Sonntag, 27. März 2011

Infantiler Trotz

Heute muss ich schnell schreiben. Nicht, weil ich etwas Besseres zu tun hätte, als auf Buchstabentasten herumzuklackern, sondern weil mein Stromkabel daheim liegt und der Akku gleich seinen Geist aufgibt. Also überlege ich parallel zum Tippen, mir demnächst einen leistungsfähigeren zu kaufen. Das muss schon sein, man gönnt sich ja sonst nichts. Ich werfe einen Blick auf Spiegel-Online und sehe die Berichte über die Anti-Atomkraft-Demonstrationen. Und da ich ja beim Schreiben gern viele Dinge in einen Topf werfe, suche ich mal eben eine Brücke zwischen den Demos und meinem Akku. Ein leichtes Spiel: die Brücke heißt Strom.
Wissen Sie genau, was es für Ihr Leben bedeutet würde, wenn wir von heute auf morgen aus der Atom-Energie aussteigen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich vermute allerdings, dass wir uns entweder massiv im Stromverbrauch einschränken, oder damit leben müssten, dass wahrscheinlich auf jeder verdammten Wiese ein Windrad steht.
Will ich das?
Ich finde es toll, dass so viele Menschen ihre Bequemlichkeit über Bord werfen, gegen die aktuelle Energiepolitik demonstrieren und auf die Straße gehen. Vor allem auch vermehrt Jungvolk.
Nur schleicht sich bei mir der Verdacht ein, dass es wie so oft auch ein bisschen trendy ist, den Anti raushängen zu lassen. Ein neues Lebensgefühl – ohne dass man wirklich bereit ist, etwas zu verändern.
Man verabredet sich halt zu einem Demo-Event, weil‘s cool ist. Nebenher schießt man Fotos mit dem neuesten iPhone, simst hin und her, holt sich mal eben einen Latte to Go im Pappbecher, den man anschließend auf die Straße schmeißt, weil‘s nicht auffällt und am Ende des Tages war man dabei, ist zufrieden mit sich und der Welt - schließlich hat man ja demonstriert.
Klar brauchen wir Demos. Um zu zeigen, dass wir nicht alles mit uns machen lassen und treudoof, wie eine Herde Schafe hinterher trotten. Das haben wir allzu lange gemacht.
Nur, was wir viel mehr brauchen, ist eine Wendung in unseren Köpfen. Weg von: immer neuer, immer schneller, immer besser, immer mehr – hin zur Bereitschaft auch mal auf etwas zu verzichten. Aber ich glaube - und da schließe ich mich ein - da gibt es in unseren Köpfen noch ein Hindernis. Eine Art infantilen Trotz. Wieso soll ich denn zuerst etwas ändern, wo doch der andere der ist, der die Fehler macht?
Und so bleibt es verzwickt.
Und was viel schlimmer ist, wir lassen damit weiter zu, dass man uns verarscht. Denn nichts anderes macht diese Regierung.Ich empfinde es als absoluten Betrug, den Menschen vorzugaukeln, dass ein Atomausstieg so mal eben möglich wäre. Das ist pure Einlull-Taktik, die wir mit Demos nicht verhindern, sondern nur dadurch, indem wir nicht für den Atom-Ausstieg, sondern endlich gegen diese Regierung demonstrieren. Und gleichzeitig die Nachfrage durch unseren Bedarf regeln.
So und nun habe ich mich so in Rage geschrieben, dass ich vermutlich selbst meinen Laptop mit Strom speisen könnte. Aber es hat auch bei mir etwas bewirkt. Ich lass das mit dem Akku, klappe meinen Laptop für heute lieber zu und genieße stattdessen die Wiesen, auf denen noch kein Windrad steht.

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