Donnerstag, 15. Juli 2010

Einfach Danke

Es ist schon spät - oder früh - ganz wie man es sieht. Der Ausklang eines alten Tages und gleichzeitig der Beginn eines Neuen. Irgendwie mittendrin sitze ich, habe gerade "Vicky Cristina Barcelona" gesehen und merke, dass mich eine Frage nicht loslässt.
Woher nehmen wir uns das Recht über andere Menschen zu urteilen? Das Recht festzulegen, was richtig oder falsch ist? Im Leben, in der Liebe, im Beruf und und und...
Vielleicht liegt es an meinem - zugegebenermaßen eigenwilligen Lebensstil, an der Tatsache, dass ich übermorgen 43 Jahre alt werde oder an dem Film, dass ich mir darüber Gedanken mache. Vielleicht ist es auch der Gegenwind, der mir gerade jetzt von einigen Seiten entgegenbläst.
Jedenfalls merke ich, dass sich in mir alles gegen dieses Schubladendenken wehrt.
Darf man nur einen Menschen lieben? Bin ich sprunghaft, nur weil ich mich ausprobiere? Was soll verkehrt daran sein, dem Ruf der Seele zu folgen, dieses Leben auszutesten - auf die eigene, individuelle Art? Muss ich so oder so sein, um gesellschaftlich kompatibel rüberzukommen. Und -  ist das überhaupt wichtig?
Nein.
Am Ende stehe ich allein vor dem großen Tor. Am Ende steht die Frage, ob ich mir selbst treu war. Es geht darum, mich zu erfahren. In meiner Größe, meiner Beschränktheit, meiner Tiefe und Sehnsucht.
Dass das dem einen oder anderen in meinem Umfeld nicht passt, gehört vielleicht auch zum großen Plan und hilft, konsequent diesen Weg weiter zu gehen. Passend dazu gibt es ein wundervolles Gedicht von Paolo Coelho:

DANKE

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben;
Sie haben meine Phantasie beflügelt.
Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten;
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben;
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.
Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben;
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.
Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben;
Sie haben meinen Mut geweckt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben;
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.
Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben;
Sie haben mich wachsam werden lassen.
Ich danke allen, die mich verletzt haben;
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.
Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben;
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Vor allem aber danke ich all jenen,
die mich lieben, so wie ich bin;
Sie geben mir die Kraft zum Leben!
Danke.


Kommentare:

Regenfrau hat gesagt…

Wunderschöner Text!
:-)
Und auch immer wieder Thema bei mir, weil ich andere verschlungene Wege ging, gestolpert und in der Dunkelheit gestanden und immer mehr merke ich: ich bereue nix, es war mein Weg und der war gut.
Das paßt schon alles so ;)
Schönen Tag!

Matthias Göhr hat gesagt…

natürlich darf man mehrere menschen lieben, " die liebe liebt das wandern gott hat sie so gemacht " (Schubert)

gruß matthias

Ilana hat gesagt…

Alles Gute zum Geburtstag! Mögen sich all deine Wünsche erfüllen, bis auf einen kleinen, damit du immer etwas hast wonach du streben kannst ;)

Allerleirauh hat gesagt…

Schöner Text- Danke dafür! :-)

Tina hat gesagt…

Diese Fragen stelle ich mir auch immer... keiner hat das recht, andere zu beurteilen.. bzw. jeder hat das recht,aber nur für sich.. es gilt nicht für andere....

und mit dem Lieben.. ich denke auch immer, man kann viele Menschen lieben, auch sexuell. Das sind einfach uns eingeprägte Moralvorstellungen, die uns beigebracht wurden. Das klassische Beispiel ist ja immer im Krieg, sie dachte, er sei tot und hat dann einen neuen.. er kehrt heim....

Es würde ja auch niemand erwarten, dass man nur eine Freundin hat. Schwer ist nur, jemanden zu finden, den man lieben und mit dem man auch leben kann.

Schöner Blog :)

LG Tina