Freitag, 1. April 2011

Wie beim ersten Mal

Bekanntlich gibt es ja für alles im Leben ein erstes Mal. Angefangen mit dem ersten Atemzug, dem ersten Schrei, dem ersten Kuss - eine Liste, die sich bis ins Unendliche fortsetzen ließe.
An viele Dinge, die wir beim ersten Mal noch ganz spannend und aufregend fanden, haben wir uns im Laufe unseres Lebens gewöhnt. Manchmal nehmen wir sie nicht einmal mehr wahr, oder geraten Sie noch in den Zustand infantiler Verzückung, wenn Sie den Lichtschalter anknipsen?
Manchmal gibt es aber auch Momente, die haben wir schon einige Male erlebt und trotzdem verlieren sie nichts von ihrem anfänglichen Zauber. Das ist gut so, was wäre das Leben ohne diese Augenblicke.
Ich hatte heute so ein wiederholtes erstes Mal. Mindestens schon, na sagen wir mal 42 Mal erlebt und doch immer wieder ein Hochgenuss und eine Explosion der Sinne. Die erste Erdbeere im Jahr.
Dazu müssen Sie wissen, dass ich zu den Menschen gehöre, die im Winter grundsätzlich keine Erdbeeren essen, genauso wenig, wie ich auf den Gedanken kommen würde, mir im Hochsommer eine Orange zu schälen.
Nun ist ja zugegebenermaßen noch keine Erdbeerzeit.
Aber auch dafür gibt es eine plausible Erklärung - ich wurde verführt.
Und zwar von der Erdbeere selbst.
Ich stand in dem kleinen Laden an der Ecke. Der, wo ich immer einkaufe, wenn noch irgendetwas fehlt, oder wenn ich Lust auf Müßiggang habe, denn die Kassierer sind langsam, das Alter des Publikums liegt entweder weit über Sechzig oder knapp unter zehn - was in jedem Fall bedeutet, dass es zu längeren Wartezeiten an der Kasse kommt.
Da stand ich also, der Kassierer verschwand, um nach irgendeinem Preis zu schauen und da lagen sie. Direkt neben mir in einem Extra-Korb. Rot, prall und zum Anbeißen lecker. Ich schaute mich kurz um, schnappte mir eine Frucht und biss hinein.
Ehrlich gesagt, hatte ich damit gerechnet, dass sie trotz Röte schmeckt, wie Früherdbeeren aus sonstwo eben schmeckt. Ein wenig säuerlich und ansonsten nach nichts. Aber nein - sie war zuckersüß und schmeckte, wie eine Erdbeere schmecken muss. Hmmm... und sofort war ich wieder das kleine Mädchen, das jedes Jahr Ende Mai/Anfang Juni in freudiger Erwartung in den Garten ihrer Oma lief und den Moment kaum erwarten konnte, die ersten reifen Früchte in den Mund zu schieben. Ich weiß noch wie glücklich ich immer war. Erdbeergeschmack ist Sommer, ist Lebensfreude, ist juchzend über eine Blumenwiese zu rennen...die Haare fliegen im Wind, das Kleid flattert und nichts kann mich aufhalten.
Schön, dass nicht alles Gewohnheit wird. Schön, dass wir uns immer wieder begeistern lassen und wenn es nur von einer kleinen roten Erdbeere in einem Schöneberger Tante Emma Laden ist.

Kommentare:

Marysol {*} hat gesagt…

Ach, liebe Spaziergängerin, wieder einmal hast Du es geschafft, meine Haut mit einem Schauer und meine Augen mit Tränen zu füllen - beides vor Glück, vor Mitfreude! :-) Abermals: DANKE! Hör bitte nicht auf zu schreiben! Ich les dich so gern. :-)

Papagena hat gesagt…

Also wenn ich DAS hier so lese, überkommt mich spontan das dringende Verlangen, zu meinem Lieblings-Obst/Gemüselädchen zu fahren und nach Erdbeeren zu fragen!
LECKER!

Die Kinder freuen sich ebenfalls schon so sehr auf die Erdbeerzeit!

Wir erleben hier in unserem neuen Haus seit letztem Herbst ganz viele "Erste Male"... das erste Weihnachten im neuen Haus, der erste Schnee im Garten, die ersten Kindergeburtstage im neuen Haus, der erste Frühling im Garten... es ist einfach nur großartig!
Und ich genieße alles in vollen Zügen!

Glückliche Grüße,
Papagena

Ina hat gesagt…

Liebe Spaziergängerin,

ich kann deine Gefühle bei den Erdbeeren soooo gut verstehen. Bedeuten sie auch für mich den totalen Genuss.
Gut das wir immer noch Dinge haben an denen wir uns freuen können wie beim ersten mal.
Ich versuche mich darin zu trainieren immer wieder Alltägliches neu und bewusst wahrzunehmen- aber es ist gar nicht so einfach.

Liebe Grüße und einen schönen Tag dir- Ina

Rostkopp hat gesagt…

Oh mein Gott, Du machst mich neidisch. ´bin seit zwei Jahren gegen Erdbeeren allergisch und daher dieses Genusses fast gänzlich beraubt.

LG und viele weitere Sinnesfreuden!