begrüße auch gleich alle Leser, die vielleicht in den nächsten Tagen dazukommen und die, die noch gar nicht wissen, dass sie mal meine Leser werden. Schließlich ist es heute enorm wichtig, wenn nicht sogar überlebensnotwendig, der Zeit voraus zu sein.
Heute schon zu wissen, was morgen kommt und entsprechend schnell darauf zu reagieren, ist im 21. Jahrhundert das berühmte A und O.
Wie sonst ist es zu erklären, dass Spiegel-Online Bob Dylan heute bereits zum 70. Geburtstag gratuliert, obwohl Mr. Mundharmonika nachweislich erst am 24. Mai sein Jubiläum feiert. Wahrscheinlich haben wir noch Glück, dass nicht der Nachruf auf Dylan veröffentlicht wurde, der mit Sicherheit auch schon druckreif in einem Ordner der Redaktionsdatei liegt.
Können Sie sich noch daran erinnern, dass es Zeiten gab, da erfuhren Sie erst aus der Zeitung von morgen, was gestern geschah? Das ist noch gar nicht so lange her. Heute liest kaum noch einer die aktuellen Meldungen der Zeitung, weil sie in unseren Augen schon veraltet sind.
Dafür gibt es Twitter, Apps und Online-Redaktionen in denen wahrscheinlich Wahrsager sitzen, die voraussagen, was denn am nächsten Tag geschehen könnte, damit man besser auf alle Eventualitäten vorbereitet ist und sofort den passenden Text parat hat. Im Fall von Dylan brauchte es nicht einmal einen Wahrsager.
Wir sind mittlerweile ein Volk, das in der Zukunft lebt. Wir haben verlernt, aus dem Jetzt heraus zu handeln oder auch mal den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Kaum etwas darf mehr geschehen, wann es dran ist. Denn dann ist es ja schon wieder zu alt. Vergangen, abgehakt. Dafür wird kontrolliert, vorhergesehen und geplant.
Die Frage ist, wem nützt das? Geht es uns besser? Geht es Bob Dylan besser? Sind wir dadurch glücklicher? Haben wir dadurch weniger Angst? Nein, im Gegenteil. Sind wir entspannter? Nein. Eigentlich hetzen wir dadurch noch mehr durchs Leben. Schade, denn das hindert uns oft genug daran, den Augenblick zu genießen. Nur nichts verpassen, immer up to date sein. Via App, via Twitter und und und - ich finde das ist anstrengend.
Wahrscheinlich gratuliert der Spiegel in fünf Jahren Bob Dylan schon zu seinem 80. Geburtstag, falls er nicht vorher ablebt, aber sicher weiß man das dann in der Redaktion auch schon drei Tage vorher.
Ich jedenfalls habe mal gelernt, dass es Unglück bringt, Geburtstagsglückwünsche auszusprechen, wenn der Beglückwünschte noch gar nicht Geburtstag hat. Aber mit dieser Ansicht gleiche ich vermutlich einem Mammut.

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