Montag, 14. März 2011

Vogelperspektive

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir will der Alltag angesichts der Katastrophe in Japan nicht gelingen. Ich kann nicht auf "normal" machen.
Das Leid dieser Menschen, das Ausmaß der Zerstörung, die Frage, wohin das alles noch führt - all das beschäftigt mich und lässt meine ganz persönlichen Sorgen verblassen.
Natürlich werde auch ich den Eindruck nicht los, dass die "Einschläge" immer dichter kommen. Die Natur, so friedlich und schön sie auf der einen Seite ist, so unberechenbar und - in unserem Sinne grausam - kann sie auf der anderen Seite sein.
Haben wir wirklich geglaubt, wir könnten sie beherrschen?
Katastrophen hat es seit es die Erde gibt, immer gegeben. Die Erde selbst ist aus einer Katastrophe entstanden.
Was das Ganze so furchtbar macht, ist einzig und allein der Verlust, den wir empfinden. Der Verlust von Menschen, von Hab und Gut, von Vertrautem.
Japan lehrt uns nicht nur, dass wir die Gesetze und das Wesen der Natur immer noch nicht verstanden haben, sondern auch, dass uns nichts wirklich gehört.
Weder der Mensch an unserer Seite, noch das Kind in unseren Armen, nicht das Haus, in dem wir leben und auch nicht das Geld, das wir auf dem Bankkonto sicher glauben.
Es ist eine Illusion, die sich von einer Sekunde zur anderen in Nichts auflösen kann.
Wir wissen das. Wir leben allerdings nicht danach, sondern unterschreiben Policen, schaffen uns Sicherheiten - egal ob durch andere Menschen, Verträge oder Eigentum.
Vor ein paar Tagen stand ich in Berlin auf einer riesigen Brücke. Oben Autos, unten Autos, S-Bahn, Regionalbahn, quer dazu U-Bahn, ringsherum Häuser. Ein Knotenpunkt. Ich bin mit meinen Gedanken hoch in die Luft geflogen, habe mir vorgestellt, wie alles von oben aussieht. Immer höher und höher bis ich die Welt von oben gesehen habe.
Die Vorstellung und das Bild, wie wir uns auf diesem Planeten eingerichtet haben, im Glauben, dass das alles ewig so weitergeht, kam mir plötzlich so absurd vor, angesichts der Tatsache, dass wir durch ein Weltall fliegen, von dem wir nur einen Bruchteil kennen und das streng genommen von einer Sekunde zur anderen in sich zusammenfallen kann.
Ich weiß, dass mit diesen Gedanken keinem geholfen ist. Schon gar nicht den Menschen in Japan. Dort kann man jetzt nur direkt helfen, in dem man spendet (Siehe Banner über dem Post!)oder vor Ort anpackt.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir in dem Maße, wie wir selbst lernen, uns weniger zu eigen zu machen, die Welt verändern können. Aber vielleicht braucht es bis zu dieser Erkenntnis noch ein paar Katastrophen.

Kommentare:

Marysol {*} hat gesagt…

Schöne, wahre Gedanken, die ich teile und die mich bestärken. Danke.

Bernd Balder hat gesagt…

Hallo Jeanette,

sehr wahre Worte. Mir gehen auch seit Tagen immer und immer wieder Gedanken an Japan durch den Kopf. Nein, Ruhe findet man nicht in diesen Tagen. Ich bin Japan-Fan und hätte nie gedacht, dass es dieses eigentlich naturkatastrophenerfahrene Land einmal so hart treffen würde. Ich bin geschockt.
Und du hast Recht: die Einschläge scheinen tatsächlich näher zu kommen.

Ein trauriger Gruß
Bernd