Donnerstag, 1. Juli 2010

Vom Gutmensch zum Weltverbesserer

Momentan komme ich selten zum Schreiben. Warum? Weil ich schreibe.
"Wie?" werden Sie sicher fragen und die Stirn ungläubig runzeln. Wie kann man nicht schreiben, weil man schreibt?
Ganz einfach. Dass ich hier in den letzten Tagen seltener zu lesen bin, hat schlichtweg damit zu tun, dass ich - nennen wir es mal "Auftragsschreibarbeiten" zu erledigen habe.
Gut und schade zugleich, denn es sind zwei völlig unterschiedliche Arten zu schreiben und wenn Sie mich nach meiner ehrlichen Meinung fragen, dann antworte ich Ihnen: "Bloggen macht mir richtig Spaß! Das andere ist eben ein Job. Zwar nah dran an dem, was ich "lustvolles und leichtes Schreiben" nenne - aber trotzdem ein Job".
Sie ahnen es - am liebsten würde ich den ganzen Tag das tun, was ich so richtig gern tue. Lustvoll und leicht - eben aus dem Bauch heraus schreiben.Wenn da nicht die Sache mit dem Verdienst wäre, denn ich heiße nicht Sascha Lobo und laufe mit einer roten Irokesenfrisur durchs Land.
Aber bleiben wir bei der Diskrepanz zwischen dem was ich gern tue und dem was ich tun muss, damit die Kohle reinkommt. Etwas, das mich seit Beginn meiner Berufstätigkeit beschäftigt. Warum sind offensichtlich nur ein handvoll Menschen in der Lage, mit dem, was sie so richtig lieben, problemlos auch so viel Geld zu verdienen, dass es zum Leben reicht?
Ich weiß, dass bei vielen ein Glaubenssatz dahinter steckt, der lautet: "Arbeit kann nicht immer Spaß machen und Routine gehört dazu." Also sitzen sie brav auf ihren Posten und Pöstchen und erledigen einen Job, den sie nicht besonders mögen und mit einem Herzeinsatz von - sagen wir mal 40 - 70 Prozent runterreißen und nebenher träumen sie heimlich von einem anderen Leben, das irgendwann hoffentlich an die Tür klopfen wird.
Übrigens gibt es diesen Satz bei mir im Kopf auch, aber da geistert noch ein Zweiter herum und der ist, glaube ich jedenfalls, noch schlimmer. Er ruft eine Art Schamgefühl hervor. Eines von der Sorte, das man ungern spürt. Glaubenssatz - O-Ton: Du kannst doch nicht für etwas, das dir leicht fällt und auch noch Spaß macht, Geld verlangen!"
Rumms. Der sitzt! Ein hammerhartes Gutmenschdogma! Und ich habe keine Ahnung, woher das kommt. Sollten Sie diesen fiesen Miesmacher und Spaßverhinderer auch kennen, dann schreiben Sie mir, vielleicht können wir ihn ja kollektiv ausmerzen. Ich bin sicher, dann wird diese Welt schlagartig zu einem fröhlichen Ort.

Kommentare:

Liv hat gesagt…

Ach ja, ich verlink' Sie, Dich - äh Sie - mal, oder?

Gisa

Liv hat gesagt…

Tja, so isses, das Leben.

Aber glauben Sie mir (weil Sie "Ihnen" sagen, sage ich Sie, ansonsten darf man mich Duzen ;)), auch das Schöne, Leichte wird zur Qual, wenn man es tun "muss" ...

Ich hab's ausprobiert, bzw. probiere es aus.

Ich tue beruflich das, was mir so leicht-schön gefällt - und wundere mich jetzt manchmal, dass ich es gar nicht mehr als so leicht und schön empfinde?

Es ist schon noch so, aber manchmal brauchts Anlauf ...

Also - alles ist relativ.
Freuen Sie sich an dem, was ist - nicht an dem was sein könnte :-).

Das was sein könnte ist ein "Zubrot", sagte mal ein Schreiber.

Herzlich grüßt Gisa

Die Spaziergängerin hat gesagt…

Liebe Leser,
leider hat die Kommentarfunktion heute einige Kommentare gelöscht - es wäre schön, wenn Ihr Euch noch mal eintragt. Danke!

xpentesilea hat gesagt…

Ein Tipp für Sie von einer Tipperin, die liebend gerne mit dem Tippen Geld verdienen würde: Einfach nicht so viele Gedanken machen, sondern glücklich sein mit dem Wissen das zu tun, was man liebt...

ruma2008 hat gesagt…

Vielen Dank für Ihren herzerwärmende Welt.

Ja, die Selbst-Erkenntnis wichtig. Und es ist schwierig.

Vielen Dank für Ihren Besuch auf meinem Blog.

Aus dem Fernen Osten.
Greetings.
ruma

Allerleirauh hat gesagt…

Oh, dieser Spielverderber geistert auch in meinem Kopf herum - gern gemeinsam mit Herrn Was-leicht-ist-kann-nicht-gut-sein...

Ich verweise die beiden immer wieder in ihre Schranken, aber es sind sehr hartnäckige Gesellen ;-).

Beate Knappe hat gesagt…

Herzerwärmend schreibst du.
Ich ahbe mir auch zu diesem Thema so meine Gedanken gemacht und denke mal das hat mit "deutsch-sein" und "frau- sein" und unserer Kultur insgeamt zu tun, die prägt uns sozialisiert uns ja schließlich.
Im Schweiße deines Angesichts... z.B.
Oder, Arbeit ist kein Vergnügen.
Daamit sind wir aufgewachsen und können es einfach nicht glauben, das Arbeit ein Vergnügens ein kann, ja haben wir den schon Sozialismus? Wiesso ich jetzt darauf komem? Es gab da ein Lied, vor 30 Jahren oder so, in dem hieß es, das Arbeit ein Freude sein wird, oder so, ich versuche mich mal genauer zu erinnern, versprochen...

Auf jedn fall wollte ich sagen, das sind auch meine Themen und ich habe viel dazu geschrieben....